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Ein Bücherflohmarkt der Superlative: Auf 256 Biertischen – und darunter – stehen die Kisten mit Belletristik, Sachliteratur und Schallplatten.

In der Wildmooshalle

In Gröbenzell warten 80.000 Bücher auf Käufer

Die Gröbenzeller Wildmooshalle verwandelt sich am Wochenende in ein Eldorado für Leseratten. Neben Belletristik und Sachliteratur erwartet die Besucher des Bücherflohmarkts auch manche Rarität.

GröbenzellSeit Wochen haben die zahlreichen Helfer fleißig gearbeitet. Rund 80.000 Bücher, 7500 Schallplatten, CDs, DVDs und Spiele müssen sortiert und zum Freizeitheim transportiert werden. Denn traditionell am Wochenende nach Aschermittwoch verwandelt sich die Wildmooshalle wieder in einen riesigen Bücherflohmarkt. Der Erlös geht an Hilfsprojekte in aller Welt.

Ab Mitte Januar hat der Verein „Gröbenzell hilft“, der den Markt organisiert, bereits gesammelt. Wer wollte, konnte Bücher und Schallplatten im alten Rathaus abgeben. Viele haben es getan. Ein früherer Lehrer aus München kam sogar mit einem Transporter nach Gröbenzell – vollgeladen mit Büchern, vorwiegend literaturwissenschaftliche Werke.

Schwerpunkt sind die drei Ks: Krimis, Koch- und Kunstbücher

Dank der großen Spendenbereitschaft stapelten sich letztendlich in sechs Räumen Bücher, Schallplatten, DVDs und vieles mehr. Und all das galt es, zu sortieren und zu verpacken. 2000 Kisten standen dafür bereit. Ein Team aus 20 Sortiererinnen machte sich ans Werk.

„Anfangs fürchteten wir schon, wir schaffen es nicht“, erzählt Renate Müller. Doch Mitte Februar lichteten sich die Reihen. Die Bücher waren in rund 200 Sparten sortiert worden, allein das Thema Belletristik wurde in 18 Rubriken unterteilt. Viel Platz nehmen die drei Ks ein – Kochbücher, Krimis und Kunstbücher. „Die sind bei den Käufern am beliebtesten“, weiß Christa Bumeder aus langjähriger Erfahrung.

Für den Transport zum Freizeitheim stelle die Bäckerei Reicherzer dem Verein ein Fahrzeug unentgeltlich zur Verfügung. Dreimal war dieses im Einsatz. Die Kisten wurden dann auf der Bühne in der Wildmooshalle zwischengelagert.

Geheimtipp: Eine Erstausgabe einer Schallplatte der Biermösl Blosn

Zwei Tage vor dem Bücherflohmarkt müssen die Helfer noch einmal richtig ran. Denn dann müssen 256 gemietete Biertische aufgestellt und die mit Büchern und Schallplatten gefüllten Kisten darauf nach Sparten sortiert verteilt werden.

Beim Schleppen sind dann die Männer gefragt, denn die gefüllten Boxen sind schwer, betont Renate Müller. In diesem Jahr bekommen die Helfer dabei Unterstützung von drei Flüchtlingen. Der Verein beschäftigt diese auf Ein-Euro-Basis.

„Etwa 25 Kilogramm wiegt eine mit Schallplatten gefüllte Kiste“, berichtet Werner Urban. Er ist vorwiegend für die Schallplatten zuständig. Daher weiß er auch, dass so mancher Schatz hier auf potentielle Käufer wartet – so wie die Erstausgabe einer Schallplatte der Biermösl Blosn, aufgenommen 1980 im Münchner Muh.

Zur Stärkung gibt es Kaffee und Kuchen 

Aber auch unter den Druckwerken sind Raritäten zu finden, darunter eine Predigtsammlung aus dem Jahr 1690. Während für die „normalen“ Bücher zumeist zwischen 50 Cent und drei Euro bezahlt werden müssen, muss man für die Raritäten tiefer in die Tasche greifen. Doch die Preise sind immer noch günstig, wie so mancher Sammler inzwischen in Erfahrung gebracht hat. Verlangt werden 40 Prozent des Durchschnittspreises, der auf dem Antiquariatsmarkt erzielt werden kann.

Hat man dann genug vom Stöbern in den Bücherkisten, kann man sich bei Kaffee und Kuchen stärken. Zehn Gröbenzeller Kinderbetreuungseinrichtungen haben dafür gebacken. Um Punkt 16 Uhr am Sonntag macht der Bücherflohmarkt dann wieder zu – bis zum nächsten Jahr zumindest. Die Biertische müssen abgebaut, die übrig gebliebenen Bücher und Schallplatten wieder abtransportiert werden. Denn am Montagmorgen wird in der Halle wieder gesportelt.

Die Öffnungszeiten des Flohmarkts

Bürgermeister Martin Schäfer eröffnet den Bücherflohmarkt am Samstag, 4. März, um 10 Uhr in der Wildmooshalle, Wildmoosstraße 36. Stöbern kann man bis 17 Uhr. Am Sonntag ist von 10 bis 16 Uhr offen.

von Susanne Schwind

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