Gegen Ausgrenzung schon ab der Kindheit: Dutzende Menschen warben in Gröbenzell für mehr Inklusion. Anlass ist ein Streit einer Familie mit der Gemeinde.
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Gegen Ausgrenzung schon ab der Kindheit: Dutzende Menschen warben in Gröbenzell für mehr Inklusion. Anlass ist ein Streit einer Familie mit der Gemeinde.

Nach Diskriminierung

Inklusions-Demo: Eltern kämpfen für Schulwechsel ihres Kindes

Zwischen 80 und 100  Frauen und Männer sind laut Veranstalter jüngst zum Freizeitgelände gekommen, um sich für mehr Inklusion einzusetzen.

Gröbenzell - Anlass der Demonstration in Gröbenzell war die Kritik einer Gröbenzeller Familie am Umgang mit ihrem Kind: Die Gemeinde hat den Schulwechsel nicht genehmigt.

Florian (Name geändert) leidet unter dem Asperger-Syndrom und ist Schüler der Gröbenbachschule. Diese Grundschule ist allerdings nicht die Sprengelschule des Achtjährigen – also eben nicht die Schule, in die er normalerweise eingeteilt werden würde. Das ist die Ährenfeldschule.

Als die Familie im Frühsommer vergangenen Jahres nach Gröbenzell zog, „ließen wir uns darauf ein, dass Florian wegen der kleineren Klassen nicht seine Sprengel-Grundschule (Ährenfeldschule) besuchte, sondern eine deutlich weiter entfernte Gastschule“, erläutert der Vater. Doch dort sei es von Beginn an zu „sehr unglücklichen und aus unserer Sicht klar inklusionsfeindlichen Vorfällen“ gekommen.

Die Eltern beantragten daher den Widerruf des zum Ende des Schuljahres endenden Gastschulverhältnisses. Der den Jungen behandelnde Psychologe erklärt in einer Stellungnahme: „Ein Schulwechsel von der Gröbenbachschule ist aus psychologischer Sicht dringend geboten.“

Doch die Gemeinde lehnte ab. Bürgermeister Martin Schäfer (UWG) gibt keine Auskunft, wegen des laufenden Verfahrens, wie er erläutert. Der im Schulamt für die Gröbenzeller Grundschulen zuständige Schulamtsdirektor Alfred Bleicher erklärt auf Tagblatt-Anfrage, dass die kleineren Regelklassen „mit 19 beziehungsweise 21 Schülern wie in der Gröbenbachschule für eine gelingende Inklusion wesentlich besser geeignet“ seien, spricht sogar von „optimal“. Die Schülerzahlen der beiden Regelklassen an der Grundschule Ährenfeld betragen jedoch laut Bleicher „aktuell je 28 Schüler“. Die Ganztagsklasse aber wird von wesentlich weniger Kindern besucht, wie Florians Vater betont.

Bleicher berichtet zudem, dass nicht das Schulamt, sondern die jeweilige Kommune über Gastschulanträge entscheide. Er machte aber auch klar: „Ein genehmigtes Gastschulverhältnis kann widerrufen werden, wenn die zwingenden persönlichen Gründe nicht mehr vorliegen, allerdings nur zum Ende des laufenden Schuljahres.“ Er zitiert damit Paragraph 4, Absatz 2 der Grundschulordnung.

Florians Vater aber betont: „Natürlich gibt es auch unter dem Jahr vollzogene Rücknahmen von Gastschulanträgen.“ Die Familie würde selbst einen entsprechenden Fall eines behinderten Kindes kennen, das unter dem Jahr wechselte, weil es an seiner Schule diskriminiert wurde. Die Familie hofft nun mit einer Klage im Eilverfahren beim Münchner Verwaltungsgericht den Schulwechsel ihres Sohnes durchsetzen zu können. Susanne Schwind

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