Ein Arzt bereitet eine Dosis des Impfstoffs von Pfizer-BioNTech im Impfzentrum vor
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Ein Arzt bereitet eine Dosis des Impfstoffs von Pfizer-BioNTech im Impfzentrum vor

Gröbenzell

Ja zu Luftfiltern – aber mit Appell fürs Impfen

Auch die Gemeinde Gröbenzell will im Kampf gegen die Pandemie Luftfilter anschaffen. Benötigt werden diese in der Bernhard-Rößner-Schule. Trotz des positiven Votums – zur Freude der in der Sitzung anwesenden Eltern – wurde auch Skepsis geäußert.

Gröbenzell – Zwei Väter, deren Kinder ab September in die Grundschule an der Bernhard-Rößner-Straße eingeschult werden, appellierten am Donnerstagabend eindringlich an die Gemeinderäte, der Anschaffung von Luftreinigungsgeräten für Klassenzimmer zuzustimmen. Das Gremium sprach sich dann auch dafür aus, die Ausschreibung vorzubereiten.

Beschlossen wurde außerdem, sich gegebenenfalls einer Sammelausschreibung anderer Kommunen im Landkreis anzuschließen. Allerdings nur, wenn dies keine europaweite Ausschreibung aufgrund der Gesamtsumme erfordere. Die Grenze liegt hier bei knapp über 200 000 Euro.

Skepsis

Die Entscheidung fiel einstimmig. In der Diskussion wurde aber offenbar, dass mehrere Gemeinderatsmitglieder den Lüftungsanlagen skeptisch gegenüberstehen. Cordula Braun (UWG) fragte sich: „Trägt die Stromversorgung der Schule die Geräte?“ Und Gymnasiallehrerin Cornelia Aicher-Leonbacher (FWG) betonte, dass die Impfung wichtiger sei als die Luftreiniger. Sie ist überzeugt davon, dass sich Schüler nicht bei ihren Mitschülern anstecken würden, sondern bei ihren Eltern. Eine Auffassung, die Martin Runge (Grüne) empört zurückwies. Bei 90 Prozent der Erkrankten sei gar nicht geklärt, wo sie sich angesteckt hätten.

Auch die Ärztin und Mutter dreier Kinder, Ulrike Breitkopf (CSU), appellierte an die Bürger, sich impfen zu lassen. Derzeit seien 44,5 Prozent der Bürger im Landkreis geimpft. „Damit kommen wir nicht weit, da hilft auch ein brummendes Gerät in der Ecke nicht.“ Sie äußerte noch eine Sorge: Huste ein infiziertes Kind hinten im Klassenraum, ziehe der vorne im Raum stehende Lüfter dessen Viren quer durch den Raum.

Auch die Schulreferentin Anita Rieger (CSU) steht den Geräten skeptisch gegenüber. Den Präsenzunterricht sicherten diese nicht. Dem stimmte CSU-Fraktionsvorsitzende Anton Kammerl zu. Dennoch: „Es ist Gefahr im Verzug.“ Er forderte: „Wir müssen mit Fantasie und Mut an die Sache herangehen.“ Eine Aufforderung, die Bürgermeister Martin Schäfer (UWG) dazu veranlasste, klarzustellen: „Wir haben klare Vorgaben. Ich werde das Vergaberecht nicht aushebeln.“

Wie Vize-Bürgermeister Runge erläuterte, hat Gröbenzell eine Schule, bei der man handeln müsse: nämlich die Bernhard-Rößner-Grundschule. Die Ährenfeld- und die Gröbenbachschule sind bereits bei der Sanierung mit Lüftungsanlagen ausgestattet worden. Zudem hat jeder Klassenraum mehrere Drehkippfenster, die zur Querlüftung vollständig geöffnet werden können. In der Bernhard-Rössner-Schule, die noch nicht saniert ist, gibt es keine Lüftungsanlage, aber größere Fenster, die zum Lüften geöffnet werden können.

Kein Allheilmittel

Welche Kosten auf die Gemeinde zukommen, ist derzeit noch offen. Runge geht von 4500 Euro plus 500 Euro Betriebs- und Wartungskosten je Klassenzimmer aus. Allerdings werden die mobilen Geräte von der Landesregierung mit bis zu 50 Prozent, höchstens aber 1700 Euro bezuschusst.

Den Vorschlag Kammerls, die von einem Biophysiker empfohlenen Luftreinigungsgeräte für je 500 Euro anzuschaffen, konnte Runge sich nicht vorstellen. Diese seien für ein etwas größeres Schlafzimmer ausreichend. Fest steht aber auch: , „Die Geräte sind keine Allheilmittel“, wie Runge und weitere Gemeinderäte einräumten.

Auch mit den Geräten muss gelüftet, Abstand gehalten und Maske getragen werden. Wenn ein Coronafall offenbar wird, folgt für die Kontaktpersonen Quarantäne.

Gregor von Uckermann (SPD) betonte dennoch, dass die Geräte ein „substanzieller Beitrag zur Vermeidung von Corona“ seien. „Sie sind ein Baustein“, ergänzte Runge. Wann die Geräte tatsächlich zum Einsatz kommen, ist derzeit offen. „Ich kann mir nicht vorstellen, dass alle Geräte sofort verfügbar sind,“ sagte Schäfer. Zumal allein die Stadt München mehrere tausend anschaffen will, ebenso diverse Kommunen im Landkreis. (sus)

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