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Wollen Geschichten erzählen: Schandmaul mit Martin Duckstein, Stefan Brunner, Neuzugang Saskia Forkert, Frontmann Thomas Lindner, Matthias Richter und Birgit Muggenthaler-Schmack. 

Musik

Schandmaul bringt „Artus“ an den Start: Jubiläums-Album mit neuer Band-Besetzung

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Mit „Artus“ hat die bekannte Gröbenzeller Folkrock-Band Schandmaul ihr zehntes Studio-Album am Start. Was sich bei der Band geändert hat  - und worum es im Album geht: 

Gröbenzell – Sänger Thomas Lindner und Flötistin Birgit Muggenthaler-Schmack blicken für das Tagblatt auf das neue Werk, aber auch auf die Entwicklung um die Gröbenzeller Hexe, wo die Schandmäuler ihren Ursprung haben. 

Drei Lieder auf der neuen Scheibe von Schandmaul beschäftigen sich mit König Artus und seiner Tafelrunde. „Es handelt sich um eine der großen Sagen“, sagt Sänger Thomas Lindner. Jeder kenne die Namen Artus, Parzifal oder Lanzelot. Außerdem sei das Thema Artus zum Zeitpunkt der Produktion auch sehr passend in Bezug auf die interne Situation der Band gewesen.

Geigerin hat sich von Schandmaul verabschiedet

Geigerin Anna Katharina Kränzlein hatte sich zuvor von Schandmaul verabschiedet, um ihre Solokarriere und ihre Zusammenarbeit mit Prinz Chaos weiter zu verfolgen. „Wir mussten uns neu formieren und orientieren“, sagt Flötistin Birgit Muggenthaler-Schmack. Da sei es wie bei den Rittern der Tafelrunde auf einen starken Zusammenhalt angekommen.

Neue Geigerin passt zu Schandmaul

Hilfreich war sicher auch, dass mit Saskia Forkert gleich eine Nachfolgerin für Kränzlein gefunden war. Sie hatte zunächst live ausgeholfen. „Schon nach einer kurzen Zeit hatte es zwischen uns gefunkt“, sagt Lindner. Die neue Geigerin passe menschlich und musikalisch wie die sprichwörtliche Faust aufs Auge zu Schandmaul.

Ganz ohne Nebengeräusche ging der Abgang von Kränzlein allerdings doch nicht über die Bühne. Wie bei den meisten Trennungen hat es auch bei dieser streckenweise geholpert, sagt Muggenthaler-Schmack. „Da musste schon der eine oder andere Konflikt ausgetragen werden.“ Letztlich könne sie aber gut verstehen und akzeptieren, dass Kränzlein eine Veränderung in ihrem Leben wollte.

Für Lindner kam deren Ausscheiden ohnehin nicht völlig überraschend: „Anna hatte schon länger ihr eigenes Süppchen gekocht, und es war nur eine Frage der Zeit, bis sie geht.“

Vorgänger-Album von Schandmaul landete auf Platz 1

Die neue Besetzung ging letztlich mit ordentlich Druck ins Studio. Das Vorgänger-Album Leuchtfeuer hatte 2016 als erste Schandmaul-Veröffentlichung Platz eins in den deutschen Charts erreicht. Doch Lindner und Co. gehen auf „Artus“ völlig unbeschwert zu Werke. Mit ein Grund dafür dürfte die Freude sein, die die Musiker an Geschichten wie der Artus-Sage haben. „Es macht riesigen Spaß, diese Themen zu recherchieren, die Folianten füllenden Informationen auf ein Gedicht im DIN-A4-Format herunterzubrechen und zu vertonen“, sagt Lindner.

Die Hexe - und die Ursprünge

Mit solchen Liedern sei die Band in der Lage, den Zuhörer in eine andere Welt zu entführen und ihm eine Auszeit vom Hier und Jetzt zu bieten. „Darin sehen wir unsere Aufgabe“, sagt der Schandmaul-Sänger, der sich auf „Artus“ einmal mehr als grandioser Geschichtenerzähler erweist. Wer an die Artus-Sage denkt, kommt aber auch nicht an der Hexe Morgan le Fay vorbei. Und Hexe liefert das Stichwort für die Ursprünge der Band.

In der Jugendkneipe am Bahnhof feierten die Schandmäuler am 14. November 1998 ihr Live-Debüt. Heute ist das Lokal geschlossen, es droht der Abbruch. „Da fühlt man auf jeden Fall ein bisschen Wehmut“, sagt Muggenthaler-Schmack. Sie verbinde viel mehr mit der Hexe, als nur die Wiege von Schandmaul. „Die Hexe war mein zweites Wohnzimmer.“

Reine Nostalgie

Dort habe sie die Landkreisbands auf der Bühne bewundert und sogar einen Trink-Contest gewonnen. „Das fällt unter die Kategorie Jugendsünde“, sagt die Flötistin mit einem Augenzwinkern. Sie finde es schade, dass wieder ein Ort verschwinde, an dem man zusammenkommen kann und an dem kleinere Konzerte stattfinden.

Lindner empfindet ebenfalls Wehmut, sagt aber auch: „Seien wir mal ehrlich: Das ist reine Nostalgie.“ Auch die Schandmäuler seien keine regelmäßigen Hexen-Gänger mehr gewesen. „Die Allermeisten, die sich bei der großen Abschiedssause eine Träne aus dem Knopfloch gedrückt haben, haben das Lokal jahrelang nur noch sporadisch besucht – welche Wirtsleute sollen davon leben?“ Gleichwohl sei es natürlich schade, dass Gröbenzell seinen letzten kultigen Ort verliere, an dem junge Bands auftreten konnten.

Konzerttermin

Wer Schandmaul live sehen will, hat Gelegenheit bei der Artus-Tournee. Die führt die Band unter anderem am 3. November nach München, am 7. November nach Ulm und am 29. November nach Nürnberg. Außerdem ist die Band bei zahlreichen Sommerfestivals, unter anderem beim „Sommer am Kiez“ am 10. August in Augsburg. Alle Tourneedaten gibt es auf www.schandmaul.de.

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