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Drechseln ist seine Leidenschaft: Karl Lechner bei der Arbeit in seiner Werkstatt. Er kennt moderne und historische Maschinen.

Alte Handwerkskunst

Drechselkunst aus der Zeit vor Christi Geburt

Wenn es ein Urgestein auf dem Gröbenzeller Hobbykünstlermarkt gibt, ist das wohl Karl Lechner. Der 80-Jährige ist leidenschaftlicher Drechsler. Er stellt dabei nicht nur seine selbst gefertigten Stücke zur Schau, sondern gibt auch einen besonderen Einblick in die Geschichte des Handwerks. Diese reicht weit vor die Geburt von Jesus Christus zurück.

Gröbenzell – Arbeiten, um seine Brötchen zu verdienen, muss der Gröbenzeller Karl Lechner schon seit Jahren nicht mehr. Seinen Beruf als Flugzeugbauer hat er nach 39 Jahren beendet und ist in den verdienten Ruhestand eingetreten. Auch das ist schon eine ganze Weile her: Lechner ist bereits stolze 80 Jahre alt. So richtig Ruhe hat er aber nie gegeben: Den Senior hat die Leidenschaft fürs Drechseln gepackt.

Alles hat mit einem kranken Kirschbaum in seinem Garten angefangen. Lechner musste ihn fällen. „Ich habe bemerkt, was für ein wunderschönes Holz das ist“, erinnert sich der Gröbenzeller. Das konnte er nicht einfach weggeben. Er ließ das Holz trocknen. Als es bereit zur Verarbeitung war, wurde es zu seinem ersten Drechselstück: eine Schale. „Die bewahre ich bis heute zu Hause auf“. Es sollten viele handgemachte Werke folgen.

Und der Ingenieur tüftelte auch an seinem Werkzeug. Er bastelte eine Maschine, die er für seine Arbeit benötigt: eine Holzdrehbank. Lechner fertigte eine Vorrichtung an, die bereits vor Jahrhunderten zum Drechseln benutzt wurde: eine Wipp-Drechselbank.

Diese Technik kommt aus Griechenland und ist dort weit vor Christi Geburt, nämlich etwa 1100 vor Christus, entstanden. Über 2000 Jahre lang hat sie sich bewährt. Dabei wird das Holzstück eingespannt und mit einer Schnur umwickelt, die an einer Stange befestigt wird, sodass sich das Holzstück beim Treten mit dem Fuß hin und zurückdreht, die Hände frei sind und diese das Holzstück mit Schneidewerkzeugen bearbeiten können. In Deutschland wurde diese Methode bis zum Anfang des 19. Jahrhunderts angewendet.

Lechner beherrscht zudem das Fidelbogendrechseln und fertigte dafür die notwendigen Utensilien an. Es ist eine Drechselmethode, die bereits auf einer Wandmalerei in einem ägyptischen Grabmal um 2650 vor Christus gezeigt wurde. Das alte Handwerk ist bis heute in Indien, im Iran oder in Marokko zu finden. Lechner zeigt die Methode immer wieder auf Kunsthandwerkermärkten und die Zuschauer dürfen sie dann selbst austesten. Zu Hause arbeitet er aber auf einer modernen Holzdrehbank mit massivsten Kegelrollenlagern, sodass die Bank äußerst stabil ist.

Wichtige Voraussetzungen für das Gelingen seiner Drechselstücke ist neben dem passenden Werkzeug, dass das Holz gut getrocknet ist. Bis ein gefälltes Holz bearbeitet werden kann, vergehen daher oftmals Jahre. Denn wichtigste Voraussetzung für ein gutes Drechselstück ist, dass das Holz langsam getrocknet wurde. „Bei schneller Trocknung entstehen Risse“, erläutert Lechner.

55 einheimische Hölzer warten bei ihm im Keller auf ihre Verarbeitung. Lechner weiß: „Im Keller ist es kühl und die Feuchtigkeit geht langsam aus dem Holz heraus.“ Ist das Holz trocken, werden daraus Schalen, Vasen, Dosen, Kerzenständer, kleine Kreisel, Birnen oder Äpfel und so mancher Notenständer und noch vieles mehr. Die Oberflächen seiner Werkstücke bearbeitet er dann mit rein biologischem Wachs, mit Lein- oder Nussöl. Und zu jedem Stück kann er sagen, woher das Holz stammt, aus dem es gefertigt ist.

Zur Schau aber auch zum Verkauf stellt Lechner seine Objekte auf zahlreichen Kunsthandwerkermärkten. In Gröbenzell ist er immer wieder auf dem Hobbykünstlermarkt anzutreffen. In diesem Jahr bereits zum 48. Mal. Elf Jahre lang waren er und seine Ehefrau Hannelore sogar für die Organisation des Marktes verantwortlich.

von Susanne Schwind

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