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Es gibt immer viel zu tun: Christa Jeier begutachtet und sortiert die T-Shirts, Hosen, Hemden und Blusen.

Oekumenischer Sozialdienst

Kleiderkammer: Vom T-Shirt bis zum Topf

Die Kleiderkammer des Oekumenischen Sozialdienstes Gröbenzell versorgt Bedürftige mit Gegenständen des täglichen Lebens. Ein Besuch in der Einrichtung, die für immer mehr Menschen lebenswichtig ist.

Gröbenzell – Drei Gruppen sind es in der Regel, die zur Kleiderkammer kommen, berichtet Leiterin Christa Jeier. Obdachlose, Flüchtlinge, Harzt-IV- und Grundsicherungsempfänger. Aber auch immer mehr ältere Leute wollen sich mit Kleidern versorgen. „Die Altersarmut nimmt zu“, sagt Christa Jeier. Ihr fällt auf, dass vor allem mehr Seniorinnen kommen, deren Ehemänner gestorben sind, und bei denen die Witwenrente knapp ist. Diesen Frauen falle es sichtlich schwer, das Angebot anzunehmen. „Sie schämen sich.“

Auch Obdachlose kommen in die Gröbenzeller Kleiderkammer. „Unter ihnen hat sich herumgesprochen, dass sie hier mit Respekt behandelt werden“, sagt Agneta Beckert. Auch sie arbeitet wie 24 weitere Frauen regelmäßig in der Kleiderkammer mit – zum großen Glück vieler Obdachloser. Denn etliche von ihnen stammen aus Osteuropa und Agneta Beckert spricht rumänisch. Sie hat schon so manchem beim Ausfüllen von behördlichen Schreiben geholfen oder einen Sprachkurs und eine Arbeit vermittelt.

Etwas zu tun gibt es immer in der Kleiderkammer. Spenden müssen begutachtet werden, denn nicht alles, was abgegeben wird, kann auch weitergegeben werden. Kaputte und schmutzige Sachen werden aussortiert. Manche Kleidungsstücke, die besonders, aber dreckig sind, werden gewaschen, andere gebügelt.

In der Kleiderkammer gibt es auch Schlafsäcke, Hygieneartikel und Rasierer

„Und Stofftiere werden immer gewaschen“, erzählt Horst Dill, einer der beiden männlichen Helfer in der Kleiderkammer. Anschließend wird weiter sortiert; nach Männer-, Frauen und Kinderkleidung, nach Hosen, Jacken, Pullovern, Kleidern, Röcken, Blusen, Hemden, Mänteln – und natürlich nach Größen.

Doch in der Kleiderkammer gibt es nicht nur Bekleidung. Obdachlose beispielsweise können sich dort auch mit Schlafsäcken, Hygieneartikeln, Zahnpasta, Seife, Rasierern und Taschentüchern versorgen – kostenfrei. Sie sind die einzigen, die nichts zahlen müssen. Alle anderen müssen zumindest einen kleinen Beitrag für alles, was sie dort abholen, berappen. Für ein T-Shirt sind dies 50 Cent, für eine Hose zwei Euro. „Damit sie es wertschätzen, was sie bekommen“, erklärt die Leiterin der Geschäftsstelle des Sozialdienstes, Anneliese Hohenwarter.

Bevor der Obolus eingeführt worden sei, sei es immer wieder vorgekommen, dass Kleidung aus der Kammer später weggeworfen worden sei, berichtet Vorstandsvorsitzender Winfried Bauer. Das so eingenommene Geld wird aber wieder für den Kauf von Unterwäsche oder Schlafsäcken ausgegeben. Und es wird Buch geführt, was abgegeben wird. Denn, wie Bauer sich erinnert, kam eines Tages eine Frau mit Kind und wollte einen Dampfkochtopf mitnehmen. Das ehrliche Kind aber verriet: „Mama wir haben doch schon einen.“

Öffnungszeiten der Kleiderkammer des Oekumenischen Sozialdienstes Gröbenzell

Die Kleiderkammer gibt es bereits fast so lange wie den Oekumenischen Sozialdienst. Selbst in den Jahren, in denen der Sozialdienst in Containern an der Rathausstraße untergebracht war, wurde gebrauchte Kleidung gesammelt und an Bedürftige ausgegeben. 1998 wurde dann das Sozial- und Begegnungszentrum eröffnet und die Kammer dort untergebracht.

Doch bis vor rund zwei Jahren war die Kleiderkammer auf zwei kleinere Räume beschränkt. Als aber Flüchtlinge zahlreich nach Deutschland und auch nach Gröbenzell kamen, reichte dieser Platz nicht mehr aus. Die Kammer wurde auf rund 130 Quadratmeter vergrößert.

Geöffnet hat die Kleiderkammer im Keller des Sozial- und Begegnungszentrums montags und freitags von 9 bis 11 Uhr, wobei freitags Kleidung nicht ausgegeben, sondern lediglich angenommen wird. Donnerstags ist sie von 16 bis 18 Uhr offen, zudem an jedem zweiten Mittwoch im Monat für Flüchtlinge.

von Susanne Schwind

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