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Musste am Anfang dicke Bretter bohren: Alois Krammer, Geschäftsführer der KommEnergie. Denn Gemeinderäte und Bürger standen dem kommunalen Energieversorger skeptisch gegenüber. „Es war unsere Aufgabe, zu informieren“, so Krammer.

Wechsel zum Jahresende

KommEnergie-Chef verabschiedet sich

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Stromversorgung nah am Bürger: Mit diesem Versprechen ist Alois Krammer 2007 als Geschäftsführer der KommEnergie angetreten – als erster überhaupt. Er prägte das junge Unternehmen wie kaum ein anderer. Zum Jahresende verabschiedet sich der 62-Jährige nun in den Ruhestand.

- Herr Krammer, wenn Sie auf die Anfänge der KommEnergie zurückblicken: Wie sehen sie diese?

Die Anfänge der KommEnergie kann man als schwierig und holprig bezeichnen. Als Ein-Mann-Betrieb galt das Motto „Selbst ist der Mann“. Dieter Höfl, mein damaliger Geschäftsführer-Kollege, und ich haben Messestände sogar noch selbst aufgebaut. Mit zunehmender Aufgabenübernahme und Einstellung von Mitarbeitern mussten anfänglich sogar Arbeitsplätze und PCs geteilt werden. Durch gesetzliche Änderungen und Neuausrichtung der KommEnergie mussten auch Kundendaten mehrmals in andere Systeme eingespielt werden.

- Als die KommEnergie gegründet wurde, gab es Kritik von Gemeinderäten. Die Bürger waren skeptisch. Wie bewerten Sie das im Rückblick?

Ich habe das vor zehn Jahren nicht als negativ empfunden und tue das auch heute nicht. Wenn eine Tradition wie die Stromversorgung, die bis dato in den Händen der etablierten Isar-Amperwerke lag, durch ein eigenes „Stadtwerk“ ersetzt wird, werden Fragen aufgeworfen und Skepsis breitet sich aus. Es war unsere Aufgabe, die Bürger zu informieren. Dies haben wir in vielen Veranstaltungen getan.

Die früheren Isar-Amperwerke dienten als Vorbild für die KommEnergie 

- Olching hat sich für einen eigenen Weg entscheiden. Was hat das für die KommEnergie für Auswirkungen gehabt?

Die Entscheidung, wer der KommEnergie angehören wird, wurde ja vor der Gründung in den jeweiligen Gremien gefällt. Die KommEnergie in der jetzigen Konstellation hat sich gut entwickelt und ist bürgernaher Dienstleister in Fragen rund um die Energieversorgung. Alles andere wäre Spekulation.

- Die KommEnergie als lokaler Energieversorger für Eichenau, Gröbenzell und Puchheim hat sich gut entwickelt. Was sind die Gründe?

Ein wichtiger Baustein war die gute Zusammenarbeit mit den politischen Gremien und den Gesellschaftern. Ich konnte meine Vorstellung, ein kommunales Unternehmen aufzubauen, umsetzen. Als betriebsgeführtes Unternehmen ohne eigenem Personal war dies aber nicht möglich. Die logische Konsequenz war, die kundennahen Prozesse direkt bei der KommEnergie anzusiedeln und mit eigenem Personal vor Ort zu erledigen. Als Vorbild dienten mir die Isar-Amperwerke, bei der meine stromwirtschaftlichen Wurzeln liegen. Vorbild deshalb, weil in den Regionalstellen der damaligen Isar-Amperwerke die Kunden mit all ihren Fragen zur Energieversorgung und Energieanwendung kommen konnten. Durch die Liberalisierung des Strommarktes musste aber der Netzbetrieb vom Stromvertrieb bei größeren Unternehmen entflochten werden, und die Kunden konnten seitdem nicht mehr an einer Anlaufstelle ihre Fragen loswerden. Mit Gründung der KommEnergie, einem lokalen Energieversorger, hatten wir die Chance, für die Bürger der beteiligten Kommunen wieder eine zentrale Anlaufstelle zu schaffen.

75 Prozent der Mitarbeiter der KommEnergie kommen aus der Region

- Energieversorgung ist ein globales Thema, was sich auch in der Preisgestaltung wiederfindet. Geht da nicht der lokale Bezug verloren?

Sie haben Recht, der Strompreis wird tatsächlich von vielen Faktoren beeinflusst, die nichts mit Lokalität zu tun haben. So entfallen in 2017 im Durchschnitt nahezu 54 Prozent des Strompreises auf Steuern und Abgaben. Auf den Netzbetrieb entfallen rund 24 Prozent. Für die Strombeschaffung und den -vertrieb verbleiben lediglich 22 Prozent. Die KommEnergie ist aber mehr als nur ein Stromlieferant. Da zahlt es sich auch aus, dass 75 Prozent unserer Mitarbeiter aus der Region kommen. Sie kennen die Menschen und die regionalen Gegebenheiten. Zudem sind wir Mitglied bei Ziel 21 und unterstützen den Verein nach Kräften bei der Erreichung seiner Klimaziele. Auch dem Thema E-Mobilität und Ladesäulen widmen wir uns seit Jahren. „Lokal“ und „global“ haben also ein Interesse aneinander. Sie gehören enger zusammen als manche vermuten.

- Wie ist in diesem Zusammenhang das Windkraft-Projekt aus dem Landkreis Pfaffenhofen zu bewerten, das lange in der Diskussion war?

In meinen Überlegungen gehörten Eigenerzeugungsanlagen immer zu einem lokalen Energieversorger. Das Windprojekt, das wir gemeinsam mit der Gemeinde Gerolsbach und der Bayernwerk AG entwickelt haben, entstand in einer Entfernung von nur rund 50 Kilometern und konnte meines Erachtens als regionales Projekt gesehen werden. Für die KommEnergie war das ein riesiges Projekt, bei dem wir viel gelernt haben. Leider fand sich dann keine Mehrheit für eine Beteiligung an der Bau- und Betriebsgesellschaft.

- Wie fühlen sich die KommEnergie und Sie sich persönlich in den lokalen Bereich ihres Versorgungsgebietes eingebunden?

Man kann schlicht und einfach sagen, dass wir uns hier zu Hause fühlen. So empfinden wir uns als lokales mittelständisches Unternehmen, das sich dem lokalen Gewerbe und den Institutionen zugehörig fühlt und auch eine gute Zusammenarbeit mit den Gewerbeverbänden pflegt. In diesem Zusammenhang ist auch die Nachbarschaftshilfe zu erwähnen. Wir schätzen das Engagement der Ehrenamtlichen und unterstützen es durch Spenden soweit wie möglich. Nicht zu vergessen ist der gute persönliche Kontakt zu den Bürgermeistern.

Mit seiner Frau will Alois Krammer noch einmal den Jakobsweg gehen

- In Eichenau sind Sie dem Bürgermeister seit knapp zwei Jahren sogar räumlich näher gerückt.

Der Umzug war aus Platzgründen notwendig. Zuvor waren wir auf zwei Büros verteilt. Nun können wir besser und gebündelt arbeiten und haben mehr Möglichkeiten, Beratungsgespräche ungestört mit unseren Kunden zu führen. Ja, man kann sagen, wir sind mehr ins Zentrum gerückt. Das motivierte die Mitarbeiter zusätzlich.

- Sie auch?

Auf jeden Fall. Motivierte Mitarbeiter bringen sich optimal in die Arbeitsprozesse ein und verbessern diese permanent. Das wirkt sich auch auf die Geschäftsführung aus. Die Mitarbeiter und die KommEnergie sind mir ans Herz gewachsen. Ich wünsche meinem Nachfolger Matthias Morche und der KommEnergie-Mannschaft alles Gute für die Zukunft.

- Dennoch haben Sie nun Zeit für andere Dinge.

Ja, das wird in erster Linie meine Frau bemerken. So ist das Reisen doch ziemlich auf der Strecke geblieben. Sich mal im Wohnmobil auf den Weg machen, nach Skandinavien zum Beispiel, das wird jetzt öfters möglich sein. Und bei den zwei Enkelkindern wird der Opa sicher auch sehr gefragt sein.

- Haben Sie einen Traum, der noch in Erfüllung gehen sollte?

Meine Frau und ich wollen noch einmal den gesamten Jakobsweg gehen. Dafür brauchen wir Zeit und die nötige Ruhe. Ich möchte aber weniger von einem Traum sprechen. Es ist vielmehr ein Bedürfnis, das aus dem Inneren kommt.

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