Gröbenzell

Auf der Suche nach Bewerbern für die Kommunalwahl 2020

Gröbenzell hat die Marke von 20 000 Einwohnern geknackt. Das stellt die Vertreter der örtlichen Politik vor ein Problem: Der Gemeinderat besteht künftig aus 30 statt 24 Mitgliedern. Es wird enger im Übergangsrathaus – und voller auf den Listen für die anstehende Kommunalwahl. Nur: Woher jetzt die weiteren Mandatsbewerber nehmen?

Gröbenzell – Jede Partei und Wählervereinigung kann nun bei der Kommunalwahl 2020 im kommenden Frühjahr mit 30 statt 24 potenziellen Bewerbern für den Gemeinderat ins Rennen gehen. Die Begeisterung darüber hält sich allerdings in Grenzen.

Freie Wähler

Der oberste Vertreter des Ortsverbands der Freien Wähler (FW) spricht klare Worte. „Wir haben wie alle anderen auch Probleme, 30 Kandidaten für eine Gemeinderatsliste aufzustellen“, erklärt FW-Vorsitzender Gerhard Beck. Immerhin seien ehrenamtliche Tätigkeiten generell nicht mehr so begehrt. Trotzdem streben die FW an, eine Liste mit 30 Kandidaten aufzustellen. „Wir sind schon dabei zu akquirieren“, berichtet Beck. Er selbst und seine Fraktionskollegin Cornelia Aicher-Leonbacher, die für ihren verstorbenen Ehemann nachgerückt ist, werden sich erneut um ein Mandat bewerben.

SPD

Auch bei der SPD gibt es Bedenken. Franz Eichiner, Vorsitzender des Ortsvereins, antwortet auf die Frage, ob der SPD sechs Gemeinderäte mehr Probleme bereiten, freimütig mit einem: „Ja“. Denn nicht alle Mitglieder, die vom Alter her kandidieren könnten, wollen auch wirklich antreten. Um sich zu bewerben, muss man mindestens 18 Jahre alt sein und seit mindestens drei Monaten im Wahlkreis eine Wohnung haben.

Grüne

Der Sprecher der örtlichen Grünen, Walter Voit, räumt zwar ein, dass es eine Herausforderung für jede Partei sei, nun 30 Kandidaten zu finden. Er ist trotzdem sehr optimistisch. „Die Grünen haben derzeit einen Lauf.“ Bei den letzten Wahlen konnte die Partei große Erfolge einfahren. Bei der Landtagswahl triumphierte Martin Runge in seiner Heimatgemeinde Gröbenzell: Er überholte die CSU bei den Erststimmen. Voit ist sich daher sicher: „Wir werden ohne Mühe 30 Kandidaten zusammenbekommen.“ Wer ins Rennen um den Chefsessel im Rathaus geht, steht bereits fest: Neu-Grüner Ingo Priebsch wurde im Mai nominiert. Am 4. November um 19 Uhr soll in der Alten Schule dann die Gemeinderatsliste aufgestellt werden.

CSU

Bei der CSU scheint man noch nicht zu einem abschließenden Urteil gekommen zu sein. Ortsvorsitzender Andreas Keefer ist überzeugt: „Kandidaten zu finden ist für uns kein Problem.“ Schon allein der Vorstand sei sehr groß, und viele kandidieren, er selber auch. Doch offenbar ist nicht jeder so zuversichtlich.

In der aktuellen Ausgabe des Gröbenzeller Gemeindeblattes „Gröbenzell im Blick“ werben die aktiven Gemeinderäte Anton Kammerl und Brigitte Böttger um Interessenten. Im Artikel der Gemeinderatsfraktion heißt es wortwörtlich: „Wie wärs? Lust unsere CSU-Fraktion 2020 zu verstärken.“

UWG

Bei der Unabhängigen Wählergemeinschaft Gröbenzell (UWG) ist zumindest der amtierende Bürgermeister Martin Schäfer sehr gelassen. Er betont: „Wir haben ausreichend gute Leute für die Liste.“ Fraktionsvorsitzende Marianne Kaunzinger fürchtet hingegen: „30 Kandidaten im Gemeinderat sind schon viel.“ Aber: „Wir müssen es jetzt nun einmal so hinnehmen, wie es ist.“ Lieber wäre es ihr gewesen, die Vergrößerung wäre nach dem Umzug in das neue Rathaus zum Tragen gekommen. Denn 30 Gemeinderäte im kleinen Sitzungssaal des Interimsrathauses unterzubringen, sei ein logistisches Problem. Das löst sich erst, wenn das neue Rathaus fertiggestellt ist: Der Sitzungssaal hat eine entsprechende Kapazität. Bei der UWG wird im Oktober die Liste aufgestellt. Schäfer will noch einmal Bürgermeister werden.

FDP

Einer erhofft sich sogar einen Vorteil aus der aktuellen Entwicklung: Der FDP-Ortsvorsitzende Hendrik Grallert spekuliert darauf, dass mehr Gemeinderäte seiner Partei einziehen könnten. Derzeit ist die FDP lediglich mit einem Mann, nämlich Klaus Coy, in dem Gremium vertreten. Die Liberalen haben allerdings ein Problem: Sie haben nur 21 Mitglieder, können also gar keine 30 Kandidaten aufstellen. Dies ist laut Landratsamt auch nicht verpflichtend. Allerdings dürften mehr Namen die Chancen deutlich steigern.

Dafür haben sie mit Klaus Coy einen Mann mit 29 Jahren Erfahrung als aktiver Gemeinderat – er wird auch wieder antreten. Auch Grallert selber wird sich um ein Mandat bewerben. Außerdem spielt er mit dem Gedanken, bei der Kommunalwahl für das Amt des Bürgermeisters zu kandidieren.

Es wird eng und laut

Die gute Nachricht: Auch jeder weitere Gemeinderat wird einen Stuhl vor einem Tisch bekommen, selbst im Sitzungssaal des Übergangsrathauses in der Danziger Straße. Allerdings ist gutes Sehen und Hören Voraussetzung für ein Gemeinderatsmandat. Bereits derzeit sitzen sich jeweils zehn Gemeinderäte in einer langen Reihe gegenüber, die vier UWG-Mitglieder verbinden am Ende des Konferenztisches beide Seiten. Kommen 2020 sechs Gemeinderäte dazu, werden auf jeder Seite zwei Tische dazugestellt, wie Bürgermeister Martin Schäfer erläutert.

Unterschiedliche Zahlen in Gröbenzell

In der Gemeinde kursieren unterschiedliche Zahlen, wie viele Bürger in Gröbenzell leben. Entscheidend für die Kommunalwahl sind die Zahlen des Bayerischen Landesamtes für Statistik. Demnach lebten zum Stichtag am 31. März genau 20 048 Einwohner in der Kommune. Nach der Wahl am 15. März 2020 muss die Anzahl der Gemeinderatsmitglieder entsprechend angepasst werden (30 statt 24). Das Landesamt für Statistik arbeitet mit einem gesetzlich festgelegten Verfahren. 

Grundlage ist unter anderem die Volkszählung von 2011. Auf deren Basis werden die Einwohnerzahlen fortgeschrieben, wobei Änderungsmeldungen der Einwohnermeldeämter und Standesämter berücksichtigt werden. Es werden nur Einwohner mit Hauptwohnsitz erfasst. Die amtlichen Einwohnerzahlen weichen zumeist von denen der Einwohnermeldeämter ab. In gemeindeinternen Ergebnissen sind teils auch Personen mit Nebenwohnsitz enthalten. Die Volkszählung von 2011 hatte zudem die eine oder andere Karteileiche in den Melderegistern ergeben. Laut Einwohnermeldeamt hat Gröbenzell einige hundert Einwohner mehr, als das Landesamt für Statistik ermittelt hat: nämlich 20 463 Gröbenzeller. Und das obwohl Personen mit lediglich einem Zweitwohnsitz nicht enthalten sind. (sus)

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