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Ganz leger und entspannt: Kevin Kühnert, der bundesweit schon durch provokante Äußerungen von sich reden gemacht hat, mit dem Gröbenzeller SPD-Bürgermeisterkandidaten Gregor von Uckermann (r.).

Gröbenzell

Riesen-Andrang beim Besuch von Juso-Chef Kühnert

Spätankömmlinge wurden vor der Türe abgewiesen, der Saal war rappelvoll: Kevin Kühnert, Chef der Jungsozialisten und Vize-Chef der Bundes-SPD, wollten sich über 200 Besucher im Gröbenzeller Freizeitheim nicht entgehen lassen. Kühnert sprach über Privates, den FC Bayern, Gemeinwohl – und wie er zu seinem Vornamen kam.

Gröbenzell – Offenes schwarzes Hemd, schwarze Hose, eher klein gewachsen, ruhig vor einem Glas Wasser sitzend – äußerlich ist der Hoffnungsträger der SPD in schwierigen Zeiten keine spektakuläre Erscheinung. Wohl aber als jemand, der sich nicht lang warm reden muss, um fast ohne Punkt und Komma sein Publikum zu gewinnen. Unterbrochen wurde Kühnert höchstens von Applaus. Als Stichwortgeber und Moderator fungierte Bürgermeisterkandidat Gregor von Uckermann.

Kühnert und der Fußball

In dem Gespräch der beiden ging es auch um Privates, was bei Kühnert aber immer gesellschaftlichen Bezug hat. Seinen Vornamen etwa („Meine Eltern haben es gut gemeint“) bekam der heute 30-Jährige zu einer Zeit, als seine Mutter für den Stürmer Kevin Keegan schwärmte und Anhänger des Fußballs ist auch ihr Sohn.

Er ist Fan des FC Bayern geworden, als „der Uli Hoeness noch nicht völlig weggedreht war“. Und er war sogar im Aufsichtsrat von Tennis Borussia Berlin, einem Club mit ehemals großer jüdischer Mitgliedschaft und später vielen Migranten als Spielern, der heute von Rechten als „Juden- und Schwulenverein“ geschmäht wird – für Kühnert eher Auszeichnung denn Beleidigung. Die Oberen des Sports sieht er aber schon gefordert: Wer alle zwei Wochen ein Stadion mit 50 000 Menschen fülle, müsse sich auch zu ethischen Werten bekennen.

Der Juso-Chef ist einer von 55 Bezirksverordneten der Berliner Stadtteile Schöneberg und Tempelhof. Und als Kommunalpolitiker glaubt er, dass auch vor Ort über Wesentliches entschieden wird. Etwa über die Frage, ob Stadt oder Gemeinde nicht auch an leistungslosem Einkommen – Gewinnen aus Bodenspekulation – im Sinne des Allgemeinwohls mitverdienen darf.

Darüber könne man gerade vor einer Kommunalwahl gut diskutieren. Dass auch ehrenamtlichen Politikern Hass entgegenschlägt, dass Bürgermeister entnervt aufgeben oder Waffenscheine beantragen, kennt man in der Hauptstadt und in Gröbenzell nur vom Hörensagen.

Aber auch vor dem Freizeitheim standen zwei nicht von der SPD angeforderte Polizeiwagen, und auch Kandidat von Uckermann muss sich im Wahlkampf sorgenvolle Fragen anhören: Warum tust Du Dir das an? Und dann noch für die SPD.

Teures Wohnen, der Nahverkehr

Schlimmer ist es in Ostdeutschland, wo vielerorts die demokratischen Strukturen fehlen. „Man kennt nicht mal jemanden, der jemand kennt, der in einer Partei ist“, meint Kühnert. Er riet aber dazu, das Gespräch mit Verdrossenen zu suchen, auch wenn die rechte Parolen im Mund führten. Oft gehe es gar nicht um Migration oder Überfremdung, sondern um teures Wohnen oder fehlenden öffentlichen Nahverkehr.

Aus dem Publikum wurde der Gast gefragt, ob die SPD vor der nächsten Wahl nicht verbindlich erklären sollte, nicht wieder als Juniorpartner einer Großen Koalition zur Verfügung zu stehen. Kühnert findet, dass man lange genug mit der Union regiert habe, um zu wissen, es reicht jetzt auch mal, und hält sich im Land Berlin von Rot-Rot-Grün für gut regiert. Natürlich gebe es bei der Linken einige nicht ganz koschere Gestalten. Aber auch eine Sahra Wagenknecht könne nicht mehr Geld zum Fenster rauswerfen als ein CSU-Verkehrsminister. Dennoch meint GroKo-Gegner Kühnert: „Wir sind gut beraten, nicht alles vorher auszuschließen.“ (op)

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