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Kostproben vom Essen auf Rädern

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Jeder durfte kosten – auch Tagblatt Reporter Jan Borchert, hier mit Juliane Gallasch und Carmen Sturz. © Weber

Der Ökumenische Sozialdienst in Gröbenzell hat Kostproben von Essen auf Rädern für Passanten zubereitet. Sozusagen als Dessert gab es auch noch einen Blick hinter die Kulissen. Dabei stellte sich auch heraus: Es geht bei dem Angebot um so viel mehr als warme Mahlzeiten für ältere Menschen.

Gröbenzell – „Da sieht man schon beim bloßen Zuschauen, dass es schmeckt“, sagt ein älterer Mann, der mit einem Bekannten zufällig am Stand gelandet ist. Der pflichtet ihm bei. „Schmeckt sehr gut, es könnte nur noch ein bisschen würziger sein“, sagt Ludwig Gantenhammer. Momentan kocht er noch für sich selbst, aber wenn dies einmal nicht mehr möglich sei, würde er den Service von Essen auf Rädern in Anspruch nehmen.

Der Ökumenische Sozialdienst in Gröbenzell hat zu einer Kostprobe zwischen den Markständen an der Rathausstraße eingeladen. Mehrere Dutzend Interessierte schauten vorbei, um Schweinegeschnetzeltes mit Spätzle und Gemüse zu probieren und zu ratschen. Das ehrenamtliche Team um Leiterin Juliane Gallasch kennt viele der meist älteren Passanten schon seit Jahren. „Wir wollen nicht nur bloßer Lieferdienst sein“, sagt Gallasch, die den Service seit zwölf Jahren leitet. Vielmehr stünden der zwischenmenschliche Kontakt mit den Senioren und die individuellen Wünsche im Vordergrund.

„Bei den eher privateren Herrschaften bringen wir das Essen nur an die Tür, bei vielen anderen setzen wir uns aber auch mal eine Zeit lang dazu und ratschen.“ Einige bräuchten Hilfe beim Schneiden, anderen könnte durch kleine Gefallen geholfen werden, zum Beispiel indem man ihnen eine Glühbirne auswechselt. Manche erzählen dann auch viel. Für viele sei der Besuch des Lieferdienstes der Höhepunkt des Tages, sagt Gallasch. Dies bestätigt auch Carola Leugner, die als ambulante Pflegehelferin viele Kunden des Services als Patienten hat und am Stand nun auch mal selbst probiert.

Schon seit Gründung des Sozialdienstes im Jahr 1971 gibt es das Essen auf Rädern. Anfangs wurde es mit Privatautos ausgefahren, mittlerweile hat der Service zwei eigene Wagen. Zur Zeit besteht das Team aus elf Leuten und wechselnden Helfern des Bundesfreiwilligendienstes. Von Montag bis Freitag bereiten drei Köche die Gerichte in der Küche des Sozialdienstes vor. Zwei Fahrer bringen die Mahlzeiten dann in zwei Touren an die 30 bis 40 Kunden, sodass sie zwischen 12 und 13 Uhr auf dem Tisch stehen.

Das Essen für den Service kommt von der Hofmann Menü-Manufaktur aus Boxberg Schweigern in Baden-Württemberg. Koch Walter Schmidt erzählt, dass die Gerichte nur mit regionalen Zutaten gekocht und anschließend schockgefrostet werden. So würde der frische Geschmack erhalten und es könnte auf Konservierungsstoffe verzichtet werden. Außerdem würde für die Verpackung Biopappe verwendet, um den Abfall einfach recyceln zu können.

Schmidt freut sich, zu sehen, dass beim Essen auf Rädern die Ehrenamtlichen mit Herz dabei sind. „Wir sind um jeden Freiwilligen froh“, sagt auch Leiterin Gallasch. Neue Ehrenamtliche seien jederzeit willkommen, gerade jüngere Menschen.

VON JAN BORCHERT

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