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Familiäre Atmosphäre: Rund 80 Läufer waren am Sonntag in Gröbenzell unterwegs.

Leichtathletik

Gröbenzell läuft: So war der Halbmarathon

Gröbenzell – Der traditionsreiche Gröbenzeller Halbmarathon kämpft ums Überleben. Am Sonntag wurde ein Schritt dafür getan. Die Rettung kam aus Schwaben.

Die Sonne stand schon hoch am Himmel, als sich die Miene von Klaus Coy endlich erhellte. Der Leichtathletik-Abteilungsleiter des SC Gröbenzell fungiert als Organisationschef des Gröbenzeller Halbmarathon-Rennens, das schon seit über 20 Jahren ausgetragen wird.

Doch in den letzten Jahren schien die traditionsreiche Veranstaltung im harten Konkurrenzkampf der Laufveranstaltungen auf der Strecke zu bleiben. Coy war daher schon vor dem Startschuss eine gewisse Nervosität anzumerken gewesen. Zumal in den vergangenen Jahren nicht immer alles glatt gegangen war: Mal hatte sich eine Sportlerin verlaufen, dann ließ die Siegerehrungen sehr auf sich warten.

Doch heuer lief alles wie am Schnürchen. Mittags um 12 Uhr waren die meisten Teilnehmer der Sieben- und 14-Kilometer-Konkurrenzen bereits wieder im Stadion angekommen. Und auch die besten Halbmarathonis hatten die Ziellinie passiert. Darunter überraschend viele Schwaben.

Bekannter Sieger: Der Olchinger Jürgen Metzner (früher SC Gröbenzell, nun SC Königsbrunn).

So die Halbmarathon-Siegerin Birgit Haug aus Aichach. Sie war mit 1:47,45 Stunden die Schnellste. Über 14 Kilometer nahm Christoph Feldner (Augsburg, 57:58 Stunden) die Position ein. „Ein schöner Kurs. Flach, schnell, kein Wind“, lautete sein positives Fazit. Ein Urteil, dem sich Triathlon-Spezialistin Rita Steger (Augsburg), die Siegerin über 14 Kilometern in 1:05,34 Stunden durchaus anschließen konnte: „Ich war das erste Mal hier, vermutlich komme ich wieder.“

Zufriedene 14-Kilometer- Zweite: Vanessa Nubert aus Olching.

Der Erste des Halbmarathons, Benjamin Luber, der für das Team der von einer Erdinger Brauerei gesponsorten Gruppe startet, hatte 1:22,49 Stunden benötigt. Wobei Luber eigentlich längere Strecken bevorzugt: Beim Sechs-Stunden-Lauf von Ottobrunn hatte er zuletzt 70,8 Kilometer heruntergerissen. Beim Wings-for-Life-Event am 8. Mai möchte er 50 Kilometer hinter sich bringen – und dabei wieder im Brucker Land vorbeischauen. Luber kann aber auch kürzer: Den Olchinger Jubiläumslauf über zehn Kilometer hat er als Fünfter in 36:33 Minuten abgeschlossen.

Auf der Strecke waren auch einige bekannte Gesichter zu sehen: So gewannen die beiden Olchinger Jürgen und Tanja Metzner die Sieben-Kilometer-Bewerbe. Er in 29:30, sie in 34:09 Minuten. Beide hatten mehrere Minuten Vorsprung auf die ersten Verfolger. Ähnlich gestalteten sich die Bewerbe auf den längeren Distanzen. Der Zweite über 21,1 Kilometer, Roland Wallner (München), war nach 1:26,14 Stunden eingetroffen, dreieinhalb Minuten nach Luber. Wallners Leistung war dennoch bemerkenwert. Denn immerhin ist er ein M55-Senior.

Dass die Abstände so groß waren, lag an der geringen Zahl der Teilnehmer. Gerade mal 80 waren es heuer. „Na so was, das waren früher doch viel mehr“, wunderte sich der Augsburger Thomas Siegmund, einst ein regelmäßiger Gast in Gröbenzell. Bis zu 250 Wettkampf- und Hobby-Athleten hatten in den besten Zeiten noch den Weg an den Gröbenbach gefunden. Coy seufzte: „Wir haben jedes Jahr mit einer starken regionalen Konkurrenz zu kämpfen.“ So war am Vortag der Forstenrieder Volkslauf mit fast 1500 Teilnehmern über die Bühne gegangen. Zeitgleich suchten auch Bayerns beste Halbmarathonis ihre Meister in Bad Staffelstein. Und am kommenden Wochenende veranstaltet der TuS Fürstenfeldbruck seinen Frühjahrslauf.

Doch die Terminlücke, in die sich die Gröbenzeller heuer gesetzt haben, erwies sich als gar nicht so schlecht. „Solche Massenveranstaltungen wie Forstenried sind mir zuwider“, erklärte Wallner. Ihm gefiel „die familiäre Atmosphäre“ in Gröbenzell. Die vielen Athleten aus dem Augsburger Raum nutzten den Parcours als letzte Trainingseinheit für die schwäbischen Titelkämpfe am nächsten Sonntag. Weshalb Coy hochzufrieden war: „Wenn man dann von den Athleten hört, dass es ihnen gut bei uns gefallen hat, macht man halt trotzdem weiter. Auch wenn es schwierig ist.“

Gute Stimmung am Straßenrand:

Die Gröbenzeller gelten als eher zurückhaltend. Zumindest in Läuferkreisen. Zuschauermassen säumen eigentlich nie den Straßenrand, wenn sich die Ausdauer-Asketen über den Asphalt plagen. Ein Streckenposten des SC Gröbenzell sann heuer daher auf Abhilfe. Uwe Imschweiler (54) hatte sich nicht nur mit der obligatorischen Fahne, sondern auch mit einer Kuhglocke ausgerüstet, um den Teilnehmern den rechten Weg zu weisen.

Halbmarathon in Gröbenzell: Bilder

„Da kommt doch gleich richtige Stimmung auf“, meinte der Schnauzbartträger mit einem Augenzwinkern und bimmelte enthusiastisch weiter. Mehr noch:Zusammen mit Thomas Kempick feuerte Imschweiler die vorbei trabenden Sportler auch verbal unermüdlich an. Durchaus mit einer feinen Ironie. „Auf geht’s, leg’ mal einen Zahn zu“, meinte er etwa zu einem grauhaarigen Recken, der immerhin noch 18 Kilometer vor sich hatte. Doch Läufer haben bekanntlich Humor: Imschweiler erntete einen „Daumen- hoch“-Dank.

Von Horst Kramer

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