„Das Essen ist für mich eine Sicherheit.“Andreas Ritter (89)

Mehr als nur eine warme Mahlzeit

Gröbenzell – Es kommt pünktlich und schmeckt den Kunden: Seit rund 40 Jahren bietet der Sozialdienst Gröbenzell „Essen auf Rädern“ an. Rund 30 Senioren nutzen den Service derzeit und sie eint eines: Sie freuen sich auf das tägliche Mittagessen, das ihnen direkt in die gute Stube geliefert wird. Aber nicht nur auf das.

Täglich, außer an Wochenenden und Feiertagen sind die Fahrer des Ökumenischen Sozialdienstes unterwegs und beliefern die Kunden mit heißem Essen auf Rädern. Egal ob sporadisch, an festen einzelnen Tagen oder die ganze Woche über: „Unser Angebot ist sehr flexibel und wir können jederzeit auf Kundenwünsche reagieren“, erzählt Juliane Gallasch, die für die Koordination zuständig ist.

Manfred Westerkowsky ist Rentner und seit vier Jahren ehrenamtlicher Fahrer. „Ich habe bis 68 freiberuflich gearbeitet. Ich hatte Glück im Leben, wollte mich ehrenamtlich einbringen und der Gesellschaft etwas zurückgeben“, sagt er. Auch Studentin Katrin Fischer (21) macht es aus Überzeugung: „Ich habe montags keine Vorlesungen, also hat es sich angeboten etwas Sinnvolles zu tun, und die positiven Rückmeldungen der Senioren geben einem das Gefühl, etwas Gutes getan zu haben“, ist sie überzeugt.

Ihre erste Kundin ist heute Erna Hofmann. Die 91-Jährige freut sich sichtlich über den gefüllten Kalbsbraten. „Ich bin seit vier Jahren Kundin und bekomme das Essen drei bis viermal in der Woche, je nach Bedarf“, sagt die sehbehinderte Dame. Bibo, ihr Graupapagei, wippt im Käfig auf und ab. Bibo ist sehr sprachbegabt: Er kann bellen oder miauen und einige Wörter sprechen. Sein Talent führt er auf Befehl seines Frauchens auch gleich dem Besuch vor. Erst danach genießt die Seniorin ihre Mahlzeit.

Andreas Ritter bekommt seit ein paar Monaten das Essen auf Rädern des Sozialdienstes, außer am Wochenende. „Mein Sohn wohnt bei mir im Haus aber er ist beruflich halt viel unterwegs“, erzählt der 89-jährige ehemalige Rektor des Pasinger Bert-Brecht-Gymnasiums. „Das Essen ist für mich eine Sicherheit und ich finde das Angebot toll, besonders, weil es mir sehr gut schmeckt“, betont Ritter. Gerne würde er noch ein wenig weiterplaudern, doch es warten noch andere auf ihr Mittagessen.

Erika Denk (76) bestellt das Essen auf Abruf und je nach Befindlichkeit. „Ich hatte mir die Schulter gebrochen, und es war einfach zu umständlich zu kochen; allerdings kannte ich das Angebot schon durch die Pflege meines Mannes, der leider schon verstorben ist“, erzählt sie. Sie hat in den letzten Monaten so ziemlich alles durchprobiert: „Es ist sehr abwechslungsreich, ich werde satt und es schmeckt; was will man mehr?“

Für Studentin Katrin Fischer ist es heute vorerst die letzte Tour. „Ich habe jetzt ein Praxissemester vor mir, aber im Februar werde ich gerne wieder mit dem Dienst weitermachen“, sagt sie. Juliane Gallasch hofft, dass sich der Pool der Fahrer nicht allzu sehr ausdünnt. „Wir arbeiten alle Fahrer gewissenhaft ein und begleiten die ersten Touren mit erfahrenen Kollegen“, betont Gallasch. (akk)

Fahrer gesucht

Wer Interesse daran hat, den Gröbenzeller Sozialdienst beim „Essen auf Rädern“ zu unterstützen kann sich melden unter der Rufnummer (0 81 42) 5 93 96 21.

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