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Mietwahnsinn: Kautionsbetrug mit System?

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Der Druck auf dem Wohnungsmarkt im Münchner Speckgürtel ist unglaublich – noch unglaublicher sind teilweise die Mietverhältnisse, auf die sich Wohnungssuchende einlassen müssen. Mehrere junge Menschen, die in einer Wohnung in Gröbenzell lebten, erheben schwere Vorwürfe gegen die vermeintliche Vermieterin. Sind sie um ihre Kaution betrogen worden?

Gröbenzell – Philipp T., 28, ist sauer und verzweifelt. Vor fast einem Jahr ist er aus dem Zimmer einer Wohnung in Gröbenzell ausgezogen. Doch die 800 Euro, die er beim Einzug als Kaution bezahlte, habe er bis heute nicht wieder bekommen, sagt er. Er ist überzeugt, dass die Frau, bei der er wohnte, vorsätzlich und systematisch Mieter übers Ohr gehauen hat.

Sie ist die Hauptmieterin der Wohnung in Gröbenzell – wobei sie laut übereinstimmenden Aussagen mehrerer Untermieter stets behauptete, ihr gehöre die Wohnung. Ihre Masche geht laut Philipp T. so: Eine hohe Kaution verlangen und diese beim Auszug der Untermieter unter Vorwand einbehalten. Der 28-Jährige sagt, er habe das Vertrauen in die Menschheit verloren. „Ich dachte immer: So etwas passiert mir nie.“

Mehreren, meist jungen Menschen ist es ähnlich ergangen. Sie alle wohnten teilweise zu unterschiedlichen Zeitpunkten und zur Untermiete in der Wohnung in Gröbenzell. Und sie alle haben nach eigenen Aussagen nach ihrem Umzug die Kaution nicht mehr wieder bekommen.

Dass sie sich auf scheinbar abenteuerliche Mietverhältnisse einließen, belegt auch den Mietwahnsinn im Münchner Speckgürtel. Wohnungssuchende sind immer öfter gezwungen, das erstbeste Angebot anzunehmen – auch wenn es dubios erscheint. Philipp T. zum Beispiel hatte vor zwei Jahren kurzfristig eine Jobzusage in München bekommen. „Ich war damals froh, aufgrund des zeitlichen Drucks schnell eine Bleibe gefunden zu haben“, sagt er. Eine andere Untermieterin sagt, auch sie sei glücklich über die Zusage gewesen.

Die Tagblatt-Redaktion hat mir ihr und anderen ehemaligen Bewohnern gesprochen. Alle bestätigen Darstellungen von Philipp T.. Eine junge Frau hat einen Anwalt eingeschalten, eine andere will das bald tun, um die Kaution wiederzubekommen. Insgesamt handelt es sich um mehrere tausend Euro.

Philipp T. wohnt nun in München. Als er Ende Mai aus dem Zimmer zog, habe die Hauptmieterin bei der Begehung eine Wand bemängelt, sagt er. Doch die Wand habe beim Einzug schon so ausgesehen. Ein Übergabeprotokoll gebe es nicht. Seitdem würde er stets vertröstet. Vor einigen Monaten habe er eine SMS von der vermeintlichen Eigentümerin bekommen. Philipp T. sagt, in der SMS habe sie geschrieben, sie warte noch immer auf die Abrechnung der Betriebskosten. Der Tenor in der SMS: Alles kein Problem mit der Kaution. Es dauert nur noch ein bisschen.

Sein damaliges Zimmer misst 17,4 Quadratmeter. Die Kaltmiete betrug 400 Euro. Neben ihm wohnten noch andere Menschen im Obergeschoss. Im Erdgeschoss lebte die Hauptmieterin. Übereinstimmend berichten ehemalige Mitbewohner von einer defekten Heizung. Im Winter hätten sie einmal in einem Zimmer 17 Grad Celsius gemessen und einen Heizstrahler aufstellen müssen. Ihre Beschwerden hätte die Hauptmieterin ignoriert. Zudem seien laut Philipp T. aus unerklärlichen Gründen die Nebenkosten um circa 60 auf 100 Euro pro Monat angehoben worden.

Die Tagblatt-Redaktion hat auch mit der Hauptmieterin gesprochen. Sie streitet alles ab. Die Vorwürfe seien ihr bekannt, sagt sie. Aber: „Das ist Unsinn.“ Den Untermietern wirft sie „üble Nachrede“ vor. Die Leute hätten ihre Kaution wiederbekommen, sagt sie. Warum ihre alten Mitbewohner die Vorwürfe erheben, wisse sie auch nicht. Sie will nun ihren Anwalt einschalten. Auch sie ist im Januar umgezogen.

Die Tagblatt-Redaktion hat über das Thema Mietkaution mit Michael Ginkel gesprochen. Er ist Geschäftsführer des Mietvereins für Fürstenfeldbruck und Umgebung. 

-Angenommen: Der Hauptmieter vertröstet den Untermieter wegen der Rückgabe der Kaution immer und immer wieder. Was soll der Untermieter tun? 

Ginkel: Schriftlich die Rückzahlung der Mietkaution mit Terminsetzung fordern und sich rechtlichen Rat beim Mieterverein oder einem Rechtsanwalt einholen. 

-Kann der Hauptmieter wegen einer nachträglichen Erhöhung der Betriebskosten die Kaution einbehalten?

Ginkel: Die Abrechnung der Betriebskosten richten sich ausschließlich nach den Vereinbarungen des (Unter)Mietvertrages. Sollten bei Übergabe der Wohnung jedoch noch nicht anrechenbare Betriebskosten später abgerechnet werden müssen, kann der Vermieter eine Forderung mit der Mietkaution aufrechnen und entsprechend nicht mehr die volle Mietkaution auszahlen. 

-Sollte man als Untermieter stutzig werden, wenn der Hauptmieter behauptet, die Nebenkosten hätten sich kurzfristig erhöht?

Ginkel: Hier hat der Mieter Anspruch auf eine detaillierte Abrechnung und gegebenenfalls Einsicht in die entsprechenden Rechnungsbelege. Eine Pauschale – soweit zulässig – ist fest. Das heißt: Diese kann nachträglich nicht mehr erhöht werden. Der Vermieter kann nichts mehr nachfordern. Entscheidend sind in jedem Fall die vertraglichen Vereinbarungen

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