Mit einem F für Fällung oder e inem Ek für Einkürzung wurden die Bäume entlang der Gleise zwischen Gröbenzell und Olching markiert.

Gröbenzell/Olching

Naturschützer fürchten Kahlschlag am Bahndamm

 Stürzt ein Baum auf Bahngleise oder fallen Äste auf Hochspannungsleitungen, ist der Schaden groß. 

Gröbenzell/Olching– Es kann zu schweren Zugunglücken und stundenlangen Verspätungen kommen. Deshalb lässt die Bahn immer wieder präventiv Bäume fällen und ausschneiden – so auch vor kurzem entlang der Gleise zwischen Gröbenzell und Olching. Der Streifen ist eigentlich geschützt. Barbara Chandani Sittl hatte zudem entdeckt, dass etwa 40 Bäume mit Buchstaben wie F für Fällung oder Ek für Einkürzung gekennzeichnet wurden. Sie fürchtete einen Kahlschlag.

Sittl sieht ein, dass Bäume, die die Verkehrstüchtigkeit der Bahn gefährden könnten, beschnitten oder gefällt werden müssen. Sie kritisiert aber, dass die Zuschnitte so brutal durchgeführt wurden, dass der Erhalt der Bäume dadurch gefährdet ist.

Auch die Vorsitzende der Gröbenzeller Ortsgruppe des Bund Naturschutz, Ariane Zuber, moniert die Art und Weise, wie so mancher Baum beschnitten wurde. So wurden beispielsweise Starkästen entfernt und Baumkronen zerstört. Manche Stämme wurden gekappt, was langfristig das Wurzelwerk zerstören kann.

Darüber hinaus alarmierte Zuber und Sittl die Baumkennzeichnung, die auch außerhalb des sechs Meter breiten Sicherheitsstreifens entlang der Gleise erfolgte. Doch auch außerhalb dieses Streifens könne es notwendig sein, dass ein Baum gefällt werden muss, erklärte Petra Heber von der Unteren Naturschutzbehörde auf Nachfrage. Zum Beispiel, wenn die Gefahr droht, dass der Baum eines Tages auf die Gleise, die Hochspannungsleitung oder ein privates Grundstück stürzen könnte. Nötig wird ein Entfernen auch, wenn der Baum so groß ist, dass desen Äste in die Gleise ragen. Heber machte klar: „Wenn die Bahn feststellt, dass Bäume aus Verkehrssicherheitsgründen gefällt werden müssen, mische ich mich nicht ein“.

Wie viele Bäume letztlich entlang der Güterbahnstrecke fallen oder beschnitten müssen, ist noch völlig offen, versichern sowohl Heber als auch ein Sprecher der Bahn. Bisher wurden lediglich regelmäßige Pflegemaßnahmen durchgeführt und in deren Rahmen drei Bäume, die drohten umzufallen, gefällt, so der Bahnsprecher. Im Herbst solle dann kontrolliert werden, ob die Maßnahmen ausreichen. Erst in drei Jahren käme es dann zu einer erneuten Pflegeaktion.

Dass Bäume gekennzeichnet wurden, und dies von Fachleuten, Baumpflegern und Forstwirten, wie der Bahnsprecher betont, aber habe mit diesen regelmäßigen Pflegemaßnahmen nichts zu tun. Die Kennzeichnung sei vorgenommen worden, um die Bäume in ein bundesweites Kataster aufzunehmen.

Aufgrund der Aufregung wurde ein Ortstermin anberaumt. Daran nahmen Bahnmitarbeiter, Heber, mehrere Gröbenzeller Gemeinderäte, Zuber und Sittl teil. Dabei einigte man sich darauf, dass in Baumgutachter die gekennzeichneten Stämme überprüfen soll. Dieser soll untersuchen, ob sie gefällt, gestutzt oder Totholz ausgeschnitten werden muss. Anschließend wird der Bahn das Ergebnis mitgeteilt, in der Hoffnung, dass das Gutachten Beachtung findet.

Auch Petra Heber wird das Gutachten erhalten. Denn von der Mitarbeiterin der Unteren Naturschutzbehörde erfuhren die Teilnehmer des Ortstermins, dass der geschützte Landschaftsbestandteil Bahndamm als Trockenlebensraum kartiert sei. Ein Lebensraum, der, wenn er durch Gehölze oder Bäume bedrängt werde, geschädigt werden könne. Das überraschte Zuber und Sittl, zumal nicht-heimische Pflanzen, wie die Goldrute, die sich dort angesiedelt haben und alles verdrängen, bisher niemals entfernt wurden.  (sus)

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Die Qual der Wahl geht wieder los
Das geht ja schon gut los und macht die Qual der Wahl noch aufregender. Nach nicht einmal ganz dreimonatiger Pause wählen die Fußballfans unter den Tagblatt-Lesern jetzt …
Die Qual der Wahl geht wieder los
Elijah aus Fürstenfeldbruck
Christin und Dennis Wallmann aus Fürstenfeldbruck freuen sich über die Geburt ihres dritten Kindes. Elijah wog am Tag seiner Geburt 3240 Gramm und war 51 Zentimeter …
Elijah aus Fürstenfeldbruck
Er sorgt für Ordnung in den Gemeinde-Archiven
Stefan Pfannes arbeitet in der Verwaltungsgemeinschaft Mammendorf, ist Gemeinderat in Maisach und bringt als Archivar Ordnung in so manches staubiges Kämmerlein – jetzt …
Er sorgt für Ordnung in den Gemeinde-Archiven
Eine Stadt aus einer Tonne Legosteine
Stein auf Stein, Stein auf Stein, das Häuschen wird bald fertig sein: Im Rahmen des Ferienprogramms haben 38 Kinder eine ganze Stadt gefertigt – aus Legosteinen. Dabei …
Eine Stadt aus einer Tonne Legosteine

Kommentare