Jean-Marie Leone hat errechnet, das Streifen aus Germering um bis zu 37 Prozent längere Wege nach Puchheim fahren müssen.

Infoveranstaltung

Polizeireform: „Das ist eine Verschlechterung“

Ich kann für die Bürger keine Verbesserung feststellen.“ Dieses Fazit zog Jean-Marie Leone, Fraktionsvorsitzender der SPD im Puchheimer Stadtrat, bei einer Diskussionsveranstaltung zur Zukunft der Polizeiinspektionen Gröbenzell und Olching. 

Gröbenzell „Die Sozialdemokraten hatten dazu ins Gröbenzeller Bürgerhaus eingeladen. Auch Günter Gietl, Präsident des Polizeipräsidiums Nord, war da.

Wie berichtet, sollen die Dienststellen Gröbenzell und Olching Anfang 2019 zusammengelegt werden. Zu einem späteren Zeitpunkt ist dann ein Neubau geplant. Ob auf Olchinger oder Gröbenzeller Flur ist noch offen. Die Kommunen Puchheim und Eichenau werden dem Dienstbereich der Germeringer Inspektion zugeschlagen.

„Das ist für mich eine Verschlechterung der Situation“, klagte Leone. Er hatte errechnet, dass Polizeistreifen aus Germering künftig um bis zu 37 Prozent längere Wege nach Puchheim fahren müssen, als Streifen, die wie bisher aus Gröbenzell kommen. Zudem hatte er Bedenken, wie Puchheimer Bürger, speziell ältere, künftig zur Polizeidienststelle nach Germering kommen sollen.

Doch Gietls Vertreter, Herbert Wenzl, entgegnete ihm: „Wichtiger als ein kurzer Weg ist, dass die Polizei schnell da ist, wo man sie benötigt.“ Kurze Reaktionszeiten aber seien mit mehr Polizeistreifen möglich. Gietl fügte hinzu, dass er noch nie eine Bürgerbeschwerde erhalten habe, dass eine Polizeidienststelle zu weit weg sei. Klagen habe es lediglich gegeben, weil ein Einsatzfahrzeug nicht gekommen sei. Er geht aber davon aus, dass es nach der Reform mehr Streifen auf der Straße geben wird als bisher.

Doch SPD-Landtagsabgeordnete Kathrin Sonnenholzner war skeptisch. Dass es mehr Streifen gebe, wurde 2009 im Rahmen einer Reform schon einmal versprochen worden, erinnerte sie. Passiert sei jedoch nichts. Und auch der Kreisvorsitzende der Polizeigewerkschaft, Josef Fuksa, zeigte sich wenig begeistert von großen Dienststellen. „Eine kleine ist von ihrer Qualität her besser“, sagte er und sprach sich für eine hohe Inspektionsdichte aus. Fuksa berichtete zudem, dass die Überstunden bei Polizisten immer mehr werden. Ihm sei jetzt sogar angeboten worden, sich Überstunden auszahlen zu lassen.

Puchheims Bürgermeister, Norbert Seidl, war unter anderem wichtig, dass die Bevölkerung Kontakt mit der Polizei habe. Und den bekomme man nur mit mehr Beamten. Er hat große Bedenken hinsichtlich der geplanten Zusammenlegungen. „Der Abbau von Gebäuden führt am Ende zu weniger Personal“, befürchtet er. Dabei wachse die Bevölkerung, und die Anforderungen an die Polizei würden stetig steigen.

Zusätzliche Beamte wünscht sich auch Gietl, wie er einräumte. „Wir sagen bei jeder Gelegenheit, dass wir mehr Personal benötigen.“ Doch dies sei eine politische Entscheidung und liege nicht in den Händen der Polizei selbst. Daraufhin machte Kathrin Sonnenholzner klar, dass die SPD dem nicht entgegensteht. Ihre Fraktion stelle dazu seit Jahrzehnten Anträge.

Leone kritisiert auch, dass er von den Planungen der Polizei durch die Zeitung erfahren habe. Eine Kritik, die Gietl aber nicht auf sich sitzen lassen wollte. Er erläuterte, dass geplant gewesen sei, erst alle Beteiligten zu informieren und dann an die Öffentlichkeit zu gehen. Das bestätigte Gröbenzells Bürgermeister Martin Schäfer. Er betonte, dass er sich an die Abmachung gehalten habe. Doch dann habe jemand eine Pressemitteilung herausgegeben, so Gietl. Dieser jemand war Landtagsvizepräsident Reinhold Bocklet (CSU) gewesen. sus

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