+
In Gröbenzell wurden Flugblätter verteilt.

Flyer-Aktion

Neo-Nazis werben mit Corona-Hilfe

  • schließen

Die rechtsextremistische Kleinstpartei „Der Dritte Weg“ hat in Wohngebieten in der Region Werbe-Postkarten verteilt.

Puchheim/Gröbenzell – Immer wieder ist gerade zu hören, dass die Rechten die sogenannten „Hygiene-Demos“ gegen die Corona-Einschränkungen instrumentalisieren und krude Thesen verbreiten. Ganz offenbar gibt es in der Krise noch eine weitere Masche: In Puchheim hat die rechtsextreme Kleinstpartei „Der Dritte Weg“ Nachbarschaftshilfe in der Corona-Krise angeboten – per Postkarte.

Puchheimerin wendet sich ans Rathaus

Eine 65-jährige Puchheimerin traute ihren Augen nicht, als sie eine solche vor etwa zwei Wochen aus ihrem Briefkasten fischte. Auf den ersten Blick wirkt das Schreiben harmlos: In großen grünen Buchstaben ist darauf „Nachbarschaftshilfe“ zu lesen und „Corona-Krise“. Hilfe im Alltag und beim Einkaufen wird angeboten als „Solidarität für Deutsche“. Und eine Handynummer ist abgedruckt (bei einer Stichprobe ging die Mailbox dran). Erst ganz unten steht der Urheber: der „Dritte Weg“.

Die Puchheimerin wusste allerdings sofort, woher der Wind weht, und schickte ein Foto der Postkarte ans Rathaus. Dort sagte man ihr, dass man nichts machen könne – weil auf der Karte nichts Illegales stehe.

Tatsächlich ist die Partei nicht verboten. Der Verfassungsschutz klassifiziert sie jedoch als rechtsextremistische Gruppierung und Auffangbecken für Angehörige aus der Neo-Nazi-Szene. Ein ganz typisches Vorgehen sei demnach, sich als „Kümmerer“ zu präsentieren, um von der neonationalsozialistischen Grundhaltung abzulenken. Die Corona-Pandemie sei derzeit das Schwerpunktthema der Agitation. Sprich: Man benutzt sie, um auf sich aufmerksam zu machen.

Landkreis im Einzugsgebiet des Parteistützpunktes

Der Landkreis liegt laut Verfassungsschutz im Einzugsgebiet des Parteistützpunktes München/Oberbayern (insgesamt gibt es über 19 davon). Dort waren die Mitglieder etwa wegen der Bagida-Demonstrationen, einem Ableger der Pegida, im Fokus. Immer wieder werden aber auch Flugblätter in der Umgebung verteilt.

„Ob sie die Nachbarschaftshilfe auch einlösen können, halte ich für fraglich“, sagt Norbert Seidl, SPD-Bürgermeister.

Bürgermeister Norbert Seidl (SPD) geht nicht davon aus, dass sich wirklich Puchheimer unter den Aktivisten befinden. Bei der „Nachbarschaftshilfe“ handele es sich eher um einen Bluff. „Ob sie diese auch einlösen können, halte ich für fraglich“, erklärte Seidl. Es sei wohl eher Werbung für die eigenen Zwecke. „Als Kommune ist man da recht machtlos.“ Puchheim war in der letzten Zeit offenbar häufiger im Visier der Rechten. Nachdem es Probleme in der Asylunterkunft in Puchheim-Ort gegeben hatte – eine Gruppe von Migranten hat die Essensaufnahme verweigert und die Lebensmittel weggeworfen – tauchten ebenfalls Flugblätter auf. Laut Verfassungsschutz trugen diese den Slogan „Asylflut stoppen“.

Postkarten auch in Gröbenzell

Allerdings flatterten auch in die Briefkästen der Nachbargemeinde Flyer des Dritten Weges. Auf der Internetseite der rechtsextremen Organisation ist es deutlich nachzulesen: Ende April wurden „zahlreiche“ Flugblätter in Gröbenzell verteilt. Diese Postkarten sind mit dicken Lettern bedruckt: „Ein Volk will Zukunft“. So lautete das Motto der zentralen Demonstration der Organisation, die für 1. Mai in Erfurt geplant war, aber wegen Corona nicht stattfinden konnte. Die ausländerfeindlichen Parolen mit Ausdrücken wie „Überfremdung“ fanden so ihren Weg in die Öffentlichkeit.

Das hat den Gröbenzeller Grünen-Sprecher Walter Voit dazu bewegt, umgehend eine Warnung herauszuschicken. „Dass es offenbar in dem als tolerant und pluralistisch geltenden Gröbenzell aktive Mitglieder dieser Organisation gibt, wundert die Grünen“, schreibt Voit. Der rechtsradikale „Dritte Weg“ hätte seinen lokalen Schwerpunkt doch vor allem im thüringischen Vogtland. Voit bittet alle Bürger darum, den Grünen mitzuteilen, wenn sie derartige Propaganda im Briefkasten hatten. Bekannt sei das bislang von der Bodenseestraße und den Hochhäusern an der Ammerseestraße.

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Mahnwache für den Klimaschutz in Olching
Die Aktivisten von „Olching for Future“ werden am Samstag eine Mahnwache unter dem Motto „Klimaschutz und nachhaltige Mobilität“ auf dem Nöscherplatz vor dem Maibaum …
Mahnwache für den Klimaschutz in Olching
Coronavirus in FFB: Zahl der Infizierten geht weiter zurück 
Das Coronavirus hat entscheidende Konsequenzen für die Menschen im Landkreis Fürstenfeldbruck. In unserem News-Ticker, Teil 3, finden Sie aktuelle Nachrichten.
Coronavirus in FFB: Zahl der Infizierten geht weiter zurück 
Polizei sucht Zeugen nach Drogenfahrt auf der B2
In Schlangenlinien ist eine 54-Jährige am Dienstagmorgen gegen 8.30 Uhr auf der B 2 von Fürstenfeldbruck nach Germering gefahren. Dabei müssen mehrere Autofahrer …
Polizei sucht Zeugen nach Drogenfahrt auf der B2
Auto übersehen: Crash auf der B471
Beim Auffahren auf die B 471 bei Gernlinden hat eine 51-Jährige am Freitagnachmittag den Nissan eines 32-Jährigen übersehen. 
Auto übersehen: Crash auf der B471

Kommentare