Concetta Tatti auf ihrer Terrasse in Gröbenzell
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Concetta Tatti auf ihrer Terrasse, die sie ohne das Einverständnis der Gemeinde vergrößert hat.

Klage gegen Anwohnerin

Rollstuhlfahrerin vergrößert Terrasse – Gemeinde Gröbenzell klagt

Ebenerdig, breite Türen, ein großes Bad und niedrig angebrachte Lichtschalter: Eigentlich ist die Wohnung der Gemeinde in der Grünfinkenstraße eine Traumwohnung für Concetta Tatti.

Gröbenzell – Doch das Leben in der Wohnung, die auf die Bedürfnisse von Elektro-Rollstuhlfahrern ausgerichtet ist, entwickelte sich für die 44-jährige Rollstuhlfahrerin zu einem Albtraum. Grund ist die Terrasse, die sie eigenmächtig vergrößert hat, und deren Rückbau die Gemeinde nun fordert.

Eigentlich war Tatti, die als Folge einer Autoimmunerkrankung im Rollstuhl sitzt, immer gerne auf der Terrasse. Allerdings fand sie den Bereich, der 2,2 mal 1,8 Meter ausmacht, für ihren Elektro-Rollstuhl zu klein. Deshalb hat sie bei der Gemeinde angefragt, ob der Bereich vergrößert werden kann. Doch die Verwaltung lehnte ab. Es sei nicht möglich. Denn die Kiesfläche, die dann zugebaut werden würde, diene als Sickerfläche.

Daraufhin ließ Tatti den Bereich eigenmächtig vergrößern. Ein Schreiner belegte die Kiesfläche mit Holzpaneelen und stellte eine Sichtschutzwand aus Holz zum Nachbarn hin auf. Zudem ließ die 44-Jährige eine Markise an der Balkonunterseite der darüber liegenden Wohnung anbringen. Sollte sie eines Tages ausziehen, ist alles leicht wieder abzubauen. Die Kosten in Höhe von 3400 Euro übernahm sie selbst.

Die größere Terrasse wünscht sich die 44-Jährige nicht aus einer Laune heraus. Bereits mehrmals hat sie erlebt, dass der kleinere Bereich samt Kiesfläche für sie gefährlich werden kann. Denn die mit Steinen belegte Terrasse grenzt an ein Kiesbett. Und dieses beginnt direkt im Anschluss an der einen Seite der Terrassentür. Zwei Mal schon ist sie mit ihrem Rollstuhl in das Kiesbett geraten. Umgekippt ist sie zwar nicht, aber stecken geblieben. Das 130 Kilogramm schwere Gefährt ließ sich keinen Millimeter mehr bewegen. Mit dem Handy rief sie ihren Vater an, der ihr zur Hilfe eilte.

Als die Gemeinde von der Vergrößerung der Terrasse, der Holzwand und der Markise erfuhr, forderte sie deren Rückbau. Briefe gingen hin- und her, zahlreiche Gespräche wurden geführt. Die Gemeinde sei Tatti laut Kämmerer Gregor Kamp immer wieder entgegengekommen. Man habe Kompromissvorschläge gemacht, so Kamp. Doch es kam zu keiner Einigung.

Im Oktober 2017 reichte die Gemeinde dann nach einem einstimmigen Gemeinderatsbeschluss Klage gegen Tatti ein. Vor Gericht einigten sich die beiden Parteien darauf, dass Markise und Holztrennwand stehen bleiben dürfen. Das Angebot der Gemeinde, die Terrasse auf ihrer gesamten Breite im Anschluss an die Terrassentür um rund 50 Zentimeter zu vergrößern, lehnte Tatti aber ab. Die Kosten dafür hätte die Gemeinde übernommen. Auch die Übernahme der Kosten für den Rückbau der Holzterrasse hat die Gemeinde angeboten. Nun warten beide Seiten gespannt, wie das Gericht entscheidet wird. Der Termin ist am 24. September.

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Susanne Schwind

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