Fehlende Kitaplätze
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Die Pläne, eine Kita bald zu bauen, wurden jetzt gestoppt.

Gröbenzell

Schneller Bau von Kinderhaus ausgebremst

Um auf den schnell wachsenden Bedarf von Kinderbetreuungseinrichtungen in Gröbenzell zu reagieren, sollte in rasantem Tempo ein Kinderhaus in der Gemeinde errichtet werden. Dafür bekam der Bürgermeister nun aber heftigen Gegenwind.

Gröbenzell – Die Gemeinde wächst stetig und auch die Zahl der jüngsten Bewohner steigt. Bis zum 22. August waren 36 potenzielle Krippenkinder hergezogen. Der Bedarf an Kitas sei dringlich, wie Kindergartenreferentin Anita Rieger (CSU) betonte. Dennoch wurde das schnelle Kinderhaus-Projekt nach heftiger Kritik im Gemeinderat gestoppt.

Neues Kinderhaus in Gröbenzell sollte fünf Gruppen umfassen

Darum geht es: Auf einem Grundstück an der Kreuzung Augsburger-/Zweigstraße soll ein Kinderhaus mit zwei Krippen- und zwei Kindergartengruppen entstehen. Das knapp 1800 Quadratmeter große Areal soll für mindestens 50 Jahre im Erbbaurecht vergeben werden, mit der Auflage, darauf eine Kindertagestätte zu bauen und zu betreiben. Ob dafür ein Erbbauzins fällig wird (und in welcher Höhe), sollte der Gemeinderat entscheiden.

Für den fertiggestellten Bau solle der Pächter von der Gemeinde einen Zuschuss in Höhe von einer Million Euro erhalten, wofür die Kommune wiederum eine Förderung bei der Regierung von Oberbayern beantragen würde. Vorgesehen war, noch in diesem Jahr einen Bewerber für das Kinderhaus zu suchen.

SPD Gröbenzell: „Kapitalistischer Kindergartenmarkt“

An der Art und Weise, wie das Projekt umgesetzt werden soll, äußerte Peter Falk (SPD) heftige Kritik. Er sprach vom Einstieg in einen „kapitalistischen Kindergartenmarkt“.

Der bessere Weg wäre es, dass die Gemeinde oder ein gemeinnütziger Träger die Einrichtung betreibe. Falk wunderte sich zudem über das Grundstück, das dafür verwendet werden soll, da dies seiner Meinung nach nicht primär für eine Kindereinrichtung vorgesehen war. Dies wies Bürgermeister Martin Schäfer (UWG) zurück. Erst kürzlich habe er das gemeindliche Grundstück an der Zweigstraße als eines der Areale genannt, die dafür in Frage kämen.

Die CSU-Fraktionsvorsitzende Brigitte Böttger fühlte sich offenbar überrumpelt. Sie beschwerte sich, dass unter anderem die Kindergartenreferentin Anita Rieger und der Liegenschaftsreferent Thomas Eichler nicht in die Planung einbezogen wurden. Bürgermeister Martin Schäfer (UWG) entschuldigte sich: Das sei aus zeitlichen Gründen nicht möglich gewesen.

Auch Grüne skeptisch wegen des neuen Kinderhauses in Gröbenzell

Auch von Seiten der Grünen wurde Unverständnis deutlich. Ursula Retz (Grüne) war erstaunt, dass plötzlich Kapazitäten im Rathaus frei wurden, um die Planung zu erarbeiten. In den vergangenen Jahren sei jede Anregung abgeschmettert worden, da die Verwaltung überlastet sei. Monika Baumann (Grüne) machte dann zwar einen Kompromissvorschlag, nämlich die gemeindliche Einrichtung Wichtelhaus, die seit Jahren ihr Dasein im Freizeitheim fristet, und dringend ein neues Zuhause benötigt, auf das Grundstück an der Zweigstraße zu verlegen. Dies wurde aber nicht weiter diskutiert. Kämmerer Gregor Kamp erläuterte lediglich, dass die ebenfalls geplante neue Einrichtung auf dem einstigen Züblingelände an der Lena-Christ-Straße als Ersatz für das Wichtelhaus gedacht sei.

Nachdem dann noch Vize-Bürgermeister Martin Runge (Grüne) in die Runde der Kritiker einstieg, setzte Schäfer den Tagesordnungspunkt kurzerhand ab. Runge schwebte ein anderer Ort für eine neue Kindereinrichtung vor: die beiden gemeindlichen Grundstücke am Kastanienweg. Im Gegensatz zum Bürgermeister ist er überzeugt, dass diese nicht zu klein sind. Zudem forderte er eine gründlichere Diskussion über die Planung an der Zweigstraße mit vorheriger Einbindung der Referenten. Die Gemeinderäte wehrten sich nicht gegen die Absetzung. Lediglich die Kindergartenreferentin Anita Rieger äußerte ihr Entsetzen darüber: „Wir schaffen es wieder einmal, alles kaputt zu reden.“ (sus)

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