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Die Pioniere: Erdmuthe Duft (rechts) hatte die Idee für die Grünpatenschaft und Gertraud Thallmaier unterstützte sie von Beginn an.

Paten für Gemeindeflächen

Sie machen Gröbenzell grüner

Die kleinen weißen Schilder an einem Holzpflock mit der Aufschrift „Grünpatenschaft“ dürften viele kennen. Wer aber in Gröbenzell hinter den Mini-Gärten mit Pflanzen und Gräsern auf öffentlichem Grund steckt, ist nicht so bekannt. Ein Treffen mit denGrünpaten.

In den herrlichsten Farben blühen derzeit Grünstreifen und Grüninseln in Gröbenzell. Zu verdanken ist dies auch dem teils jahrelangen Einsatz zahlreicher Bürger. Neben der Gemeinde kümmern sich 110 freiwillige Gärtner um die Bepflanzung und Pflege der öffentlichen Flächen, die mit dem Schild „Grünpatenschaft“ ausgezeichnet sind. Hier wird das Garteln fürs Gemeinschaftswesen von den Anwohnern übernommen.

Nachbarn bringen den Gärtnern Kuchen

Die Idee hatte Erdmuthe Duft vor über 15 Jahren. Die heute 81-Jährige hatte dem damaligen Bürgermeister Dieter Rubenbauer die Aktion vorgeschlagen. Rubenbauer war begeistert und setzte alle notwendigen Hebel in Bewegung – inklusive finanzieller Unterstützung. Erdmuthe Duft bekam zudem noch von anderer Seite Hilfe.

Ganz in ihrer Nähe lebt Gertraud Thallmaier, eine gelernte Gärtnerin. Diese erklärte sich spontan bereit, ebenfalls als Grünpatin aktiv zu werden. Quasi vor der Haustür der beiden Frauen in der Zweigstraße liegt eine Grüninsel. Duft und Thallmaier erarbeiteten einen Plan, wie diese in Zukunft bepflanzt werden könnte. Im Rathaus wurden die Anregungen mit Freude aufgenommen und die Arbeit konnte beginnen.

Zunächst wurde der damalige gemeindliche Gärtner Christian Koch aktiv. Zwei auf der Insel wachsende kranke Bäume wurden gefällt. Danach wurde der Boden dafür vorbereitet, dass Blumen und andere Pflanzen angesät werden können. Unter anderem wurde eine Folie in den Boden gelegt, die das Wachsen von Unkraut und das Austrocknen der Pflanzen verhindert. Koch begleitete die beiden Frauen in eine Gärtnerei und in ein Kieslager, um Steine und Pflanzen zu besorgen. „Sonnenhungrige Pflanzen wurden gekauft“, betont Thallmaier. Das Fleckchen auf der Straße liegt quasi von morgens bis abends im Sonnenschein. An einem Frühlingstag sperrte die Gemeinde schließlich den Bereich. Die Gröbenzellerinnen konnten losgarteln, ohne dass sie befürchten mussten, von einem Auto erwischt zu werden.

Nachbarn versorgten sie mit Getränken und Kuchen. Lavendel, Rosen, Leinkraut, Salbei, so manche Gräser und vieles mehr wurden eingepflanzt. Damit die Fläche abwechslungsreich gestaltet ist, wurden Pflanzen in unterschiedlichen Höhen, Farben und Blattformen ausgesucht. Mit dem Einpflanzen aber war es nicht getan. Regelmäßig beseitigten die beiden Frauen Unkraut, schnitten verblühte Blüten ab und bei großer Hitze musste zudem trotz der Schutzfolie gegossen werden. Hin und wieder wurde auch eine eingegangene Pflanze ersetzt. Dafür nutzte Gertraud Thallmaier ihren großen Fundus im eigenen Garten.

110 Bürger helfen inzwischen mit, die öffentlichen Flächen zu gestalten. Jasmin Fritsch ist eine von ihnen.

Zur Freude der Frauen wurde die Grünpatenschaft fortgeführt, als Martin Schäfer 2014 Rubenbauer als Bürgermeister nachfolgte. Auch ihm lagen die Grüninseln am Herzen. Vor rund zwei Jahren mussten die beiden Grünpaten-Pioniere die Betreuung beenden, ihre Gesundheit ließ die Arbeit nicht länger zu. Ein Gärtner hat ihre Arbeit übernommen, sodass die Fläche noch immer in den buntesten Farben erstrahlt.

Ganz anders hat Jasmin Fritsch vor rund zehn Jahren die vor ihrem Haus in der Waldstraße liegende Grüninsel gestaltet. Die Biologin ist Mitglied im Verein Naturgarten. In der Vereinszeitschrift hatte sie damals ein Artikel über Kiesgärten so begeistert, dass sie eine solche Fläche realisieren wollte. Dazu kam, dass Fritsch Bienenstöcke in ihrem Garten hat und ihren Tieren eine Nahrungsgrundlage schaffen wollte. Die zuständige Mitarbeiterin im Rathaus war mit ihrer Planung einverstanden, sodass das Experiment Kiesgarten beginnen konnte.

Müll und Hundekotin den Beeten

Die Insel vor ihrem Haus wurde von Bauhofmitarbeitern ausgegraben und mit Kies und einer Handvoll Grünkompost befüllt. Jasmin Fritsch pflanzte dann Ginster, Lavendel, Sandthymian, wilden Oregano, streute eine Wildblumenmischung und manches mehr aus. Mittlerweile aber wächst in ihrem Beet so manche Pflanze, die sie dort gar nicht gesetzt hatte. Der Wind hat Samen in den Kies geblasen, der dort aufgegangen ist. Viel Arbeit hat sie mit dem Beet nicht, im Frühjahr wird es ausgeputzt und das Gras entfernt. „Es schaut unordentlich aus“, räumt Jasmin Fritsch ein. Doch sie betont: „Unordnung im Garten muss man zulassen, dann kommen die Insekten und die Vögel.“ Mit einem aber haben die Grünpaten wohl alle zu kämpfen: Immer wieder müssen sie nicht nur Müll, sondern auch Hundekot aus ihren Beeten entfernen.

von Susanne Schwind

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