Provokant: Paula Niehoff bei einer Opern-Aufführung.
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Provokant: Paula Niehoff bei einer Opern-Aufführung.

Gröbenzell

So geht es einer Tänzerin in der Pandemie

Theater sind mittlerweile seit Monaten geschlossen, die Öffnungsperspektive ist zumindest ein kleiner Lichtblick. Doch vor allem freischaffende Künstler trifft der Lockdown hart. Auch die Gröbenzeller Tänzerin Paula Niehoff bekommt ihn zu spüren.

Gröbenzell – Paula Niehoff, 25 Jahre alt, übt ihren Traumberuf aus: „Ich wollte immer Tänzerin werden.“ Bereits als Grundschulkind hat sie an Tanzschulen in Olching und Puchheim trainiert. Zunächst absolvierte sie nach ihrem Realschulabschluss eine Lehre als Sozialversicherungskaufrau. Gleichzeitig stärkte sie aber ihre tänzerischen Fähigkeiten an einer Münchner Schule. Anschließend hat sie im niederländischen Arnheim erfolgreich ein Studium mit dem Bachelor of Arts beendet. Es folgten Auftritte mit Choreografen in Städten auf der ganzen Welt. Doch das hatte ein abruptes Ende mit der Corona-Pandemie.

Vor einem Jahr hatte Niehoff noch ein Engagement in Bonn. Am 8. März feierte sie im dortigen Stadttheater Premiere mit der Fledermaus, der Operette von Johann Strauß. Vier Tage später wurde die Produktion gestoppt. Andere Projekte waren nicht möglich. Niehoff kehrte erst einmal in ihr Elternhaus nach Gröbenzell zurück.

Die 25-Jährige überlegte sich dennoch Alternativen, nur untätig rumsitzen war keine Option. Mit ihrer Kollegin Laura Saumweber und Musiker Florian Sonnleitner entstand ein Projekt, bei dem die Künstler denjenigen Kultur vor die Haustür bringen wollten, die am meisten unter Corona leiden, also Alten und Kranken. Geprobt wurde wochenlang auf der Theresienwiese, immer wieder kritisch beäugt von Polizisten. Aufgetreten sind die Tänzerinnen in und um München (auch in Gröbenzell) und in Bamberg vorwiegend vor Seniorenheimen. Derzeit planen die beiden ein neues Stück, das sie unter freiem Himmel präsentieren können.

Kompletter Stillstand herrschte also in den vergangenen Monaten auch nicht. Die 25-Jährige hatte immer wieder ein Einkommen, musste aber Ende vergangenen Jahres Überbrückungshilfe beantragen, die ihr auch gewährt wurde. Ein Leben im Luxus ermöglicht ihr das nicht. Aber sie lebt äußerst bescheiden. Gerade wohnt sie in Köln in einem Acht-Quadratmeter-WG-Zimmer. Dieses wird sie aber aufgeben, und immer da, wo sie gerade ein Engagement hat, sich ein Zimmer suchen oder bei Freunden unterkommen.

Niehoff ist erst vor wenigen Wochen aus Barcelona zurückgekehrt, wo sie für ein neues Projekt geprobt hat. Im August geht es erneut in die katalonische Stadt, der Auftritt ist dann für September in Freiburg geplant.

Engagements hatte sie auch im vergangenen Jahr im Frühsommer, als das Leben nach dem ersten Lockdown wieder anlief. Niehoff war beim Stuttgarter Festival „Musik der Jahrhunderte“ mit einem Projekt für Tanz und Theater („Die irritierte Stadt“) dabei. Vier Wochen bereitete man sich vor, im Juli gab es dann eine Vorstellung – coronakonform draußen auf den Dächern.

Anschließend folgte ein für sie ganz neues Projekt, nämlich eine Regieassistenz der internationalen Opernsängerakademie in der brandenburgischen Kleinstadt Perleberg. Eine Arbeit, die Niehoff zwar, wie sie betont, „viel Spaß gemacht hat“. Aber letztlich ist sie lieber auf der Bühne als dahinter und es fehlte ihr die Bewegung.

Diese konnte sie bei einem Tanzprojekt in Berlin ausleben. Doch da war dann nach einer Woche Schluss: Sie hatte Kontakt zu einem Coronainfizierten und musste für 14 Tage in Quarantäne. Krank wurde sie aber nicht.

Doch die Proben für ein großes Projekt in Detmold, die sich anschlossen, konnte sie erst fünf Tage später als geplant antreten. In der Detmolder Kammeroper spielte, sang und tanzte sie in einer Mischung aus Oper, Schauspiel und Tanz die Titelrolle der Medea. Am 25. Oktober war Premiere – am Tag darauf war schon wieder Schluss.

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