Aktion für Bulgarien

So hilft Gröbenzell den Ärmsten Europas

Zweimal im Jahr fährt ein Lastwagen von Gröbenzell nach Bulgarien. An Bord: Gut erhaltene Möbel, Kleidung und Spielsachen. Die Spenden sollen den Ärmsten Europas eine Lebensgrundlage schaffen. Ein Ehepaar hat die Sache angeleiert.

Gröbenzell – Hoch her gehen wird es am späten Samstagvormittag, 21. April, in der Von-Branca-Straße in Gröbenzell. Hunderte Kartons und Plastiksäcke werden aus Privatautos in einen 40-Tonner-Lastwagen verfrachtet. Ist alles verpackt, geht die Reise los in eines der ärmsten Länder der Europäischen Union – nach Bulgarien. Die Arbeitslosigkeit in dem sieben Millionen Einwohner-Staat ist hoch, die Quote lag im vergangenen Jahr bei 6,3 Prozent, vor allem Jugendliche finden keine Arbeit. Jeder fünfte Bulgare lebt unter der Armutsgrenze.

Seit über zehn Jahren engagiert sich das Gröbenzeller Ehepaar Steffy und Wolfgang Hertenstein unter dem Dach der Hilfsorganisation Ora Österreich (siehe Kasten), um Bulgaren eine Lebensperspektive zu schaffen. Zwei Mal im Jahr fährt ein Lkw nach Bulgarien, im Frühjahr und im Herbst. Zwischen 10 und 12.30 Uhr können die Gröbenzeller Kleidung, Schuhe, Spielsachen, Babyartikel, Haushaltswäsche, stabile kleine Möbel, Geschirr, Lampen, Betten, Lattenroste und Fahrräder vorbeibringen. Alles sollte gut verpackt sein in Kartons oder stabilen Plastiksäcken.

Angefangen hat das Engagement der Hertensteins 2002 durch einen persönlichen Kontakt zu Hanspeter Hofinger, dem Leiter von ora Österreich. Zu Beginn haben die Hertensteins noch in ihrer und in der Garage von Nachbarn Spenden gesammelt, die dann von einem 7,5-Tonner-Lastwagen abgeholt wurden. Doch ihre Sammelaktion sprach sich schnell herum. Aus einem 7,5-Tonner wurden zwei und auch diese waren schnell zu klein. Daher fährt nun ein 40-Tonner in Gröbenzell vor. Im bulgarischen Städtchen Gabrovo wird dieser entladen. Die Waren werden in einem Lager von zwanzig Frauen sortiert, mit einem Verkaufspreis versehen und auf Secondhandläden in Bulgarien verteilt. Der ehemalige Pfarrer, der Bulgare Hristo Chalakov, hat die Geschäfte aufgebaut. Chalakov hat es sich zur Aufgabe gemacht, seine Landsleute zu unterstützen. Allerdings: Ihnen kostenlos Kleidung, Schuhe, Hausrat und so manches Möbelstück zur Verfügung zu stellen, reiche nicht aus. Was nichts koste, ist auch nichts wert, ist Hristo Chalakov überzeugt. Zudem benötigten diese Menschen zumeist in kürzester Zeit wieder Hilfe. Er will daher durch den Aufbau von Läden vorwiegend Arbeitsplätze schaffen. So können die Menschen ihr Leben selber finanzieren. Und sie sind kranken- und rentenversichert.

In den 40 Secondhandläden in ganz Bulgarien arbeiten mittlerweile über hundert Angestellte. Andere wiederum können hier für wenig Geld gut erhaltene Kleidung einkaufen. Mit dem Erlös finanziert Chalakov seinen eigenen Lebensunterhalt und stiftet das Geld an Bedürftige. So werden von Chalakov insgesamt 200 Familien mit Lebensmitteln und Medikamenten unterstützt. Ein Heim für Kinder mit schweren Beeinträchtigungen erhält Kindernahrung und Windeln. So manchem Bulgaren konnte er auch zu einem eigenen Geschäft verhelfen. Ein lange Jahre arbeitsloser Friseur erhielt durch Chalakovs Unterstützung 2013 ein komplett ausgestattetes Friseurgeschäft. Das ermöglichte dem Mann, endlich seine fünfköpfige Familie durch eigene Arbeit zu ernähren. (sus)

So läuft die Spende ab

Gesammelt wird am Samstag, 21. April, von 10 bis 12.30 Uhr in der Von-Branca-Straße 58-60 (Parkbucht, Nähe Lena-Christ-Straße) in Gröbenzell. Nicht angenommen werden PC-Monitore, Bücher oder Ski-Ausrüstungen. Die Organisatoren bitten pro Kiste und/oder Sack um eine Spende von drei Euro für die Arbeit von Ora. Informationen erteilen Steffy Hertenstein unter Telefon (0 81 42) 5633 oder Christine Kurz unter (0 81 42) 5 13 49.

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