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Steht ihre Frau in einer von Männern geprägten Welt: Merith Niehuss leitet seit elf Jahren die Universität der Bundeswehr in Neubiberg (Kreis München). Die in Gröbenzell lebende Historikerin hat dort so manches umgekrempelt – vor allem zugunsten von Frauen sowie der Vereinbarkeit von Familie und Beruf.

Sie sorgt für Emanzipation beim Bund

Gröbenzellerin krempelt Bundeswehr-Uni um 

Gröbenzell – Elf Jahre leitet Merith Niehuss die Bundeswehr-Universität in Neubiberg. Jetzt wurde die Gröbenzellerin mit dem Bayerischen Verdienstorden geehrt.

Als Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen erst wenige Monate im Amt war, besuchte sie die Universität der Bundeswehr in Neubiberg. Hier konnte sie die erste Kinderkrippe einer Bundeswehreinrichtung einweihen – eine Errungenschaft, um die Merith Niehuss neun Jahre lang gekämpft hatte.

Die Historikerin leitet die Bundeswehr-Universität seit elf Jahren und hat in dieser Zeit manches umgekrempelt. In Neubiberg studieren 2800 Offiziere und Offiziersanwärter. Sie durchlaufen ein strenges Auswahlverfahren – genommen wird nur einer von zehn Bewerbern – und ein straffes, in Trimester unterteiltes Studium. Am Ende fällt jeder Vierte durch. Das bedeutet, dass er nicht nur sein Studium nicht geschafft hat, sondern auch die Bundeswehr verlassen muss und die Lebensplanung erst mal über den Haufen geworfen ist.

„Die Studenten stehen bei uns unter großem Druck“, sagt Merith Niehuss. Deshalb legt sie Wert auf eine „überoptimale Betreuung“ – ein Professor kümmert sich um 16 Studierende – und attraktive Studiengänge, die Interesse wecken und motivieren. So hat sie zum Beispiel in der klinischen Psychologie das Schwerpunktthema Trauma- und Krisenbewältigung eingeführt, das sich unter anderem mit den psychischen Folgen von Kriegseinsätzen beschäftigt. „Da kommen auch Studenten zu uns, die sich sonst für Medizin interessiert hätten“, erklärt die Leiterin der Universität.

Zu ihren Aufgaben gehören auch das Abschreiten von Soldatenreihen.

Niehuss habe maßgeblich zum Imagewandel der stark von Männern geprägten Uni beigetragen, lobte Ministerpräsident Horst Seehofer bei der Verleihung des Bayerischen Verdienstordens. Und sie sei Vorreiterin für Frauen in Führungspositionen bei der Bundeswehr. Dass man sie auf Kommandeurstagungen zum Damenprogramm schicken will, kommt heute nicht mehr vor.

Niehuss wurde 1954 in Bielefeld geboren. Als sie zehn war, zog die Familie nach München, wo ihr Vater – ein Journalist – beim Bayerischen Fernsehen die Abendschau moderierte. Sie studierte Geschichte, Anglistik und Soziologie und setzte sich unter anderem mit dem wandelnden Frauenbild im letzten Jahrhundert auseinander.

Die Vereinbarkeit von Familie und Beruf ist ihr ein zentrales Anliegen – nicht zuletzt, weil ihre eigene Generation noch vor die Entweder-Oder-Wahl gestellt wurde. Dass sie sich für die Karriere entschied, hat sie nie bereut. „Für mich war immer klar, dass ich keine Kinder will“, sagt die 62-Jährige. „Und ich kann auch bis heute nicht kochen.“

Vor zwei Jahren ist sie von Puchheim nach Gröbenzell gezogen und genießt es, zu Fuß zum Einkaufen zu gehen und mit dem Radl ins Grüne zu fahren. Viel Zeit bleibt dafür allerdings nicht, denn Niehuss hat neben ihrer Arbeit als Uni-Präsidentin noch diverse Posten inne – unter anderem leitet sie den Wissenschaftlichen Beirat des NS-Dokumentationszentrums München. Was an Freizeit bleibt, gehört ihrer großen Leidenschaft, dem Reiten. „Wenn ich keine Abendtermine habe, bin ich bei meinem Pferd.“

von Ulrike Osman

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