Die Hexe

Grundstücke im Zentrum Gröbenzells

Tauschhandel mit Hexe-Areal

Die Gemeinde Gröbenzell will das Hexe-Areal erwerben. Damit läge auch die Zukunft der Kult-Kneipe in kommunaler Hand. Mit den Eigentümern, der Germeringer Wohnbaugesellschaft Fontein, soll es ein Tauschgeschäft geben.

Gröbenzell – In Sachen Hexe-Areal gibt es eine neue Entwicklung. Darüber berichteten Martin Runge (Grüne) und Axel von Walter (SPD) gestern bei einer Pressekonferenz. Die Gemeinde will die Grundstücke im Ortszentrum, die mit Hexe und Alter Apotheke bebaut sind, erwerben. So soll das Geschäft aussehen: Die Kommune ist Eigentümerin mehrerer Grundstücke auf der Westseite der Bahnhofstraße, diese sollen eingetauscht werden. Der Gemeinderat hat hinter verschlossenen Türen bereits mehrheitlich grünes Licht gegeben. Und: „Wir sind in guten Gesprächen mit den Investoren“, wie von Walter betonte. Runge meint: „Wir sind interessiert, die sind interessiert.“

Derzeit gehören Kirchenstraße 2 und 4 noch der Germeringer Wohnbaugesellschaft Fontein. Die Brüder Frederic und Markus Fontein hatten jüngst den Vorschlag gemacht, beide Grundstücke zusammenzufassen und darauf ein siebenstöckiges Gebäude zu bauen. Konkrete Pläne lagen bereits vor. Die Unternehmer sind offenbar bereit, mit der Gemeinde zu kooperieren. Auf Tagblatt-Anfrage bestätigen sie, dass sie sich einen Grundstückstausch vorstellen können – bei „Gleichwertigkeit“.

Die Gemeinde hat ein Wertgutachten in Auftrag gegeben. Das Ergebnis soll in einigen Monaten vorliegen. Ob der Tausch tatsächlich zustande kommt und ob die bestehenden Gebäude erhalten werden, entscheidet letztendlich der Gemeinderat. Grundsätzlich will man wieder „das Heft des Handelns in die Hand bekommen“, erklärte Vize-Bürgermeister Runge. Das Ziel des dritten Bürgermeisters von Walter ist die Erhaltung der einstigen Bahnhofswirtschaft (heute vor allem als Kultkneipe „Hexe“ bekannt), wie er erklärt.

Der Verkauf des Gebäudes in der Nähe der S-Bahn hatte den Gemeinderat Anfang 2017 aufgeschreckt. Die 1927 erbaute frühere Bahnhofswirtschaft „ist eines der wenigen historischen Gebäude Gröbenzells“, betonte Runge. Auf der Terrasse der Gaststätte wurde 1953 in Anwesenheit des damaligen bayerischen Innenministers Wilhelm Hoegner die Gemeindegründung gefeiert. Als Gröbenzell selbstständige Gemeinde wurde, fand in dem Lokal so manche Gemeinderatssitzung statt. Hier lagen die Anfänge und nicht in dem mittlerweile abgerissenen Rathaus aus den 50er Jahren, so von Walter. Dass die einstige Bahnhofswirtsschaft unter Denkmalschutz gestellt wird, ist aber ausgeschlossen. Die Denkmalschutzbehörde hatte dies bereits vor Jahren abgelehnt. Schuld waren Veränderungen an dem Gebäude und der Abriss des einstigen Saals. Der Gemeinderat fasste den Beschluss, eine Erhaltungssatzung aufzustellen, was bis heute nicht passierte.

Bei der Pressekonferenz war Bürgermeister Martin Schäfer (UWG) nicht anwesend. Er ist nämlich auch bei den Verhandlungen mit den Gebrüdern Fontein über einen möglichen Grundstückstausch nicht beteiligt, da er befangen ist. Schäfer war mit seinem Bruder Voreigentümer des Hexe-Grundstücks. Die Brüder Schäfer hatten das Areal Ende 2016 an die Gebrüder Fontein verkauft. Auch als 2012 und 2013 der Bebauungsplan für die Grundstücke neu aufgestellt wurde, hat Schäfer weder an Diskussionen noch an Abstimmungen teilgenommen. Das betonten Martin Runge (UWG) und Axel von Walter (SPD) der zweite und der dritte Bürgermeister Gröbenzells. (sus)

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