Das Foto links stammt aus dem Jahr 1950

Die Geschichte dahinter

Der tragische Verfall einer Gröbenzeller Traditionsgaststätte

Der Grüne Baum in Gröbenzell ist immer wieder im Gespräch, wenn es um Bebauung und Grundstücke geht. Doch es geht nichts vorwärts. Die einstige Wirtschaft mit dem wunderschönen Biergarten wuchert weiter und weiter zu. Das bald 100 Jahre alte Gasthaus steht seit Jahren leer und verfällt. Viele Geschichten ranken sich um das Haus.

Gröbenzell – Der Grüne Baum in Gröbenzell war nie grüner, um dieses Wortspiel zu bemühen. Allerdings ist dies in keinster Weise als gutes Zeichen zu verstehen. Die Traditionsgaststätte in der Bahnhofstraße im Ortszentrum befindet sich nicht nur im Dornröschenschlaf, sie verfällt regelrecht. Seit nahezu zwölf Jahren steht das Gebäude nun leer. Ein großer Zaun umgibt das Grundstück. Der frühere wunderschöne Biergarten mit seinen großen Bäumen, der das Lokal zum beliebten Anlaufpunkt machte, ist längst zum Urwald geworden. Der Glanz aus der Vergangenheit ist verschwunden. Dabei ist der Ort eine Keimzelle von Gröbenzells Geschichte.

Für Bier-Verdünnen gab es eine Watschn

1925 errichteten die Bauunternehmer Huber und Fischbacher für die Brauerei Maisach das Gasthaus. Über die Vergangenheit ist nicht viel bekannt. Der Leiter des Heimatmuseums Werner Urban, eigentlich immer eine verlässliche Quelle, verweist auf seinen Vorgänger Albert Donhauser. Dieser hat sein ganzes Leben in der Nähe des Grünen Baums verbracht. Als kleiner Bub schickte ihn sein Großvater, um eine halbe Bier aus der Gassenschänke zu holen. Einmal konnte der Bub nicht widerstehen: Er nahm einen Schluck und füllte das Bier mit Wasser auf. Der Opa bemerkte das und es setzte eine Watschn. Nicht etwa weil der Enkel etwas getrunken hatte, sondern weil er das Bier mit Wasser verdünnt hatte.

Anekdoten und Geschichten wie diese gibt es diverse. Kein Wunder, die Wirtschaft war ein beliebter Treffpunkt. Am 12. April 1947 gründeten die Gröbenzeller Sozialdemokraten dort erneut ihren Ortsverein, der wie die gesamte SPD 1933 von den Nazis verboten worden war, und hielten regelmäßig ihre Mitgliederversammlungen ab.

Die Geburtsstunde des FC Grün-Weiß

1964 wurde quasi der FC Grün-Weiß in der Gaststätte aus der Taufe gehoben. Als eines Abends ein Olchinger im Grünen Baum saß und behauptete, die Stammtischler vom Olchinger Daxerhof spielten besseren Fußball als die Gröbenzeller, kam es zu einem Leistungsvergleich. Die Gröbenzeller siegten mit 5:3 Toren und fanden Gefallen am Fußballspielen. Wenig später wurde der FC Grün-Weiß gegründet, von so manchem herablassend „Mösler-Verein“ genannt.

1973 pachtete Gabriele Korber mit ihrem ersten Ehemann den Grünen Baum. Später, nach ihrer Scheidung 1979, führte sie das Lokal mit ihrem zweiten Ehemann weiter. Korber weiß von ihrer Mutter, dass in dem Gebäude ursprünglich auch eine Metzgerei untergebracht war. Dies belegt ein Foto aus dem Jahre 1950, das einen entsprechenden Schriftzug zeigt. Auch der Name des Pächters Hans Waldmann ist darauf zu sehen. Korber weiß noch mehr zu erzählen.

So manches frühere Gröbenzeller Schulkind absolvierte im Grünen Baum seinen Handarbeitsunterricht. Auch der Schachclub, die Briefmarkensammler und so manche Hobbyfußballermannschaft waren regelmäßige Gäste. Bereits um 9 Uhr wurde das Lokal aufgesperrt. So mancher Stammgast stand bereits vor der Tür.

Mittwochs gab es immer Innereien

Diese freuten sich auf ein gemeinsames Frühstück mit den Wirtsleuten. Bis nachts – anfangs um 3, zuletzt um 1 Uhr – hatte das Lokal durchgehend geöffnet. Freitags gab es traditionell Weißwürste, jede Wurst und jede Brezn für eine Mark, und mittwochs Innereien. „Es war eine schöne Zeit“, schwärmt Gabriele Korber noch heute.

Zuletzt wurden jedoch die Gäste weniger. Gasträume und Küche waren nicht mehr auf dem neuesten Stand, Renovierungen wären notwendig gewesen. Gabriele Korber hatte außerdem diesen Beschluss gefasst: „Es stand bereits lange fest, dass ich mit 50 aufhöre.“ Am 31. Dezember 2006 schlossen die Wirtsleute ihr Lokal zu. Ein Jahr hat Korber dann nur noch verlängert, weil das Freizeitheim saniert wurde und Räume für Vereine gebraucht wurden.

Was mit Haus und Grundstück geschieht, ist derzeit völlig offen. Der frühere Eigentümer der Brauerei Maisach, Jakob Sedlmayr, hatte die Wirtschaft seiner Schwester Helene Sedlmayr vermacht. Nach deren Tod ging das Areal an eine Erbengemeinschaft über. So mancher Gröbenzeller wünscht sich den Erhalt als Gaststätte mit großem Biergarten. Die Erben scheinen Interesse an einem Verkauf des Grundstücks zu haben.

Als die Gemeinde vor wenigen Monaten Grundstücke für eine neue Polizeiinspektion suchte, wurde ihr unter anderem auch dieses Areal angeboten. Es war nicht der erste Anlauf: Bereits 2014 wäre fast die Neubebauung beschlossen worden. Ein Maisacher Bauunternehmer hatte dem Rathaus dafür Pläne präsentiert. Wohnungen und eine Gaststätte hätten auf dem Grundstück entstehen sollen. Dies scheiterte an bürokratischen Hürden. Das Areal des Grünen Baums blieb letztlich wie es war. (sus)

Auch interessant

Mehr zum Thema

Meistgelesene Artikel

Apfelflut im bayerischen Bozen: Annahmestopp bei Unser Land
Äpfel sind in Adelshofen ein gewohnter Anblick. Nicht umsonst wird der Ort wegen seines Reichtums an Streuobstwiesen auch bayerisches Bozen genannt. So eine Apfelflut …
Apfelflut im bayerischen Bozen: Annahmestopp bei Unser Land
Ein Vollblut-Handwerker ist tot
Der Soldaten- und Veteranenverein, die Freiwillige Feuerwehr und die Waldschützen in Gernlinden sowie nicht zuletzt die Bauinnung Fürstenfeldbruck – sie alle trauern um …
Ein Vollblut-Handwerker ist tot
Einheimischenmodelle nehmen immer mehr Gestalt an
Die Realisierung der beiden Einheimischenmodelle in Jesenwang schreitet mit großen Schritten voran. Während die Planungen für das kleine Areal an den Bachwiesen …
Einheimischenmodelle nehmen immer mehr Gestalt an
Wohltätigkeits-Markt bringt 12 000 Euro ein
Der Lions-Markt, der vor kurzem traditionell mit dem Kinderfest der Stadt in und vor der Stadthalle stattfand, war ein voller Erfolg. 
Wohltätigkeits-Markt bringt 12 000 Euro ein

Kommentare