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Der kleine Kernbeißer prallte gegen eine Scheibe. Gerhard Wendl päppelt ihn wieder auf.

Natur

Vögel im Winter: Vom Futterhäuschen in die Krankenstation

Das kalte Wetter bereitet manchen Vögeln Probleme bei der Futtersuche. Viele Menschen wollen helfen und bieten den Federtieren Nahrung an. Doch dabei werden oft Fehler gemacht. In der Vogelauffang-Station von Gerhard Wendl herrscht deshalb Hochbetrieb.

Gröbenzell – Der Mann mit der kleinen Mütze und den großen Händen hat in diesen Tagen viel zu tun. In allen Ecken und Enden seines großen Grundstücks am Olchinger See zwitschert und flattert es. Die zahllosen Volieren auf dem Areal sind gut gefüllt – und täglich muss Gerhard Wendl Neuzugänge aufnehmen. Der Grund für die vollen Käfige ist paradox. Denn viele Flattermänner sind bei Wendl auf der Krankenstation gelandet, weil die Menschen ihnen eigentlich helfen wollen und sie mit Nahrung versorgen. „Es ist das Sekundärdrama der Vogelfütterung“, sagt Wendl.

Denn viele Menschen würden die Futterstellen recht nah an ihren Wohnzimmerfenstern anbringen. Es ist ja auch schön zu beobachten, wie sich die unterschiedlichsten Flattermänner versammeln. Einen Gefallen tue man den Tieren dadurch aber nicht. Rücken nämlich Katze oder Sperber an – beide sind Fressfeinde – nehmen die Vögel Hals über Kopf Reißaus. Nicht selten krachen sie dann in die Scheiben, in denen sich die Landschaft spiegelt. Wendl appelliert daher, das Futter in Hecken oder Sträuchern zu platzieren.

Von klassischen Vogelhäuschen hält der Experte nicht viel. Die seien zwar schön anzuschauen. Die Mini-Gebäude könnten durch den Kot der Tiere aber auch zur Brutstätte für Erreger wie Salmonellen werden. Außerdem würden dominante Vögel als Hausbesetzer fungieren und „ihr“ Domizil mit Nachdruck verteidigen.

Wendl empfiehltso genannte Futtersilos, aus denen sich die Vögel ihre Mahlzeiten herauspicken können. Ein weiterer Tipp des „Vogel-Papas“: möglichst homogenes Futter verwenden. Denn wie die Menschen hätten auch Vögel vorlieben. Mit ihren geschickten Schnäbeln würden sich viele ihr Lieblingsfutter herauspicken. Der Rest lande ungenutzt am Boden und locke im schlimmsten Fall noch Ratten an.

Dass das Futter teilweise überhaupt knapp wird, liegt für Wendl an der immer mehr zurückgehenden Vielfalt in den Gärten. „Die Gärten sind einfach zu aufgeräumt“, sagt Wendl. Er würde sich mehr Büsche, Gehölze und Laubhaufen wünschen. Dass stattdessen Vogelhäuschen aufgestellt werden, ist für den Vogelexperten eine reine Alibi-Aktion. „Die Menschen haben ein schlechtes Gewissen, weil sie die Lebensräume der Vögel zerstören.“

Wendl hat aber auch „Kunden“, die ohne menschliches Verschulden und tatsächlich wegen des kalten Wetters in Not geraten. Für einen jungen Graureiher kam vergangene Woche jede Hilfe zu spät. Das unerfahrene Tier fand in gefrorenen Teichen und Wiesen keine Nahrung mehr. Auch einen jungen Bussard und eine hungrige Schleiereule hatte der Retter heuer schon zu Gast. Sie haben das Vogelhotel aber schon wieder verlassen – auf dem Luftweg. (Tobias Gehre)

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