+
Beispielfoto

Obere Gröbenbachwiese

Wegen Bau-Sperre: Klage gegen Gemeinde

Vor einem Jahr hat der Gröbenzeller Gemeinderat eine Veränderungssperre für die Obere Gröbenbachwiese erlassen. Damit darf dort nicht gebaut werden. Dagegen klagen nun die Grundeigner, die Brüder Michael und Johann Böhmer, vor dem Bayerischen Verwaltungsgerichtshof.

Gröbenzell Der Gemeinderat hatte im März 2016 auch beschlossen, für das Areal einen Bebauungsplan aufzustellen. Beabsichtigt ist, das Gebiet als Überschwemmungsgebiet zu sichern und dafür von Bebauung freizuhalten. Das Areal, das im Flächennutzungsplan als landwirtschaftliche Nutzfläche ausgewiesen ist, darf aber wie bisher landwirtschaftlich genutzt werden.

Bürgermeister Martin Schäfer (UWG) und Michael Böhmer, dessen Klage Peter Falk (SPD) im Gemeinderat offenbarte, wollen sich zu dem laufenden Verfahren an sich nicht äußern. Johann Böhmer aber erklärt, er habe Klage eingereicht, weil er die Rechtmäßigkeit der Veränderungssperre anzweifelt.

Michael Böhmer spricht aber sehr wohl über die Hintergründe. Ihn ärgert, wie die Gemeinde mit dem Thema Hochwasser und Überschwemmungsgebiete umgeht. Er frage sich, warum die Gemeinde nur für die Gröbenbachwiese eine Veränderungssperre erlassen habe – auch andere Grundstücke in der Gemeinde könnten von Hochwasser betroffen sein, auch gemeindliche Grundstücke. Er vermutet, die Gemeinde wisse nicht darüber Bescheid, wie sehr einzelne Flächen durch Hochwasser bedroht sind. Wo gefährliche Höhen auftreten könnten, würde nicht bekannt gegeben. Die Gröbenbachwiese jedenfalls sei nicht von gefährlicher Höhe betroffen, haben seine Recherchen ergeben, allenfalls wenige Zentimeter würde diese bei einem hundertjährigen Hochwasser unter Wasser stehen.

Verwundert ist Michael Böhmer auch, wie die Gemeinde über einen möglichen Ankauf des Areals verhandelt. Der Gemeinderat hat den Bürgermeister nämlich damit beauftragt, mit den Eigentümern zu sprechen. „Verhandeln bedeutet für mich aber Geben und Nehmen“, sagt Michael Böhmer. Doch ihm gegenüber habe sich die Gemeinde in den vergangenen Jahren bei Anfragen zu Bauvorhaben nicht entgegenkommend gezeigt. Ihm sei weder erlaubt worden, auf der Gröbenbachwiese ein Haus des Architekten Richard Riemerschmid aufzustellen, noch im Bereich der Chiemseestraße ein Doppelhaus zu errichten. Weil das Areal im Flächennutzungsplan als landwirtschaftliche Nutzfläche ausgewiesen ist, hieß es damals im Gemeinderat.

Auf Antrag Martin Runges (Grüne) war der Bürgermeister jüngst beauftragt worden, die Gröbenbachwiese für die Gemeinde anzukaufen. Diese könnte nach Vorstellung Runges bei Hochwasser als Retentionsfläche genutzt werden. Es könnte ein Park geschaffen werden. Bürgermeister Schäfer will sich zu den Vorwürfen nicht äußern.

Die Vorgeschichte

Michael Böhmer hatte vor Jahren schon einmal gegen die Gemeinde geklagt, damals war das Schul- und Kindergartengrundstück an der Bernhard-Rößner-Straße Stein des Anstoßes. Das Grundstück war früher Teil der Gröbenbachwiese. Ursprünglich war die Wiese rund acht Hektar groß. Anfang der 1970er-Jahre aber verkaufte Böhmers Vater wegen drohender Enteignung vier dieser acht Hektar an die Gemeinde. Und dies zu einem Preis von 70 Mark je Quadratmeter, obwohl damals bereits Quadratmeterpreise von bis zu 250 Mark in Gröbenzell bezahlt wurden. 20 000 Quadratmeter wurden von der Gemeinde dann nicht benötigt und gingen an Böhmer zurück. Auf den restlichen 20 000 Quadratmetern aber entstanden 1975 die Grundschule an der Bernhard-Rößner-Straße und 1981 der evangelische Kindergarten Arche-Noah. Böhmers Vater war damals in Aussicht gestellt worden, dass die restliche Fläche zu Bauland werde. Doch dazu kam es nicht, Landratsamt und Regierung von Oberbayern stellten sich vehement dagegen. Das Areal sei als Grünzug zwischen Gröbenzell und Puchheim freizuhalten. In den 1990er-Jahren klagte Michael Böhmer dann auf Rückübereignung des von seinem Vater verkauften Areals, doch ohne Erfolg.

(sus)

Auch interessant

Mehr zum Thema

Meistgelesene Artikel

Die Qual der Wahl geht wieder los
Das geht ja schon gut los und macht die Qual der Wahl noch aufregender. Nach nicht einmal ganz dreimonatiger Pause wählen die Fußballfans unter den Tagblatt-Lesern jetzt …
Die Qual der Wahl geht wieder los
Elijah aus Fürstenfeldbruck
Christin und Dennis Wallmann aus Fürstenfeldbruck freuen sich über die Geburt ihres dritten Kindes. Elijah wog am Tag seiner Geburt 3240 Gramm und war 51 Zentimeter …
Elijah aus Fürstenfeldbruck
Er sorgt für Ordnung in den Gemeinde-Archiven
Stefan Pfannes arbeitet in der Verwaltungsgemeinschaft Mammendorf, ist Gemeinderat in Maisach und bringt als Archivar Ordnung in so manches staubiges Kämmerlein – jetzt …
Er sorgt für Ordnung in den Gemeinde-Archiven
Eine Stadt aus einer Tonne Legosteine
Stein auf Stein, Stein auf Stein, das Häuschen wird bald fertig sein: Im Rahmen des Ferienprogramms haben 38 Kinder eine ganze Stadt gefertigt – aus Legosteinen. Dabei …
Eine Stadt aus einer Tonne Legosteine

Kommentare