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Grüne Schlucht in der Bodenseestraße in Gröbenzell. 

Verordnung wieder verschärft

Wenn der Baumschutz die Gröbenzeller Bürger belastet

Die Gröbenzeller Baumschutzverordnung sorgt für kontroverse Diskussionen und empörte Bürger. Dementsprechend fallen die Reaktionen auf die Verschärfung vor kurzemaus. Ein Überblick, wie sich die umstrittene Regel entwickelt hat.

Gröbenzell – Gröbenzell ist grün, und die Gemeinde schmückt sich gerne mit dem Namen Gartenstadt. Tatsächlich würde so mancher Baum heute wohl nicht mehr stehen, wäre nicht vor rund 40 Jahren die Baumschutzverordnung erlassen worden.

In den 1970er-Jahren gab es in Gröbenzell einen Bauboom, und zahlreiche Bäume drohten dem Bau von Häusern zum Opfer zu fallen. Der bereits verstorbene damalige Vorsitzende des Gartenbauvereins, Walter Goldschmidt, der von 1966 bis 1990 für die SPD im Gemeinderat saß, hatte sich erfolgreich für die Baumschutzverordnung stark gemacht. Sie wurde 1978 erlassen, Mitte der 1980er-Jahre wurde eine Baumschutzkommission eingesetzt, die den Umweltbeauftragten der Gemeinde beriet.

Zunächst entwickelte sich alles positiv, Gröbenzell wurde sogar vom Bezirk Oberbayern als baumfreundliche Gemeinde ausgezeichnet. Doch Anfang der 1990er-Jahre kam Kritik an der Kommission auf, was dazu führte, dass Baumschützer Goldschmidt nicht erneut in den Gemeinderat zurückkehrte. Er fühlte sich in seiner persönlichen Ehre verletzt. Die Kommission wurde später verkleinert und noch später aufgelöst.

Doch auch die Verordnung selber wurde kritisiert. Immer wieder werden Beschwerden laut, dass Bürger auf ihrem eigenen Grundstück von ihnen selbst gepflanzte Bäume nicht fällen dürfen. 2010 wurde die Baumschutzverordnung gegen den heftigen Widerstand der SPD-Gemeinderatsfraktion entschärft. Unter anderem durften nun Nadelbäume leichter gefällt werden. Ausnahme war, wenn sie orts- oder straßenbildprägend waren. Zudem durften Bäume, die näher als drei Meter zu einem Gebäude stehen, beseitigt werden.

Die Drei-Meter-Regelung und die Ausnahme bei Nadelbäumen wurde gekippt

Die Lockerungen der Baumschutzverordnung wurden nun vor einigen Wochen auf Antrag der Umweltreferentin Monika Baumann (Grüne) gekippt – trotz Gegenstimmen, etwa von Thomas Eichler (CSU). Die Nadelbäume wurden wieder unter Schutz gestellt und die Abstandsregelung wieder abgeschafft. Die Drei-Meter-Regelung hatte nämlich zur Folge, dass völlig gesunde Bäume gefällt wurden. Bäume, die die Bürger einfach weg haben wollten, die noch nicht einmal verschattet haben, empört sich Baumann. Dass Nadelbäume weniger geschützt waren als Laubbäume, kann die Umweltreferentin gar nicht verstehen. Im Gegensatz zu Laubbäumen seien diese zwölf Monate im Jahr grün und bieten Vögeln einen Rückzugsraum, wenn Laubbäume blattlos sind. Zudem sind Nadelbäume laut Baumann hervorragende Feinstaub- und CO2-Filter sowie Sauerstoffproduzenten. Eine 20 Meter hohe Fichte produziere pro Tag so viel Sauerstoff, wie ihn 35 Menschen benötigen.

Klingt gut, birgt für Hausbesitzer aber auch Schattenseiten. So beklagt ein Bürger, den Dreck, den diese Bäume durch ihre stetig fallenden Nadeln verursachen. Mehrmals im Jahr müsse er seine Dachrinnen säubern und das Dach seines Hauses abkehren, wo die Nadeln, Zapfen und kleine Äste auch zwischen die Ziegel fallen. Und die auf den Gartenboden fallenden Nadeln veränderten den Gartenboden auf Dauer zu einem Waldboden.

Susanne Schwind

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