Dieser Anblick wird bald Geschichte sein. Das Rathaus wird abgerissen.

Ortsmitte

Rathaus: Neubau statt Sanierung

Gröbenzell - Es ist entschieden: Gröbenzell bekommt ein völlig neues Rathaus. Das alte Gebäude aus den 1970er-Jahren wird abgerissen. An seiner Stelle entsteht ein modernes Haus für die Verwaltung.

Einstimmig hat der Gemeindrat gegen eine Sanierung inklusive Teil-Neubau entschieden. Stattdessen wird nun tabula rasa gemacht. Das Rathaus, das der Gröbenzeller Architekt Götz-Dieter-Raths 1972 errichtet hat, und die beiden seitlichen Bauten werden abgerissen. Denn diese Lösung ist besser für die Gemeindekasse.

Ein Gutachten hat ergeben, dass eine Sanierung mit Anbauten um rund zwölf Prozent teurer wäre als ein kompletter Neubau. Die Generalsanierung des zentralen Gebäudes, die Errichtung von zwei Neubauten rechts und links davon und der Bau einer Tiefgarage mit 45 Plätzen haben die Gutachter Christoph Winter und Moritz Koppe auf 11,7 Millionen Euro, den Abriss des gesamten Bestands, mit Neubau und Tiefgarage auf 10,4 Millionen Euro veranschlagt.

Der Sanierungsaufwand bei Erhalt des bestehenden Rathauses ist laut Winter hoch. Denn dabei müssten auch die Urheberrechte berücksichtigt werden. Ein entsprechender Hinweis der Erben des Architekten liege bereits vor, so Winter. Mit der Entscheidung für einen Neubau ist das aber hinfällig. „Wenn wir es verändern, müssen wir den Urheber fragen. Wenn wir es zerstören nicht“, sagte dritter Bürgermeister Axel von Walter (SPD).

Die Entscheidung über den Abriss war von den Gemeinderäten flott gefällt. Innerhalb einer halben Stunde wurde informiert, diskutiert und abgestimmt. Zuvor hatte sich das Gremium aber über zwei Stunden mit der Frage beschäftigt, nach welchem Ver fahren das Projekt Rathaus abgewickelt werden soll: nach dem konventionellen Verfahren, dem VOF-Verfahren oder nach dem PPP- auch ÖPP-Verfahren. Für die Auswahl des Architekten und der Fachplaner ist aufgrund der Größe des Projekts ein europaweites VOF-Verfahren vorgeschrieben. Beim PPP-Verfahren werden Planen, Bauen und Betrieb an einen Projektpartner vergeben.

Beide Möglichkeiten waren den Räten schon einmal im Mai vorgestellt worden, nun waren Experten dazu eingeladen. Der Bürgermeister Ottobrunns, Thomas Lederer, hat vor wenigen Jahren ein Gymnasium nach dem ÖPP Verfahren gebaut, und der Architekt Johann Peter Kellerer aus München diverse VOF-Verfahren begleitet.

Eigentlich war vorgesehen das Verfahren an diesem Tag festzulegen, darauf war bereits im Mai in einem Arbeitspapier hingewiesen worden. Einige Gemeinderäte hatten sich auch eine Meinung gebildet. Michael Leonbacher (FWG) sprach sich für das VOF-Verfahren aus, denn bei „PPP geben wir alles aus der Hand“. Anita Rieger (CSU) war dagegen überzeugt bei PPP ist die Kostensicherheit größer. Markus Rainer (Grüne) fürchtete bei diesem Verfahren aber das Risiko der Insolvenz des planenden und ausführenden Büros.

Die Abstimmung über das Verfahren wurde letztendlich auf die Septembersitzung verschoben. Die CSU- Fraktion will sich noch weiter informieren. „Wir stimmen heute nicht ab“, sagte Andreas Berger (CSU) und drohte im Fall der Abstimmung, den Saal zu verlassen. Marianne Kaunzinger (UWG) mahnte zwar: „Wir fangen an,  zu zerreden.“ Man hätte auch im Vorfeld recherchieren können. Ihre Fraktionskollegin Cordula Braun sagte: „Das ständige Hin und Her zeichnet den Gemeinderat aus.“ Unter lautem Protest aus der CSU fügte sie hinzu: „In den letzten 40 Jahren ist hier gar nichts vorwärts gegangen“.

Die Gemeinderäte haben nun bis nach den Ferien Zeit Zeit, Informationen zu den Verfahren einzuholen. Bürgermeister Martin Schäfer (UWG) wollte ihnen eigentlich eine weitere Hausaufgabe mit auf den Weg geben. Sie sollten sich Gedanken machen, welche Räume außer die der Verwaltung in einem neuen Rathaus noch unterkommen sollten. Doch die Kommunalpolitiker warfen den Ball zurück. Zunächst soll die Verwaltung klar stellen, welche Flächen unter Berücksichtigung der Abstandsregeln auf dem Grundstück möglich sind. Die Verwaltung rechnet damit, Büros, Sitzungssaal, Toiletten und Lager auf 2450 Quadratmetern unterzubringen. (sus)

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