Ob warm eingepackt oder im Sommer in Badekleidung: Der Böhmerweiher ist ein beliebtes Ziel für Erholungssuchende. Seit Jahren gibt es Pläne, das Areal auszubauen und unter anderem einen Kiosk und Toiletten anzubieten. 	Fotos: weber
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Ob warm eingepackt oder im Sommer in Badekleidung: Der Böhmerweiher ist ein beliebtes Ziel für Erholungssuchende. Seit Jahren gibt es Pläne, das Areal auszubauen und unter anderem einen Kiosk und Toiletten anzubieten.

Gröbenzell

So steht‘s um den Ausbau des Böhmerweihers

Der Frühling erwacht langsam und somit auch der Böhmerweiher: Bei strahlendem Sonnenschein tummeln sich dort Spaziergänger. Doch bei jedem Besuch kommt mittlerweile seit Jahren auch eine Frage auf: Wie lange wird es das Erholungsareal noch so geben? Das Tagblatt hat nachgefragt.

Puchheim/Gröbenzell – Fast acht Jahre sind mittlerweile vergangen, seitdem der Gröbenzeller Johann Böhmer das Gelände mit dem Böhmerweiher verkauft hat. Die Städte München und Puchheim, die Gemeinde Gröbenzell und der Erholungsflächenverein (siehe Kasten) wurden im Frühjahr 2013 Eigentümer des 27 Hektar großen Areals. Das Gelände soll teils zu einem Erholungsgebiet ausgebaut werden, teils sich als Biotop weiterentwickeln. Doch das alles lässt auf sich warten.

Wann wird sich hier etwas tun?

Gröbenzells Kämmerer Gregor Kamp hatte im Frühjahr vergangenen Jahres verraten: Fünf Jahre plus werden noch vergehen bis der Ausbau abgeschlossen ist. Mit dem Ausbau ist der Erholungsflächenverein beauftragt. Dessen Geschäftsführer Jens Besenthal hatte im Jahr 2015 den Stadt- und Gemeinderäten in Puchheim und Gröbenzell Pläne vorgestellt.

Was ist für das Areal geplant?

Diese stießen bei den Gröbenzeller Gemeinderäten auf heftige Ablehnung. Dass auf knapp 33 000 Quadratmetern Liegeflächen entstehen sollten, 40 Parkplätze, ein Kiosk, WCs, Wasserwacht, Beachvolleyball und Grillflächen, entsetzte vor allem die Grünen.

Walter Voit sagte: „Der Böhmerweiher ist offensichtlich ein kleines ökologisches Schatzkästchen.“ Das habe auch eine Studie aus dem Jahr 2010 gezeigt. 83 schützenswerte Arten wurden gezählt. Die Grünen wünschen sich daher den Erhalt des Weihers als stilles Erholungsgebiet ohne zusätzliche Parkplätze und den Ausbau zum Badesee, wenn überhaupt, in einem minimalen Umfang.

Warum ist alles so kompliziert?

Das Problem ist: Bei dieser Sache sitzen sehr viele Beteiligte mit im Boot. Und dass das Gelände ohne die Zustimmung wirklich aller vier Eigentümer ausgebaut wird, gilt als eher unwahrscheinlich.

Denn sollte auch nur eine Partei ein Veto einlegen, wird es so nicht gemacht: Das jedenfalls versichert Gröbenzells Bürgermeister Martin Schäfer (UWG).

Was ist nun der aktuelle Stand?

Große Aufregung gab es 2019 um diese Schilder.

Mittlerweile sollen überarbeitete Pläne vorliegen. Gröbenzell und Puchheim wurden diese aber bisher noch nicht vorgestellt. Gröbenzells Bürgermeister Schäfer geht davon aus, dass dies im Laufe des Jahres geschehe. Der Erholungsflächenverein war für eine Stellungnahme für das Tagblatt nicht zu erreichen.

Wie sieht es mit der Leinenpflicht aus?

Der Böhmerweiher ist auch bei Hundebesitzern äußerst beliebt, da die Tiere hier lange freien Auslauf hatten. Im Sommer 2019 war die Aufregung also groß, als dies geändert wurde. Zur Freude so mancher Jogger und Spaziergänger und zum Entsetzen zahlreicher Hundebesitzer hatte die Stadt München Schilder aufgestellt, die auf eine Anleinpflicht für Hunde hinwiesen. Laut einer Pressesprecherin stehen die Schilder noch immer. Gesichtet wurden sie aber seit Längerem nicht mehr.

Zwar sind Gröbenzell und Puchheim zu je einem Sechstel Miteigentümer des Areals, mitsprechen durften sie in diesem Fall aber nicht. Beide waren damals kurzfristig über die Aufstellung der Schilder informiert worden. Die Bürgerversammlung im Bezirk Aubing, Lochhausen Langwied hatte die Anleinpflicht empfohlen und die Untere Naturschutzbehörde diese aus naturschutzfachlicher Sicht für sinnvoll und notwendig erklärt.

Gibt es schon etwas ganz Konkretes?

Etwas mehr Komfort für Spaziergänger gibt es seit Kurzem: zwei Ruhebänke, Gerade ältere Menschen oder Menschen mit Mobilitätseinschränkungen können diese fortan nutzen, um eine Pause einzulegen und zu verschnaufen. Aber natürlich auch alle anderen, wie die Gemeinde mitteilt.

Ganz frisch aufgestellt: Die Bänke hat die Stadt München spendiert – die Idee kam aus Gröbenzell.

Die Idee kam von der Gröbenzeller SPD: Die Bänke werden kostenlos von der Landeshauptstadt München zur Verfügung gestellt. Der Gröbenzeller sowie der Puchheimer Betriebshof haben sich jeweils um das Aufstellen einer Bank gekümmert.

Was sagen die Besucher des Weihers?

Eine aktuelle repräsentative Erhebung, was sich eigentlich die Besucher des Böhmerweihers wünschen, gibt es nicht. Allerdings zeichnete sich bei einer Tagblatt-Reportage im Sommer vergangenen Jahres schon ein recht klares Bild ab: Am liebsten soll alles so bleiben, wie es ist, hieß es damals.

Zumindest die befragten Badegäste schätzten gerade die Ursprünglichkeit des Ortes. Auch im sozialen Netzwerk Facebook wird diese Meinung immer wieder deutlich.

Der Verein

Der Erholungsflächenverein gehört zu den Eigentümern des Weihers. Er wurde im Jahre 1965 gegründet und soll die Sicherstellung überörtlicher Erholungsgebiete in den Landkreisen um München gewährleisten. Was Presse-Anfragen angeht, ist er aber offenbar eher ein stiller Teilhaber. Das Tagblatt hat wiederholt erfolglos um eine Stellungnahme gebeten. sus

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