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So sah es am Tag nach dem Brand aus.

Feuer in Adelshofen

Großbrand: Familie steht vor dem Nichts

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Adelshofen - Einen Tag vor Weihnachten steht eine Familie aus Adelshofen vor dem Nichts. Ein Brand hat ihren Betrieb samt Wohnung komplett vernichtet. Vergeblich kämpften acht Feuerwehren stundenlang gegen die meterhohen Flammen.

Montagfrüh gegen 5.40 Uhr dreht Zeitungsausträgerin Christiane Wernitz ihre tägliche Runde. Das Dorf schläft noch, alles ist wie immer. Doch dann steigt ihr plötzlich ein seltsamer Geruch in die Nase. „So als ob ein Holzofen brennen würde“, erzählt die 44-Jährige. Ihre Nase führt sie schließlich zu einem Wohnhaus mit Schlosserei und angrenzender Lagerhalle im Gewerbegebiet. Dort ist alles voller Rauch. „So was hab ich noch nie gesehen“, sagt Christiane Wernitz.

Die 44-Jährige reagiert sofort und klingelt Sturm. „Ich hab versucht, alle rauszuläuten.“ Dann geht alles ganz schnell. In der Schlosserei explodieren mehrere Gasflaschen – und das Gebäude steht lichterloh in Flammen. „Es war furchtbar“,erzählt Christiane Wernitz. „Überall Feuer, alles ist einem um die Ohren geflogen.“ Die Familie, die über der Schlosserei wohnt, hat sich mittlerweile in Sicherheit gebracht. „Nur im Schlafanzug und barfuß sind sie rausgelaufen.“ Geschockt stehen die Eltern mit ihrer siebenjährigen Tochter auf der Wiese und müssen zuschauen, wie ihre Existenz vom Feuer aufgefressen wird.

Auch Nachbar Christian Rochel traut seinen Augen nicht, als er das Inferno erblickt. Der 55-Jährige, der selbst Brandhelfer ist, spurtet sofort los zum Feuerwehrhaus. Minuten später sind die Feuerwehren Adelshofen, Moorenweis, Grafrath, Jesenwang und Mammendorf vor Ort. Die Einsatzkräfte beginnen ihre Löscharbeiten von Außen. In das Gebäude kann keiner, es ist einsturzgefährdet. Die Mammendorfer bringen ihre Drehleiter zum Einsatz. „Ohne die wären wir verloren gewesen“, sagt Kreisbrandinspektor Hans Hintersberger. Da das Feuer so wütet, werden die Fürstenfeldbrucker Wehr mit Atemschutzwagen und einer weiteren Drehleiter sowie die Kameraden aus Aich und Landsberied zur Unterstützung angefordert.

Einige Einsatzkräfte versuchen, den mittleren Gebäudeteil von der Straße aus zu löschen. Aber auch der Anbau auf der Rückseite des Hauses brennt wie Zunder. „Hätten wir das nicht von dir gewusst, wäre es anders ausgegangen“, wird Adelshofens Kommandant Michael Klass später zu Rochel sagen. Von „großem Glück“ wird auch Hintersberger sprechen.

Denn, dass das Feuer nicht auf Rochels benachbartes Wohnhaus – ein Holzhaus – übergreift, grenzt fast an ein Wunder. Zwar springen die Fenster wegen der großen Hitze. Zum Glück sind sie jedoch doppelt verglast, nur eine Schicht zerberstet. Klass, Rochel und ihre Kameraden richten ihre Aufmerksamkeit auf die Rettung des Wohngebäudes. Parallel spritzen sie Wasser auf die Halle, und auf das Holzhaus. Mit Erfolg.

Gleichzeitig versuchen die Feuerwehrler zu verhindern, dass der Brand auf die Gebäudeteile links und rechts der Schlosserei übergreift. Dort befinden sich die Musikschule und Rochels Garage. Erstere bleibt von den Flammen verschont, das Dach der Garage fängt aber Feuer. Trotz ihres Einsatzes können die Brandhelfer nicht verhindern, dass Schlosserei, Anbau und Wohung komplett ausbrennen. Und auch der Jaguar und die Oldtimer-Motorräder von Rochel, die in der Garage untergebracht waren, sind wohl nicht zu retten.

Millionenschaden: Großbrand in Adelshofen

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„Wenigstens habe ich heute Abend noch ein Bett“, sagt er. Dabei schaut Rochel traurig rüber zu der Familie, die einige Meter entfernt steht. Die Eltern und ihre kleine Tochter blicken fassungslos auf die Überreste ihres Hauses. Mittlerweile haben sie warme Jacken und Schuhe an. Die Nachbarn haben die Kleidung gebracht.

Bis zum Nachmittag sind die Feuerwehrler noch mit Nachlöscharbeiten beschäftigt. Immer wieder glimmt es irgendwo in den Trümmern des Gebäudes. Warum das Feuer ausgebrochen ist, ist noch unklar. Die Polizei geht laut ersten Schätzungen von einem Schaden von rund einer Million Euro aus. Das Gebäude kann nicht betreten werden. Die Familie ist vorübergehend bei Verwandten in Adelshofen untergekommen.

Verena Usleber und Eva Dobler

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