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Auf den Hund gekommen: Rektorin Gudrun Beck, Schüler und der Setter Limon.

Neues pädagogisches Konzept

In der Grundschule Alling gibt es einen Schulhund

Alling - In der Grundschule in Alling gibt es einen Pädagogen auf vier Pfoten: Limon heißt der englische Setter, der als Schulhund dort „arbeitet“.

Der Schulhund soll für eine entspannte Lernatmosphäre sorgen. Ein Besuch in einer besonderen Unterrichtsstunde:

Einmal ist so etwas wie Unruhe an Limon zu beobachten: Als der Auslöser der Kamera klickt, legt er ob des ungewohnten Geräuschs den Kopf leicht schief – um ihn dann beruhigt wieder auf dem Knie von Carlos zu betten und sich von Mariella hinter dem Ohr kraulen zu lassen.

Nein, ein rechter Treibauf ist der zweijährige, weiß-braune englische Setter wirklich nicht. Schmal ist die Gestalt, vorsichtig sind die Bewegungen, sanft ist das Wesen. Genau die richtigen Voraussetzungen also für den ersten richtigen Schulhund im Landkreis, der in der Klasse 4b der Allinger Grundschule seinen Dienst tut. Limon verkörpert ein tierpädagogisches Konzept für den Unterricht, das vor allem für eine entspannte Lernatmosphäre sorgen soll.

Die Schüler lieben den Hund von Rektorin Gudrun Beck. Beißen kann er gar nicht, wissen die Viertklässler. Darüber, ob man ihn schon mal bellen gehört hat, gehen die Meinungen auseinander. Leckerlis und Streicheleinheiten mag er gleichermaßen, aber zwei der Kinder sind Limons Lieblinge: Carlos, vielleicht weil der noch von zuhause nach Hund riecht, oder weil er zu den ausdauerndsten Streichlern gehört. Und Victoria. Wahrscheinlich, weil sie auf einem Bauernhof lebt, spekulieren die Mitschüler.

Die Schulleiterin und Klasslehrerin der 4b hat ihren Hund zwei Schulstunden täglich dabei. Er residiert meist in einem großen Korb am Fenster, wo es ruhig und übersichtlich ist. Auf Kommando steht er auf und gesellt sich dazu, wenn die Kinder einen Sitzkreis auf dem Boden bilden. Manchmal wird der scheinbare Phlegmatiker aber von sich aus aktiv: Etwa als ein Mädchen ein Kurzreferat halten sollte und von der Nervosität übermannt wurde. Limon kam ungefragt an und schleckte ihr die Hand ab.

Derartiger psychologischer Beistand gehört zum Konzept Schulhund. Etwas theoretisch heißt es, dass die Schüler in ihrer „sozialen/emotionalen Kompetenz“, ihrer „psychischen/physischen Gesundheit“ und in ihrer Kommunikationsfähigkeit gefördert werden sollen. In der Praxis sieht das auch so aus, dass einer der Überaktiven in der Klasse an Limons Seite runterkommt, ohne es selbst zu merken. Oder dass die Kinder untereinander für Ruhe sorgen: „Ihr müsst leise sein, der Limon schläft.“

Den Umgang mit Tieren lernen die Neun- und Zehnjährigen en passant. In der Klasse wurde ein Regelwerk vereinbart, das Missverständnisse zwischen den jungen Menschen und dem Vierbeiner ausschließen soll. Alle haben sich verpflichtet, Limon nicht beim Nickerchen und auf keinen Fall beim Fressen zu stören. Obwohl er wirkt, als würde er sein Futter sogar mit den Schülern teilen.

Auch an den Hund gibt es Anforderungen. Er muss eine Hundeschule absolviert haben, einen ausgeglichenen Charakter ohne Hüte-Instinkt haben, still halten und aufs Wort gehorchen. Schüchterne Kinder muss er in Ruhe lassen. Die regelmäßige tierärztliche Untersuchung ist ohnehin Pflicht.

Beck legt Wert darauf, dass Limon nicht wie ein Straßenköter in der Schule erscheint. Zumindest am Sonntag wird er noch gescheit gebürstet. Trotzdem gab es Vorbehalte unter einigen Eltern, bevor das Modell eingeführt wurde. In Einzelgesprächen gelang es der Schulleiterin, die Besorgnisse auszuräumen.

Mittlerweile ist der Schulhund nicht nur als Klassenkamerad akzeptiert, sondern eine Institution über die 4b hinaus. Kollegen tragen Leckerlis in der Tasche und fragen nach, wenn Frauchen einmal allein unterwegs ist. „Mich alleine gibt’s gar nicht mehr“, scherzt Beck.

Bleibt nur die Frage, was Limon von seiner Existenz als Pädagoge hält. Der scheint sich wie viele Schüler auf den Unterrichtsschluss zu freuen. Der Reporter, dem er gerade die Hand leckt, mag es zwar kaum glauben. Aber nachmittags, versichert die Rektorin, werde das sanfte Wesen zum „Springteufel“. 15 Kilometer rennt der Schulhund dann durch die Gegend, begleitet von Gudrun Becks radelndem Ehemann.

von Olf Paschen

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