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Viel Zeit für seine Familie hat künftig Willi Wachter (l.), hier mit seinem Schwiegersohn Stefan Ressler.

Nach 27 Jahren

Hausmeister Willi sagt Servus

Er hat an der Schule im Oberschweinbacher Ortsteil Günzlhofen Generationen von Schülern kommen und gehen sehen. Jetzt geht Hausmeister Wilhelm Wachter in den Ruhestand. Der Job bleibt aber in der Familie.

Oberschweinbach „Er ist die Beliebtheit und Zuverlässigkeit in Person“, sagt Bürgermeister Norbert Riepl über den 63-Jährigen, den alle nur Willi nennen. „Ich kenne keinen Schüler, der ihn nicht gemocht hat.“ Auch Anke Bille von der Montessori-Schule, die jetzt im fünften Jahr ihren Standort in Günzlhofen hat, sieht dem Abschied von ihrem Hausmeister sehr wehmütig entgegen. „Er ist der Erste, der in der Schule ist, er ist immer da und immer zuverlässig. Und reagiert ganz schnell, wenn etwas ist“, sagt die Montessori-Chefin.

Der Abschied ist jedoch nicht ganz endgültig – zumindest noch nicht. Denn die Nachfolge von Willi Wachter tritt dessen Schweigersohn Stefan Ressler an. Anfangs wird der 63-Jährige seinen Nachfolger noch begleiten. „Er wird seinen Erfahrungsschatz weitergeben“, so Anke Bille. „Ich weiß aber nicht, ob er so richtig loslassen kann“, sagt sie und schmunzelt.

Das weiß er künftige Rentner auch noch nicht so recht: „Ich war es ja nie gewohnt, so viel Freizeit zu haben.“ Seit 1990 lebt Willi Wachter in Deutschland. Geboren und aufgewachsen ist er im rumänischen Siebenbürgen. Dort lernte er Mechaniker und Schlosser, machte seinen Meister. Doch die Umstände in seiner Heimat ließen ihn zum Äußersten greifen: Mit seiner Frau und der damals elfjährigen Tochter floh er im September 1989 vor dem Ceausescu-Regime zu Fuß über die Grenze nach Ungarn, ein lebensgefährliches und teures Unterfangen.

Für die Fluchthelfer musste die Familie eine Menge Geld bezahlen. Knapp zwei Monate später sollte dann mit der Rumänischen Revolution die Schreckensherrschaft des Diktators in seiner Heimat ein Ende haben. Die Wachters lebten ein halbes Jahr in Ungarn, ehe sie nach Nürnberg kamen und dann nach Mammendorf.

Von dort führte sie ihr Weg nach Günzlhofen, als die Stelle des Hausmeisters an der damaligen Hauptschule frei wurde. Und seitdem ist Willi Wachter in Günzlhofen zuständig für alles, was mit der Schule zusammenhängt. Heizung, Turnhalle, Reparaturen und die riesigen Außenanlagen, die dazu gehören. Früher zählten auch noch der Pausenverkauf und die Pausenaufsicht zu seinen Aufgaben.

In den Anfangszeiten, bevor die Gemeinde einen eigenen Gemeindearbeiter einstellte, war Willi Wachter auch noch zuständig für den Kindergarten und den Friedhof. Und den Fußballplatz hat er auch noch gemäht – damals eine sehr zeitaufwendige Tätigkeit. Zur Jahrtausendwende wurde klar, dass er dringend etwas kürzer treten musste mit der Arbeit. Zudem hatte der damalige Schulleiter Heinrich Stadler bei Rathauschefin Uta Lucht vorgesprochen: „Er hat gesagt: Wir brauchen unseren Hausmeister“, erinnert sich Willi Wachter. Daraufhin konnte er sich vollkommen auf die Schule konzentrieren.

Und er hat in 27 Jahren viele schöne Momente in seiner Schule erlebt. Natürlich auch weniger schöne, wie etwa, als nach einem Schulstreich ein Dachfenster zu Bruch ging, als die Schule mit einer Kette versperrt werden sollte oder als einmal alle Feuerlöscher im Maisfeld versteckt wurden, kurz bevor die Feuerwehr zur Übung kam. Manchmal trifft Willi Wachter auch noch ehemalige Schüler von damals wieder, die ihn sofort erkennen. Und die dann ganz erstaunt sind, wenn er sich noch an den Namen erinnern kann. Für seinen Nachfolger hat er auch einen Ratschlag parat: „Geduld, Geduld, Geduld.“

Stephanie Hartl

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