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Mit erhobenem Kopf sitzt Hahn Gustl neben drei seiner sechs Hennen auf der Stange. Im Hühnerstall ist er der uneingeschränkte Chef.

Brucker Tierbesitzer hat sehr kreative Idee

Nachbar beschwert sich über Gockel - jetzt wird er "programmiert"

Fürstenfeldbruck – Gockel Gustl hat seinen Nachbarn in Fürstenfeldbruck die Nerven geraubt. Eine technische Konstruktion stimmt seine Sangesfreuden nun mit den Schlafgewohnheiten der Nachbarn ab. 

„Ich heiße zwar Unfried, aber ich möchte meinen Frieden haben“, sagt Gustls Besitzer. Und er braucht auch einigen Galgenhumor. Seit einigen Monaten wird sein Hühnerstall von einer Zeitschaltuhr gesteuert: Wenn es dunkel wird, schließt sich die Tür automatisch. Erst gegen 9 Uhr vormittags öffnet sie sich wieder und entlässt den Gockel samt seinen sechs Hennen ins Freie.

Wenn Gustl raus will, um krähend den neuen Morgen zu begrüßen, muss er sich dem Diktat einer Zeitschaltuhr unterwerfen.

Wolfgang Unfried (69) wohnt samt Großfamilie im Brucker Westen. Das Gelände gehörte früher seinem Schwiegervater und ist seit rund 70 Jahren im Familienbesitz. Kleinvieh wird dort seit mindestens 50 Jahren gehalten, erzählt Unfried. Hühner sowieso. Sein Sohn Matthias Unfried ist Schreiner. Er hat dem gackernden Volk einen mobilen Hühnerstall gezimmert, der auf einer großen Wiese Platz gefunden hat.

Seit rund fünf Jahren lebt auch Hahn Gustl bei den Unfrieds. Früher stolzierte er gerne mit dem ersten Sonnenstrahl ins Freie und begrüßte den Tag mit seinem ausgiebigen Kikeriki – wie es eben Gockel-Art ist und wie es andere Hähne in der Umgebung auch tun. Doch Gustls Gekrähe in aller Hergottsfrühe ging einem Nachbarn gehörig auf die Nerven. Er schrieb schon vor geraumer Zeit einen Beschwerdebrief ans Landratsamt. Die Kreisbehörde leitete die ganze Sache an die Brucker Stadtverwaltung weiter. Im Rathaus befasste sich das Bauamt mit der Sache.

Besitzer Wolfgang Unfried hat die Zeitschaltuhr angebracht, um den Frieden mit den Nachbarn zu gewährleisten.

Eine vermeintliche Ruhestörung ist zwar eigentlich Sache des Amtes für öffentliche Sicherheit und Ordnung, doch der Beschwerdeführer hatte wegen des Hühnerstalls eine nicht genehmigte Nutzung des Unfried-Geländes unterstellt. Es gab einen Ortstermin. Wie Stadtbaumeister Michael Kornacher erklärt, wurde nichts Unrechtmäßiges gefunden. Eine Nutzungsuntersagung kam also nicht in Frage. Generell, so Kornacher, habe man gegen einen einzelnen krähenden Hahn erst einmal wenig rechtliche Chancen. Der Stadtbaumeister fügt jedoch den bekannten Spruch hinzu: „Vor Gericht und auf hoher See ist man in Gottes Hand.“

Kornacher arbeitet seit 16 Jahren im Brucker Rathaus. Er kann sich überhaupt nur an eine einzige ähnlich gelagerte Beschwerde erinnern: Damals ging es um einen schreienden Esel. Der Stadtbaumeister hofft nun, dass der Gockel-Streit durch die freiwillig installierte Zeitschaltuhr befriedet ist. Die Unfrieds sind durch das Internet auf die Lösung gekommen. Sohn Matthias fand dort die Idee mit der computergesteuerten Klappe und installierte diese am Hühnerstall. Und Vater Wolfgang Unfried bekräftigt nocheinmal: „Wir wollen keinen Streit.“

Ganz verstehen können die Unfrieds den Beschwerdeführer und sein Problem mit dem Hahn nicht. „Da schütteln Sie den Kopf“, meint Vater Wolfgang. Warum habe der lärmempfindliche Nachbar nicht einfach an seiner Tür geläutet und sein Problem erklärt? Außerdem ist die Beschwerde an sich für den 69-Jährigen überhaupt nicht nachvollziehbar. „Fürstenfeldbruck heißt zwar Stadt, hat aber in Teilen immer noch einen ländlichen Charakter“, sagt er. Er mutmaßt, das Glockengeläut der nahen Gnadenkirche könnte das nächste Ziel des Nachbarn sein.

Unfried selbst richtet sich nach der Devise „Leben und leben lassen“. Er beschwere sich ja auch nicht über laute Hunde in der Nachbarschaft. Die kuriose Gockel-Geschichte sorgt nicht nur lokal für Aufmerksamkeit. Zwei Fernsehsender haben sich bei den Besitzern gemeldet. Ob der Gustl tatsächlich ein TV-Star wird, ist aber noch ungewiss. Unfrieds wollen ja ihren Frieden. „Die Sache soll nicht Wellen schlagen ohne Ende.“

Fabian Dilger

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