Auch mit Spülmaschinen hat er kein Problem: Alfred Rüger hilft, wenn eine helfende Hand benötigt wird. Foto: Peter Weber

Der Handwerker mit der helfenden Hand

Grafrath - Mobiler Werkzeugkasten: Ein Anruf genügt, und Alfred Rüger repariert Wasserleitungen, Türen, Betten und Schränke

Vom Handwerk kann er einfach nicht die Finger lassen: Als bei einem Jazzkonzert eine Besucherin eine Schraube locker hatte, bastelte Alfred Rüger, 65, kurzerhand aus einer Plastikkarte einen Schraubenzieher. Damit half er der Dame mit dem wackeligen Brillengestell. Vielen anderen hat er schon geholfen, wenn jemand zum Reparieren gebraucht wurde. Schuld an dieser Sucht ist sein Opa.

Der hat in den 50er-Jahren in der Nachbarschaft häufig mal Hand angelegt. Neue Wasserleitungen, quietschende Türscharniere, schiefe Betten und Schränke, die lediglich noch der gute Wille an der Wand hielt. Alfred Rügers Großvater war als Handwerker selbständig. Von ihm lernte der Enkel Wasserleitungen zu verlegen, Türen, Betten und Schränke zu reparieren. Aber er lernte auch ein anderes Handwerk. Sein Großvater war stets mit einer freien Hand zur Stelle, wenn Hilfe gebraucht wurde. Ohne Lohn. „Ich fand es gut, dass er so viel für die Nachbarschaft gemacht hat“, sagt der Grafrather. Er macht es heute ähnlich. Seine handwerklichen Fertigkeiten nutzt der 65-Jährige, um Bedürftigen bei Reparaturen im Haushalt zu helfen. Ehrenamtlich. Im Rahmen des Projekts Mobiler Werkzeugkasten.

Trotz der frühzeitigen Liebe zum Handwerk: Alfred Rügers Weg war nach der Schule zunächst ein anderer. Geboren und aufgewachsen ist der Grafrather in Bonn. Er schrieb sich in Berlin für das Studium der Rechtswissenschaften ein. Doch das war ihm zu dröge. „Ich wollte weg von den Paragraphen“, sagt der Grafrather. Er wechselte zum Maschinenbau. Zusätzlich absolvierte er ein Parallelstudium zum Fachingenieur für Schweißtechnik. Nach seinem Abschluss erhielt er einen Job in München bei der Firma Linde. Er arbeitete auf dem Gebiet Schweiß- und Werkzeugkunde.

Mit 30 Jahren hat der Ingenieur beschlossen, sich zum Diplom-Wirtschaftsingenieur weiterzubilden. Daraufhin fing er als Gruppenleiter für Schweiß- und Verfahrenstechnik bei BMW an. So landete er auch in Südafrika, wo er gemeinsam mit seiner Frau Rita fünf Jahre als Abteilungsleiter für den Karosseriebau zuständig war. „Es war die schönste Zeit meines Lebens“, erzählt der Ingenieur.

Nach Vertragsende arbeitete er einige Jahre in England. 2002 kehrte er wieder zu BMW nach München zurück. Mit 55 Jahren reichte er dann Altersteilzeit ein. „Ich wollte nicht noch eine Karriere starten, sondern es gut sein lassen“, erklärt er.

Doch die Liebe zum Handwerk war ihm geblieben. Und irgendwie muss er an seinen Großvater gedacht haben, als ihm die Idee kam, Menschen zu unterstützen, die im Haushalt eine helfende Hand benötigen. Auf der Suche nach einem Träger für das Projekt landete er bei der evangelischen Kirchengemeinde Grafrath. „Die Leute waren mir sehr sympathisch“, sagt er. In Kooperation mit der Diakonie Fürstenfeldbruck ist die Kirchengemeinde Träger des Mobilen Werkzeugkastens. Alfred Rüger richtet mittlerweile sogar Wireless Netzwerke ein, repariert aber auch nach wie vor noch Wasserleitungen, Türen, Betten und Schränke und alles was sonst noch anfällt, wenn jemand einen Handwerker braucht. Einen Handwerker mit einer helfenden Hand.

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