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Hans Strohmayer ist auch heute mit 75 noch ein kraftvoller Tenor mit einem schönen Vibrato, was er gerne unter Beweis stellt.

Für vielseitiges Engagement

Verdienstmedaille für einen Oberweikertshofener

Oberweikertshofen – Hans Strohmayer (75) aus Oberweikertshofen erhält die Verdienstmedaille der Bundesrepublik: für seinen sozialen und kulturellen Einsatz.

Im Männergesangverein Wenigmünchen gilt er als unverzichtbar – als stimmsicherer Tenor und als Vorsitzender. Für das kulturelle und soziale Leben im Kreis ebenso. Nun erhält Hans Strohmayer (75) aus Oberweikertshofen für sein Engagement die Verdienstmedaille der Bundesrepublik.

Es war einer dieser sonnigen Sommertage, als es bei Hans und Christa Strohmayer an der Tür klingelte. Der Postbote brachte ein Einschreiben vom Landratsamt. „Was wollen denn die von mir?“, fragte sich der 75-Jährige. Seine Verblüffung wuchs, als er das Kuvert öffnete. „Verdienstmedaille des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland“ stand im Betreff. Unterzeichnet war es von der stellvertretenden Landrätin Martina Drechsler.

Sie informierte den Oberweikertshofener, dass ihm der Bundespräsident Joachim Gauck schon vor einigen Tagen, die kleinere Schwester des Bundesverdienstkreuzes verliehen hatte. Und dass Landrat Thomas Karmasin ihm das ehrenvolle Stück Anfang 2016 auszuhändigen gedenke. Strohmayer freute sich riesig, fühlte sich geehrt. Doch gleichzeitig fragte er sich: „Wie ist der Bundespräsident auf mich gekommen?“ Und: „Warum gerade ich?“

Die zweite Frage lässt sich schnell beantworten: Strohmayer ist einer derjenigen, die das soziale Leben im Lande zusammenhalten. Seit Jahrzehnten. Er ist einer, der sich immer engagiert hat: fast 40 Jahre als Vorsitzender des Männergesangvereins Wenigmünchen, 60 Jahre als Mitglied. Parallel dazu sang er 43 Jahre auch im Mammendorfer Chor, gemeinsam mit seiner Frau Christa. Zudem war er 38 Jahre als Schriftführer im Brucker Singkreis und drei Jahrzehnte als Moderator des jährlichen Kreissingens aktiv. Außerdem agierte er beim SC Oberweikertshofen nicht nur als Fußballer, sondern auch als Jugendtrainer. Er ist also ein Teamplayer, wie er im Buche steht.

Bereits in den 1960er-Jahren war er Teil eines alpenländischen Singspiels.

Aber Hans Strohmayer ist auch Solist. Mehr noch. Er ist ein echter Entertainer. 30 Jahre lang wirkte er als Hochzeitslader und betreute rund 200 Hochzeitsgesellschaften. Er weiß eben, wie er seine Pointen zu setzen hat. Zum Beispiel, wenn er auf ein Foto deutet, das ihn als Neunjährigen bei einem Schulschauspiel zeigt: Das kleine Hänschen gab damals einen Zwerg, mit einer langen Zipfelmütze auf dem Kopf und einem noch längeren Bart am Kinn. „Das sind Haare aus dem Schweif eines Rosses vom Pferdehändler“, erklärt er. Die Frage, wie er an diese Haare gekommen ist, beantwortet Strohmayer mit einem viel sagenden Schmunzeln. Eine Pointe zum Mitdenken sozusagen.

Der gebürtige Waltenhofener liebt es, Anekdoten aus seiner reichen Bühnen-Vita zum Besten zu geben. Freilich ohne Aufzutrumpfen. Sondern locker und nebenher, mit einem Schuss Selbstironie. Spannend sind auch Strohmayers Geschichten aus seinem Berufsleben als Karosseriebaumeister bei einem bekannten Münchner Autohaus. Bei der Arbeit bekam er es nämlich häufig mit arabischen Scheichs, berühmten Schauspielern und wichtigen Managern zu tun. Bilder aus den 1960er-Jahren zeigen einen stattlichen jungen Mann mit breiter Brust und scharf geschnittenen Gesichtszügen. So bei einem alpenländischen Singspiel. „Mein Mann war immer der jugendliche Liebhaber“, sagt Christa Strohmayer.

Seit 1956 singt der Oberweikertshofener im Männergesangverein Wenigmünchen (Bild unten, 3. von l. – dahinter Bruder Anton, links Chorleiter Thomas Seemüller).

Er war und ist ein Tenor, ein kraftvoller, auch heute noch. Um das zu Beweisen, stimmt er ohne mit der Wimper zu zucken Franz Lehars berühmtes „Dein ist mein ganzes Herz“ an: hell, klar, fest, mit einem schönen Vibrato. Garniert mit einem sehnsuchtsvollen Schmachten in Richtung seiner Gattin. Übrigens: Inzwischen hegt Strohmayer einen „starken Verdacht“, wer ihn beim Bundespräsidenten empfohlen hat: „Vermutlich Ludwig Lösch.“ Der ehemalige Brucker Stadt- und Kreisrat und langjährige Vorsitzende der Chorgemeinschaft ist ihm ein lebenslanger Freund. Spätestens, wenn ihm Landrat Thomas Karmasin die Medaille an die Brust heftet, wird Hans Strohmayer wohl des Rätsels Lösung erfahren.

von Horst Kramer

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