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Alles selbstgemacht: Hildegard Reh (73) aus Hattenhofen vor ihrer riesigen Krippe im eigenen Wohnzimmer.

365 Tage Weihnachtsstimmung im Haus

Dieses Kripperl steht das ganze Jahr

Hattenhofen - Bei Hildegard Reh aus Hattenhofen ist jeden Tag Weihnachten. Denn die Rentnerin lässt ihre Krippe das ganze Jahr über stehen. Die imposante Mooslandschaft mit hunderten Figuren und Tieren ist einfach viel zu groß, um sie jedes Jahr auf und ab zu bauen – und viel zu schön.

Die Krippe von Hildegard Reh nimmt das halbe Wohnzimmer der Rentnerin ein. Die Mooslandschaft, auf der sich nicht nur Maria, Josef und das Jesulein, sondern auch etliche andere Figuren und Tiere tummeln, ist etwa 14 Quadratmeter groß. Für Hildegard Reh selbst bleibt da kaum mehr Platz im Raum. Aber das macht nichts.

Die 73-Jährige hat schon immer gern gebastelt. Eine Bekannte brachte sie dann darauf, eine Krippe zu bauen und half ihr bei den ersten Handarbeiten. Zunächst erschuf sich Hildegard Reh einen Stall, die Heilige Familie und ein paar Hirten – eine Krippe in Normalgröße eben. Vor sieben Jahren kam die Bastelei an der Krippe aber dann so richtig in Fahrt – wegen ihres Enkels Michael.

Zusammen mit dem Bub vergrößerte die Hattenhofenerin die Szenerie Jahr für Jahr. Die zwei formten weitere Figuren, Pflanzen und Tiere und Gebäude. Aber: Nach den Feiertagen wurde die wachsende Krippe wieder abgebaut. Dann schlug ihr Enkel vor: „Oma, das können wir doch stehenlassen.“ Und die Oma gab nach.

Seitdem steht die facettenreiche Darstellung der Weihnachtsgeschichte auch im Frühling, Sommer und Herbst im Wohnzimmer. Auf einen Christbaum verzichtet Hildegard Reh mittlerweile – aus Platzgründen.

Fast nichts bei Hildegard Rehs Krippe ist zugekauft. Jeden noch so kleinen Gegenstand kreierten Großmutter und Enkel zusammen. Die Figuren sind aus Wachs und Silikon gemacht. Die aufwändige Bekleidung der Püppchen hat das Duo aus Stoffresten genäht. Die Häuser hat Hildegard Reh selbst getöpfert. Wie viele Figuren auf den Tischen genau stehen, weiß Hildegard Reh selbst nicht genau. „Ich habe schon mal zu zählen angefangen und aufgegeben.“ Aber es sind bestimmt über 100, glaubt die Rentnerin – mindestens zehnmal so viele, wie normalerweise in einer Krippenlandschaft stehen.

Der Engelschor im Regal: Jede Figur trägt feinsten Zwirn, den Hildegard Reh selbst genäht hat.

Gäste, die die Krippe zum ersten Mal sehen, sind oft erst einmal erschlagen von all der Vielfalt, erzählt Hildegard Reh. Denn neben den üblichen Figuren, gibt es bei der Rentnerin einen ganzen Engelschor, der von einem Schrankfach herunter sein Gloria singt. Und dann sind da noch völlig weihnachtsfremde Figuren, die einfach der Freude am Modellieren entsprungen sind: Eine Szene zeigt einen ganzen Fronleichnamszug samt Pfarrer und dazugehörigem Himmelbaldachin und Gefolge. Die Lieblingsszene von Hildegard Reh ist aber die Herbergssuche, bei der Maria und Josef mit dem Esel nach Obdach suchen.

Für die Hattenhofenerin ist dieses aufwändige Hobby alles andere als eine Belastung. Die Rentnerin mag die Beschäftigung. Stillsitzen kann sie nicht. Außerdem halte sie sich mit der Bastelei beweglich – in den Fingern und im Kopf. „Ich habe mir die Fähigkeiten alle selbst angeeignet“, sagt sie stolz. Daraus hat sie auch die Motivation geschöpft, immer weiter zu machen. Doch jetzt geht ihr langsam der Platz im Wohnzimmer aus. „Ich muss gezwungenermaßen aufhören“, sagt sie. Und dann: „Ein paar Figuren mache ich aber bestimmt noch.“

Von Fabian Dilger

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