In diesen Milchkannen brachte Johann Drexl seine Milch früher zu einer Sammelstelle. Die Behälter gehörten in jedem Dorf fest zum Ortsbild. Heute sind sie verschwunden.
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In diesen Milchkannen brachte Johann Drexl seine Milch früher zu einer Sammelstelle. Die Behälter gehörten in jedem Dorf fest zum Ortsbild. Heute sind sie verschwunden.

Serie: Das war dann mal weg

Als Milchkannen noch zum Alltag gehörten

  • Tobias Gehre
    vonTobias Gehre
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Hattenhofen – Milch ist heute ein globales Geschäft. Das weiße Gold der Bauern wird um die ganze Welt gekarrt. Dahinter steckt eine ausgeklügelte und durchdigitalisierte Logistik. Das war freilich nicht immer so. Ganz analog sorgten Landwirte und örtliche Molkereien früher für den Transport ihres Produkts. Ihr wichtigstes Hilfsmittel: große Milchkannen aus Metall.

Johann Drexl aus Hattenhofen kann sich noch gut erinnern an die Zeit als die Kannen fest zum Ortsbild gehörten. „Damals gab es eine Stelle, wo alle die Milch hinbrachten“, sagt der Landwirt. Auf dem Hof der Drexls kam dafür der so genannte Milch-Gig zum Einsatz. Zwölf Kannen zu je 20 Liter – die wollte keiner groß herumschleppen.

Und auch das Umladen auf den Laster der Molkerei machten sich die Bauern so einfach wie möglich. Dazu nutzten sie eine kleine Anhöhe zum Entladen. So musste der Milchfahrer die schweren Kannen nicht noch nach oben auf seine Ladefläche heben. Trotzdem waren die Milchabholer in der Regel kräftige Männer, erinnert sich Drexl.

Die Sammelstellen für die Milch waren übrigens ein beliebter Treffpunkt. „Es wurde geratscht, die Bauern haben sich untereinander ausgetauscht“, sagt der 62-Jährige.

Romantisch verklären will Drexl die Zeit aber nicht. Zwölf Kannen zu je 20 Liter jeden Tag herumwuchten und später die leeren Gefäße wieder abholen – es war eine Heidenarbeit. „Und es war alles nicht so hygienisch wie heute“, sagt Drexl.

Doch ganz in Vergessenheit geraten soll jene Zeit nicht. Deshalb hat der ehemalige Kreis-Bauernobmann einige Kannen aufgehoben. Sie dienen der Familie heute als Dekoration bei Festen oder am Tag des offenen Bauernhofes. Drexl: „Ein nettes Andenken an eine oft harte Zeit.“ TOBIAS GEHRE

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