Funkmast: Die Gemeinde Egling sucht aktiv nach geeigneten Standorten. Foto;: dpa
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Der geplante Funkmast ist umstritten.

Hattenhofen

Plötzlich doch genehmigt: Heimlichtuerei um Funkmast ärgert Bürger

  • Eva Strauß
    vonEva Strauß
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In Hattenhofen kochen die Emotionen hoch: Eine Bürgerinitiative macht gegen einen geplanten Funkmasten mobil – und fühlt sich von der Gemeinde übergangen.

Hattenhofen – Die Bürgerinitiative wirft Bürgermeister Franz Robeller vor, nicht ausreichend über den Bau des Masten informiert zu haben – im Vorfeld und im Nachgang einer Gemeinderatssitzung, bei der es grünes Licht für das Vorhaben gab. „Wir hätten befragt werden wollen“, erklärt Stefanie Bachl, Sprecherin der Initiative.

Und darum geht’s: Die Deutsche Funkturm GmbH möchte zur besseren Netzabdeckung entlang der Bahnlinie einen 30 Meter hohen Masten südlich von Hattenhofen, Richtung Loitershofen, bauen. Im Januar 2020 hatte der Gemeinderat das Ansinnen abgelehnt. Am 2. März 2021 hat er dann sein Einvernehmen erteilt.

Niemand wusste von der Sitzung

Die Gegner kritisieren vor allem, dass eigentlich niemand von dieser Sitzung gewusst habe. Denn die Bekanntmachung sei nicht wie üblich auf der gemeindlichen Homepage erfolgt. Zudem sei der Funkmast erst gegen 22 Uhr diskutiert worden, sagt Bachl. „Ausgangsbeschränkung war aber ab 21 Uhr.“ So habe man keinerlei Möglichkeit gehabt, der Diskussion beizuwohnen.

Um die Bürger zu informieren, hat die Initiative Flyer verteilt. Daraufhin hat Bürgermeister Franz Robeller einen Bürgerbrief herausgebracht, „denn es waren Gerüchte und Halbwahrheiten im Umlauf“, wie er sagt

„Wir hätten die Bürger informieren können“, räumt er ein. „Aber wir hätten nichts ändern können. Die gemeindlichen Möglichkeiten gegen den Masten vorzugehen, gehen gegen Null.“

Nachdem der Gemeinderat den Antrag abgelehnt hatte, sei der Gemeinde vom Landratsamt mitgeteilt worden, dass das rechtswidrig sei, erklärt Robeller. Denn es sei nicht Aufgabe der Gemeinde, die Strahlenlast zu beurteilen.

Zudem handelt es sich um ein privilegiertes Vorhaben im Außenbereich. Die Behörde habe die Gemeinde aufgefordert, das Einvernehmen herzustellen, andererseits würde es ersetzt werden. Also wurde das Thema Funkmast auf die Tagesordnung vom 2. März gesetzt.

Ein Versehen

Die Vorwürfe, über diesen Termin nicht ausreichend informiert zu haben, weist Robeller von sich. Die Bekanntmachung sei, wie in der Gemeindeordnung vorgeschrieben, sieben Tage vorher im gemeindlichen Kasten gewesen. „Ich habe sie selbst aufgehängt.“ Eine Veröffentlichung im Internet sei sonst üblich, aber keine Pflicht.

Dass dies für die Sitzung am 2. März nicht geschehen sei, „war ein Versehen“ und tue ihm leid. „Von einer bösen Absicht kann keine Rede sein.“ Zudem könne jeder Bürger, der sich über eine Sitzung informieren möchte, die Protokolle im Rathaus einsehen. Der öffentliche Teil der Sitzung sei auch bereits um 21 Uhr beendet gewesen, Bürger hätten also der Diskussion beiwohnen können.

EIn Kran wird aufgestellt

Die Gegner des Mastens machen indes weiter mobil. Rund 500 Unterschriften wurden bereits gesammelt. Die Aktivisten sind nicht gegen den Masten, sondern gegen den Standort. Sie befürchten einen Wertverlust ihrer Immobilien, Verschandelung des Ortsbildes, gesundheitliche Belastung und Lärm bei Wind. „Wir wollen eine Lösung weiter weg von den Häusern“, erklärt Bachl.

Um zu verdeutlichen, wie sich der Mast auf das Ortsbild auswirken würde, soll am Samstag, 12. Juni, um 10 Uhr ein 30 Meter hoher Kran aufgestellt werden. Bürgermeister Robeller plant im Juli eine Infoveranstaltung, um die Wogen zu glätten.

Kommentar

Der Informationsfluss um den geplanten Funkmast an der Bahnlinie bei Hattenhofen war wirklich extrem unglücklich. Die Sitzung, in der der von dem Vorhaben nicht besonders begeisterte Gemeinderat zum wiederholten Male über das Thema zu reden hatte, fand mitten im Lockdown statt, zur Zeit der Ausgangssperre. Dass die Sitzung stattfinden würde, stand nur im örtlichen Info-Aushang-Kasterl, sonst nirgends.

Auch die Presse, die sonst in Hattenhofen immer vorbildlich eingeladen wird, wusste von der Sitzung nichts – konnte also auch nicht teilnehmen oder sich wenigstens am Tag darauf informieren, was beschlossen wurde. Der Gemeinderat stimmte somit zwar formal in öffentlicher Sitzung über den Mast ab, allerdings wusste praktisch keiner aus der Öffentlichkeit, dass die Öffentlichkeit hergestellt war.

So entstand im Ort der Eindruck, dass da was falsch läuft, was nachvollziehbar ist. Nun ist’s immer einfach, hinterher schlauer zu sein. Allerdings hätte die Gemeindeverwaltung die Öffentlichkeit wenigstens im Nachhinein noch informieren können. Das Thema Funkmast schlägt ja auch andernorts regelmäßig hohe Wellen. So hätte einiger Flurschaden und der Eindruck von Gemauschel vermieden werden können.

Die Sache an sich ist freilich klar: Das Landratsamt hätte den Funkmast ohnehin genehmigt. Und die Grundstückbesitzer, die um den Wert ihrer Flächen fürchten, sollten vielleicht bedenken, dass ihr Grund nur deshalb einiges wert ist, weil die Gegend durch die Bahnlinie erschlossen ist. (st)

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