Funkmast Hattenhofen
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In Konkurrenz zu Kirche und Maibaum: Ein 30 Meter hoher Kran simuliert den geplanten Mobilfunkmasten in Hattenhofen, der die Gemüter ordentlich hochkochen lässt. 

Kritik an Bürgermeister und Gemeinderat

Hier soll der umstrittene Funkmast hin - Bürger in Hattenhofen protestieren

  • VonDieter Metzler
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Die Bürgerinitiative (BI) gegen den Mobilfunkmast nahe eines Wohngebietes in Hattenhofen macht mobil. Mit einem 30 Meter hohen Kran hat sie simuliert, was den Ort erwartet. Die Entrüstung bekamen Gemeinderatsmitglieder und Bürgermeister vor Ort zu spüren.

Hattenhofen – Die Initiative „Kein Sendemast am Wohngebiet Hattenhofen“ wirft Bürgermeister Franz Robeller mangelnde Informationspolitik vor. Außerdem hätte der Gemeinderat engagierter nach anderen Standorten suchen sollen. Für vergangenen Samstag hatte die BI nun selbst zu einer Informationsveranstaltung eingeladen. Treffpunkt war das Grundstück von Peter Hillmayr. Hier soll der Mobilfunkmast der Deutschen Funkturm GmBH, die zur Telekom gehört, errichtet werden. Ein 30 Meter hoher Kran simulierte die Höhe. Das schauten sich rund 100 Hattenhofener, darunter direkt Betroffene, genauer an. Dabei gab es deutliche Kritik an den Entscheidungsträgern im Ort.

Gegner sprechen von Spaltung des Ortes

Einer der Nachbarn ist Martin Bentenrieder (51), der keine 300 Meter von dem geplanten Funkmasten entfernt wohnt. „Ich fühle mich betrogen. Bei so einem großen Projekt sollte der Bürger ein Mitspracherecht haben. Es gehe nicht nur um die Verschandelung des Ortsbildes, es geht auch um die Strahlung. Mit 4G ist die Gemeinde gut ausgestattet.“

Das halbe Dorf werde entzweit, sagte Josef Jäger (71) kopfschüttelnd. „Die ganze Geschichte ist wohl ein bisschen hinten rum gelaufen“, meinte er. „Ich habe erst vergangene Woche davon erfahren.“ Walter Vogl (64) formuliert es so: „Im Schwäbischen würde man sagen, das hat Geschmäckle.“ Der Grundstückseigentümer Hillmayr, der auch Gemeinderatsmitglied ist, hat sich laut Vogl einiges anhören müssen. Bereits 2018 hatte dieser einen Vertrag mit der Funkturm GmbH abgeschlossen.

Lauschten gespannt: Rund 100 Menschen nahmen an der Infoveranstaltung der BI teil.

„Wir hätten uns im Vorfeld eine Info-Veranstaltung gewünscht. Die Bürger hätten gehört werden müssen“, kritisierte außerdem Marianne Feigl (62). „Als Ende 2019 der Antrag im Gemeinderat abgelehnt wurde, da haben wir geglaubt, die Angelegenheit sei komplett vom Tisch.“ Ein Irrtum, wie sich kürzlich herausstellte. Die in der Nähe des geplanten Funkmasten lebenden Bewohner würden „unheimlich in ihrer Lebensqualität“ eingeschränkt werden“, meint sie.

Als Bürgermeister Franz Robeller zu der jüngsten Entscheidung des Gemeinderats pro Funkmast und zu der ihm vorgeworfenen mangelnden Informationspolitik Stellung bezog, machte sich unter den Besuchern lautstark Unmut breit. Zwischenrufe wie „Das stimmt doch alles nicht, was Sie da sagen“ gehörten noch zu den harmloseren. Vize-Bürgermeisterin Elisabeth Trappmann versuchte einzulenken und erklärte: „Ich bin sehr unglücklich über die Situation.“ Sie betonte jedoch ebenso, dass die Entscheidung nicht hinter verschlossenen Türen gefällt wurde, sondern im März 2021 in einer öffentlichen Sitzung. Und: „Da hätte jeder hingehen können.“

Protestieren: (v.l.) Martin Bentenrieder, Marianne Feigl, Walter Vogl und Stefanie Bachl. 

Elfriede Unger, seit 13 Jahren im Gemeinderat, verteidigte das Gremium: „Wir versuchen alle unser Bestes. Aber dass uns unterstellt wird, wir haben Mutwilliges und Böses getan, das geht gar nicht.“ „Warum habt ihr dann zugestimmt?“, konterte ein Bürger. Timo Wickenrieder, ehemaliger Gemeinderat, meinte: „Ihr seid wie das Fähnlein im Winde. Wenn ich eine Meinung habe, dann bleibe ich auch dabei.“ Nur zwei Gemeinderäte seien bei der zweiten Abstimmung standhaft geblieben. Auch seien andere Grundstückseigentümer, wo man den Masten ebenso hätte hinstellen können, nicht gefragt worden, warf Helmut Loder, ebenfalls ein ehemaliger Gemeinderat, dem Bürgermeister vor. „Ich finde sehr dubios, dass die ganze Geschichte so geheim gehalten wurde. Ich hätte mir eine Bürgerversammlung gewünscht. Ich bin traurig, dass sich der Bürgermeister und der Gemeinderat nicht für die Belange der Gemeinde einsetzen.“

530 Unterschriften gesammelt

Grünen-Kreisrat Andreas Birzele aus Hörbach wollte den Gemeinderat zwar nicht verteidigen, sprach aber davon, dass dieser den Bürgern sicher nichts Böses wollte. Der Vorschlag: „Setzt euch mit dem Landrat an einen Tisch und überlegt, wie man die Kuh noch vom Eis bringt, damit wieder mehr Frieden im Dorf einkehrt.“

Immerhin ist gut ein Drittel der Einwohner beim Protest dabei, wie BI-Sprecherin Stefanie Bachl. auch aktiv im örtlichen Madlverein, erklärt: „530 Unterschriften haben wir aktuell auf unserer Liste.“ Man wolle mit der Aktion eine gemeinsame Lösung erwirken. Eine Klage sei nicht erfolgsversprechend. Eine Petition an den Landtag wird die BI aber in jedem Fall einreichen.

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