Beim Ortstermin: Michael Schrodi (r.) mit Hattenhofens Bürgermeister Franz Robeller (M.) und einigen Anwohnern.
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Beim Ortstermin: Michael Schrodi (r.) mit Hattenhofens Bürgermeister Franz Robeller (M.) und einigen Anwohnern.

Einigung oder Rechtsstreit?

Jagdparcours wird zum Politikum: Bundestagsabgeordneter besucht Anlage

  • Ulrike Osman
    vonUlrike Osman
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Der Jagdparcours in Hattenhofen beschäftigt zunehmend die Politiker. Nun hat SPD-Bundestagsabgeordneter Michael Schrodi die Anlage besucht. Und auch CSU-Landtagsabgeordneter Benjamin Miskowitsch hat sich den Fragen und Klagen der Anwohner gestellt – bei einem Online-Treffen.

Hattenhofen – Gütliche Einigung oder Rechtsstreit: Welche der beiden Optionen im Streit um den „Jagdparcour Oberbayern“ wahrscheinlicher beziehungsweise erfolgversprechender erscheint, ist offen. Wie berichtet, leiden Anwohner vor allem im Hattenhofener Süden und im Mammendorfer Ortsteil Peretshofen durch den Schießbetrieb unter einer Lärmbelästigung, die sie als unerträglich empfinden.

Hattenhofen: Jagdparcours wird zum Politikum - Anwohner weiter skeptisch

CSU-Landtagsabgeordneter Benjamin Miskowitsch versucht zu vermitteln. In einem Online-Treffen stellte er sich den Fragen, Bedenken und Klagen der Anwohner. Zuvor hatten sich auf Initiative von Miskowitsch und der CSU-Bundestagsabgeordneten Katrin Staffler Vertreter von Politik und Behörden mit Florian Gmeiner, dem Betreiber des Jagdparcours, und dessen Rechtsanwalt am Runden Tisch getroffen.

Dass kein Vertreter der betroffenen Bürger eingeladen war, hatte diese verstimmt. Miskowitsch erklärte es damit, dass zahlenmäßig die Teilnehmergrenze erreicht gewesen sei. Eine Lösung habe man bei dem teils hitzigen Gespräch „natürlich“ noch nicht gefunden. Der Betreiber habe aber signalisiert, dass er zu baulichen Veränderungen der Schießanlage bereit sei. Gmeiner habe einen Architekten beauftragt, Möglichkeiten für einen Wall oder eine Einhausung zu prüfen, um „den Schall auf dem Gelände zu halten“, wie Miskowitsch sagte.

Die Anwohner sind skeptisch, der Hattenhofener Bürgermeister Franz Robeller (UWG Haspelmoor) ebenfalls. Er befürchtet, dass bauliche Veränderungen nur das Ziel haben könnten, die Schusszahl noch weiter zu erhöhen. Dabei sei schon der aktuelle Zustand nicht hinnehmbar. „Ich erkenne nicht, dass der Betreiber auf die Gemeinde zugeht“, so Robeller.

Anwohner Jörg Sändig sieht im derzeitigen Betrieb der Schießanlage „tagtäglich einen rechtswidrigen Zustand“ verwirklicht, denn der Krach überschreite zweifellos die Grenzwerte. „Ich hätte mir gewünscht, dass das bei dem Runden Tisch zur Sprache kommt.“ Der Sachverhalt sei nicht vergleichbar mit Nachbarschaftsklagen über Kuhglocken oder Sportplätze. Im Fall der Schießanlage sei der Lärm gesundheitsschädlich.

Hattenhofen: Jagdparcours wird zum Politikum - Anlage älter als Lärmschutzverordnung

Manfred Kistler berichtete von mehr als 10 000 Schüssen, die er am Tag des Online-Treffens wahrgenommen habe. „Da mag man nicht mehr auf der Terrasse sein.“ Eine Bürgerin wusste von Immissionen über 70 Dezibel, und das den ganzen Tag. „Das ist reine Körperverletzung.“ Neben der akuten Belastung sorgen sich die Anwohner auch wegen eines möglichen Wertverlusts ihrer Häuser.

Tatsächlich ist die Schießanlage älter als die heute gültigen Lärmschutzverordnungen. Eine „Ersterlaubnis“ für die Stätte fehle, weil es sie schon so viele Jahre gebe, so Miskowitsch. Jörg Sändig findet trotzdem nicht, dass der Betreiber einen Bestandsschutz in Anspruch nehmen kann, da er die Anlage bereits massiv verändert habe. Bis 2018 sei der Schießbetrieb gut zu ertragen gewesen, gaben mehrere Anwohner an.

Miskowitsch will Mitte Mai nachhaken, was bei der Prüfung baulicher Maßnahmen durch den von Gmeiner beauftragten Architekten herausgekommen ist. „Ich werde nicht lockerlassen“, versprach er den Bürgern.

Parallel steht dem Betreiber offenbar ein Bescheid des Landratsamts ins Haus, der die Schusszahl auf 2200 pro Tag begrenzt. Gmeiner hätte die Möglichkeit, dagegen vor dem Verwaltungsgericht zu klagen – und wird das nach Miskowitschs Einschätzung auch tun. In dem Verfahren würden dann aber laut Bürgermeister Robeller auch die Gemeinde und die Anwohner gehört.

Auch SPD-Kreisrat und Bundestagsabgeordneter Michael Schrodi hat sich ein Bild von der Situation gemacht und mit den Anwohnern vor Ort gesprochen. „Die heutigen Eindrücke zeigen klar, dass im Sinne des Anwohnerlärmschutzes eine deutliche Reduktion der Schusszahlen notwendig ist“, sagte er. Er habe sowohl die Anwohner in Hattenhofen, Mammendorf und Peretshofen besucht. „Ich war erschrocken, in welcher Lautstärke und Intensität der Lärm zu hören war.“

Hattenhofen: Jagdparcours wird zum Politikum - Gewässerschutz nur unzureichend

Zudem kritisierte Schrodi das Landratsamt. Dieses habe seine Anfragen zu einer möglichen Schadstoffbelastung des Bodens durch Munitionsaltlasten und zum Gewässerschutz erneut völlig unzureichend beantwortet. „Seit nunmehr sieben Jahren stehen die Ergebnisse einer Bodenprüfung aus. Seit über sieben Jahren ist unklar, welche konkreten Altlasten sich im Boden finden. Das ist unverantwortlich“, so Schrodi.

Dringenden Handlungsbedarf sieht er auch beim Gewässerschutz. „Das Oberflächengewässer wird lediglich durch Planen vor einem Eintrag mit Munition und Wurfscheibenresten geschützt.“ Die Einhaltung der Schutzmaßnahmen werde nur alle sieben Jahre überprüft. Das reiche bei Weitem nicht aus, sagte Schrodi. Zumal häufig Schrot und Wurfscheibenreste auch außerhalb des Jagdparcours-Geländes landen und so ungehindert in die Umwelt gelangen. os

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