+
Alle Bankreihen dicht besetzt: Beim Gottesdienst in der Hattenhofener Pfarrkirche mit einer Predigt von Merkur-Verleger Dr. Dirk Ippen hatten Nachzügler keine Chance auf einen Sitzplatz.

Dr. Dirk Ippen zu Gast in Hattenhofen

Verleger fordert Einstehen für Demokratie

  • schließen

Voll bis auf den letzten Platz war am Sonntag die Hattenhofener Kirche – denn zu Gast war ein prominenter Redner. Verleger Dr. Dirk Ippen, in dessen Münchner Zeitungsverlag unter anderem die Heimatzeitung erscheint, sprach zum Thema „Deutschland, ja gerne – aber wohin geht die Reise?“

Hattenhofen – Ippen war im Rahmen der Zeitfragengottesdienste einer Einladung der Pfarrgemeinde und der Katholischen Landvolkbewegung gefolgt. Seine Gedanken interessierten so viele Menschen, dass die Bankreihen dicht besetzt waren und Nachzügler keine Chance auf einen Sitzplatz hatten. Auch von außerhalb waren etliche Besucher nach Hattenhofen gekommen.

In einer zunehmend kompliziert und undurchschaubar wirkenden Welt steige die Gefahr, die von Populisten mit vorgeblich einfachen Antworten ausgehe, warnte Pfarrer Josef Heiß. Diese Gefahr sieht auch Ippen in einer „schwankenden Zeit“ wie dieser, in der scheinbar Unverrückbares in Frage steht.

„Deutschland, ja gerne – aber wohin geht die Reise?“: Das war das Thema von Dr. Dirk Ippen.

Der 78-Jährige sieht vielerlei besorgniserregende Tendenzen, die den Grundkonsens der Gesellschaft aushöhlen. Im Bundestag, wo früher „polemisch, aber sachlich“ diskutiert wurde, fallen Entscheidungen hinter verschlossenen Türen an Runden Tischen, in Kommissionen und Ausschüssen. Die Meinungsfreiheit, „ein entscheidendes Kernelement der Demokratie“, werde vor allem im Internet zu unsäglicher Hetze missbraucht, während sich die um Wahrhaftigkeit bemühten Medien als „Lügenpresse“ beschimpfen lassen müssen. Der Rechtsstaat werde sogar von seinen obersten Repräsentanten in Frage gestellt, wenn Bundeskanzlerin Angela Merkel und Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier den Schülerdemonstrationen der Fridays-for-Future-Bewegung trotz Missachtung der Schulpflicht ihren Segen geben. „Die Erosion des Rechts fängt im Kleinen an“, warnte Ippen.

Hinzu komme ein zunehmendes Auseinanderdriften von Arm und Reich. Wenn die Durchschnittsrente in Deutschland 1400 Euro im Monat betrage, geschasste Manager wie Ex-VW-Vorstand Martin Winterkorn aber 3000 Euro am Tag kassieren, dann bringe das Stimmen für populistische Parteien. Was aber ist die Lösung? Sicher nicht Resignation. „Verzweiflung, Rückzug und Nicht-Wählen sind keine Haltung.“ Stattdessen sei gerade jetzt jeder Einzelne gefordert, sich mit seiner Stimme für eine weitsichtige, berechenbare Politik einzusetzen.

Gleichzeitig sei es wichtig, Wandel zuzulassen, sagte Ippen an die Adresse der vielen „Wutbürger“, die jedes geplante Projekt in Frage stellen. Zur Vorsicht mahnte er in punkto Volksbegehren, die allzu leicht von Populisten missbraucht werden könnten – wie nicht zuletzt am Beispiel des Brexit-Referendums in Großbritannien deutlich geworden sei.

„Grund zur Kritik gibt es immer, aber schrankenlose Kritik ist gefährlich“, warnte Ippen. Eines gelte es sich ins Gedächtnis zu rufen: „Insgesamt leben wir doch in einem großartigen Land.“ Relativ hoher Wohlstand, Rekordbeschäftigung, im Großen und Ganzen gut funktionierende Institutionen – „wir können glücklich sein, dass wir in diesem Land leben“. Ippen schloss mit dem Appell, bei den Werten einer offenen, freien, sozialen Demokratie zu bleiben und „uns kein X für ein U vormachen zu lassen“.

Später, beim Sektempfang draußen, war dann Zeit für persönliche Gespräche. Auf dem Foto: (v.l.) Pfarrer Josef heiß, Dr. Dirk Ippen, Hattenhofens Bürgermeister Franz Robeller und Pater Antoo.

Dafür gab es Beifall und hinterher beim Sektempfang im Sonnenschein reichlich positive Resonanz. Hier konnten Gottesdienstbesucher mit Ippen persönlich ins Gespräch kommen. Als „eine Wohltat“ empfand augenscheinlich nicht nur die Hattenhofener Vize-Bürgermeisterin Elisabeth Trappmann Ippens Vortrag. Lob ging auch an die Adresse von Pfarrer Josef Heiß für seine Bereitschaft, neue Wege zu gehen, um Menschen anzusprechen.

Auch interessant

Mehr zum Thema

Meistgelesene Artikel

Diese Weihnachtsgeschichte hat kein Happy End: „Mir wird das Herz aus dem Leib gerissen“
Manfred Piringer, 55, aus Olching hat sich ins Weihnachtsfest verliebt. Jedes Jahr beleuchtet er sein Haus und denkt sich ein Musical mit Schneemann und Christkind aus. …
Diese Weihnachtsgeschichte hat kein Happy End: „Mir wird das Herz aus dem Leib gerissen“
Amper glänzt im Schein der Luzienhäuschen
Nach wochenlangem Basteln, unzähligen Tuben Kleber und fantasievollen Ideen war es endlich soweit: Am Freitagabend wurden die kunterbunten Luzienhäuschen zum …
Amper glänzt im Schein der Luzienhäuschen
Raubüberfall auf Handy-Laden: Täter erbeutet zehn Smartphones
Der Angestellte eines Ladengeschäfts für Mobiltelefone in Gröbenzell ist am Freitag Opfer eines Raubüberfalls geworden. Der Täter konnte unerkannt flüchten. Die …
Raubüberfall auf Handy-Laden: Täter erbeutet zehn Smartphones
In 25 Minuten zur Liste
Nach 25 Minuten war alles erledigt. In Rekordzeit stellten die Freien Wähler in Türkenfeld ihre Gemeinderatsliste auf. 
In 25 Minuten zur Liste

Kommentare