Diese Steinsplitter beweisen: Schon in der Mittelsteinzeit siedelten Menschen im Landkreis.

Archäologie in FFB

„Ich will wissen, warum Menschen in meine Heimat kamen“

Wen der Archäologie-Fimmel einmal am Wickel hat, der kann gar nicht anders, als einen prüfenden Blick auf jede Wiese und jedes Feld zu werfen.

Haspelmoor– Vielleicht verbirgt sich dort ja eine kleine Sensation. Und so machte auch der ehemalige Kreisheimatpfleger Toni Drexler seine wohl wichtigste Entdeckung eher zufällig, als er mit seiner Familie einen Ausflug machte.

Er radelte mit seiner Frau und den beiden Kindern rund um das Haspelmoor. Auf einer Anhöhe machten sie Rast. Von dort hatte man eine schöne Aussicht auf das Haspelmoor. Der Blick des Vaters blieb aber auf einem Acker hängen. „Da waren so verdächtige Schatten“, erzählt Drexler heute.

„Du, da muss ich runter“, sagte er damals zu seiner Frau. Die wusste schon, was nun folgen wurde, und trat mit der Tochter den Heimweg an. Der Sohn begleitete den Vater auf das Feld. Der versierte Hobbyarchäologe sammelte zwei Hände voll Fundstücke auf. „Ich dachte zuerst, es sind Scherben“, berichtet Drexler.

Er nahm seine Funde mit heim und wusch sie erst mal gründlich. Bald war ihm klar, die vermeintlichen Scherben waren etwas ganz anderes: nämlich kleine Steinsplitter, sogenannte Silex-Abschläge. Diese entstehen, wenn Werkzeuge oder Waffen gefertigt wurden. Drexler meinte, dass sie aus der Mittelsteinzeit (Mesolitikum) stammten.

Mit solch einer Prognose hatte er sich schon einmal eine ganz schöne Abfuhr eingehandelt. Er hatte andere Fundstücke einem Fachmann gezeigt. Der hatte ihn mit dem Satz abgespeist: „Sie wissen doch, in Südbayern gibt es kein Mesolitikum.“ Damals waren lediglich Funde im Altmühltal, an der Donau sowie am Alpenrand bekannt.

Heute weiß Drexler, dass diese ersten Funde tatsächlich wertlos waren, mit seiner Vermutung, dass in der Mittelsteinzeit doch Menschen im heutigen Landkreis Fürstenfeldbruck lebten, lag er aber genau richtig. Das bewiesen die Funde aus dem Acker am Haspelmoor. Und das bestätigte diesmal auch ein Professor, dem er sie zeigte.

Drexler suchte weiter. „Und ich fand immer mehr und mehr.“ Am Haspelmoor haben inzwischen mehrere Archäologen gegraben. Der Acker zählt heute zu den bedeutendsten Fundstellen für das Mesolitikum in Südbayern.

Auch in Toni Drexlers persönlicher Archäologie-Bilanz nimmt die Stelle wohl den Spitzenplatz ein. „Ich bin ein Sucher und ein Finder“, sagt er von sich selbst. Wirklich selbst herausragende Stücke aus dem Boden zu graben stellt für ihn nicht die Hauptfaszination an der Archäologie dar. „Mir liegt daran, neue Zusammenhänge zu entdecken. Wenn ich etwas herauskriege, was bis dahin unbekannt war, freut mich das riesig.“

Es sei eben ein Grundbedürfnis des Menschen, wissen zu wollen: Warum bin ich hier. „Warum haben sich die Menschen in Hörbach angesiedelt und nicht anderswo. Warum sieht unser Dorf so aus, wie es aussieht, nicht wie ein Ort in Frankreich.“ Als Hörbacher interessiert Toni Drexler das einfach.  sk

1585 Klingen und Pfeile aus der frühen Steinzeit

Die ältesten Fundstücke, die auf menschliche Besiedelung im Raum zwischen München und Augsburg hindeuten, wurden bei Haspelmoor (Gemeinde Hattenhofen) ausgegraben. Es sind 1585 Klingen und Pfeilspitzen. Sie beweisen, dass Jäger und Sammler schon in der Frühsteinzeit, also um etwa 9600 Jahre vor Christus, immer wieder in der Gegend Rast machten – das taten sie mit Unterbrechungen fast 4000 Jahre lang bis 5500 vor Christus. Die Funde stammen von einer Erhebung am Rand des Moores, etwa 650 Meter südwestlich der Ortschaft Haspelmoor. Die Erhebung war eine Landzunge im Haspelsee. Dieser hatte sich aus den Schmelzwassern der Würmeiszeit gebildet und ist inzwischen verlandet. Archäologen nennen die Funde Silexinventare. Silex ist der Fachbegriff für Steine, aus denen Waffen und Werkzeug hergestellt werden konnten, zum Beispiel Kalk-, Sand- oder Quarzgestein. Die Silexinventare bestehen aus älteren Spitzen von Lanzen und Speeren, aber auch aus kleineren Teilen. Letztere sind jünger und beweisen die Erfindung von Pfeil und Bogen. Die Steine, die als Rohmaterial verwendet wurden, kamen teilweise von weit her, etwa aus Kehlheim, der Schwäbischen Alb oder gar aus dem Tessin und dem Pariser Becken.

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