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Sie halten der Tradition die Treue: Viktoria Eberl-Stefan (l.) und Christine Hattensperger. 

Jubiläum in Hattenhofen

Das ist die letzte Metzgerei mit Gastwirtschaft

Hattenhofen – Früher war’s eine Selbstverständlichkeit. Heutzutage ist der „Eberl“ in Hattenhofen der letzte Metzger im Landkreis mit angeschlossener Wirtschaft.

Die Gastronomie gibt es auf dem Anwesen schon seit Jahrhunderten. Nun feiert auch die Metzgerei ein stolzes Jubiläum: Unglaubliche 150 Jahre lang gibt es dort schon Wurst und Fleisch zu kaufen – das wird mit einem großen Hoffest gefeiert.

Erst jüngst ist ein ganz besonderes Fundstück zu diesem Jubiläum aufgetaucht: Der Original-Antrag auf Zulassung eines Metzger-Gewerbes aus dem Jahr 1866. Christian Hattensperger, der Mann von Besitzerin Christine Hattensperger (47), war extra ins bayerische Staatsarchiv gefahren und hatte dort recherchiert, um ja keinen Fehler beim Datum zu machen. Denn früher durfte nicht einfach jeder eine Metzgerei aufmachen: Pro Dorf durfte eine Zunft nur einmal vertreten sein, erklärt Christine Hattensperger. Der damalige Betreiber, Innozenz Huber, musste auch einen Ersatzmann finden, der für ihn den Wehrdienst antrat – er selbst war ja durch die Metzgerei verhindert.

Auch heutzutage ist immer noch sehr viel Arbeit zu bewältigen: Denn die beiden Besitzerinnen und Nachkommen von Innozenz Huber, Christine Hattensperger und Viktoria Eberl-Stefan (37), bewirtschaften insgesamt drei Betriebszweige. Zu Metzgerei und Wirtschaft kam vor einigen Jahren noch ein Hotel mit 29 Zimmern hinzu, als der alte Stall dafür umgebaut wurde. All das sei nur mit dem Einsatz von zwei Familien zu bewältigen, sagt Christine Hattensperger: „Für eine Familie wäre es definitiv zu viel.“ Besonders am Wochende an den Tagen Freitag und Samstag ist eine Menge Arbeit zu bewältigen. Insgesamt um die 45 Beschäftigte arbeiten in allen drei Betriebszweigen, damit ist der Eberl einer der größten Arbeitgeber der Gemeinde Hattenhofen.

Doch auch bei der Metzgerei gehen die Sorgen, die die ganze Branche plagen, nicht spurlos vorbei. „Die Metzgereien haben es generell nicht so leicht“, sagt Hattensperger. Und dann wird es auch immer schwieriger, das Personal und den Nachwuchs in diesem Handwerk zu finden. Obwohl etwa Metzgerei-Fachverkäuferin ein Beruf mit hoher Qualifikation und anspruchsvoller Tätigkeit sei, sei das Ansehen eher gering, meint Viktoria Eberl-Stefan. Beim Eberl gibt es aber zumindest bald eine Auszubildende, die Metzgerin werden möchte.

Allgemein läuft das Geschäft in Hattenhofen aber gut, meint Christine Hattensperger. Die Kunden wissen bei ihrer Metzgerei, woran sie sind: „Die Leute wollen Qualität und Vertrauen haben.“ Das Vertrauen in die Lebensmittel verbinde man mit dem Betrieb. Beides will sie ihren Käufern an sechs Tagen in der Woche im Laden bieten: „Ich möchte meinen Kunden etwas Gutes tun.“

Am Samstag wird jetzt mit einem Hoffest und einem Tag der offenen Tür die 150 Jahre Metzgerei gefeiert – zu Besuch sind auch der Kreishandwerksmeister und der Obermeister der Metzger-Innung. „Wir freuen uns darauf und hoffen, dass schönes Wetter ist“, sagt Hattensperger. Ab 11 Uhr können Besucher vorbeikommen und den Metzgern beim Schauwursten über die Schulter blicken. Zudem ist kulinarisch einiges geboten: Neben kesselfrischen Weißwürsten gibt es Spanferkel, Maisacher Bier vom Fass, am Nachmittag Kaffee und Kuchen. Die Blaskapelle Maisach spielt auf, in der Metzgerei gibt es bis 18 Uhr 15 Prozent Rabatt.

von Fabian Dilger

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