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Fest verankert im Hattenhofener Leben ist der Sportverein. Das belegen auch die vielen Besucher, die im Jahr 2010 zum Tag der offenen Tür kamen.

Fest am Wochenende

Der SV Haspelmoor feiert Geburtstag: Die „Moosa“ werden 70 Jahre alt

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Der SV Haspelmoor feiert am kommenden Wochenende drei Tage lang sein Jubiläum. Zwei Urgesteine erinnern sich im Tagblatt an die kleinen und großen Geschichten der „Moosa“ in den vergangenen Jahrzehnten.

Hattenhofen – Von den Gründungsmitgliedern aus dem Jahr 1949 gibt es noch vier Stück – und dann ist auch schon Josef Drexler (79) das „erfahrenste“ Mitglied. Das ist noch tiefgestapelt, denn Drexler, der 1950 als Bub zum SV gekommen ist, ist wohl so etwas wie die personifizierte Vereinstreue: Für die Fußballer des SV hat Drexler bis zum 50. Lebensjahr insgesamt 950 Spiele gemacht und von 1962 bis 2012 war er Kassier.

Vor dem Krieg gab es den FC Hattenhofen

50 Jahre lang Funktionär. Für Drexler keine große Sache: „Das hat mir immer Spaß gemacht. Ich hab das für den Verein und die Allgemeinheit gemacht.“ Den Verein gibt es seit 1949, doch wie man aus Vereinschroniken entnehmen kann, war der SV sozusagen der zweite Versuch. Denn schon vor dem Zweiten Weltkrieg gab es einen Fußballverein in der Gemeinde, den 1935 gegründeten FC Hattenhofen.

Dieser schon längst vergessene Klub nahm aber ein unrühmliches Ende: Wegen Fehlern in der Kasse – angeblich wurden 36 Reichsmark ausgeliehen und kamen nicht zurück – kam es zu Anzeigen, Verurteilungen, Gefängnisstrafen und schließlich der Vereinsauflösung. „Einer hat sogar seinen Arbeitsplatz verloren“, weiß Josef Drexler noch vom Hörensagen. 36 Reichsmark waren „damals auch ein Haufen Geld eben“.

Bolzplätze gab es immer

Die Dorfjugend spielte natürlich auch ohne Verein. „Wir haben in Haspelmoor immer Bolzplätze gehabt“, erinnert sich Drexler. Zuerst auf einem Gelände Richtung Luttenwang, dann an der Erhardstraße. Die Spielfelder damals waren nicht ganz regelkonform. Die berühmteste Episode aus der damaligen Zeit dreht sich im um einen hölzernen Masten, der mitten im Feld an der Erhardstraße stand. Daran erinnert heute noch eine Zeichnung im Haspelmoorer Sportlerheim. Man nahm das nicht so genau, beziehungsweise störte sich nicht dran, sagt Drexler: „Da haben wir uns gar nicht viel gedacht dabei. Wir haben einen Platz gehabt und der war frei und da war halt ein Mast.“

Bahn-Mitarbeiter schieben Vereinsgründung an

Irgendwann wollten die Leute aber nicht mehr wild spielen, sondern einen richtigen Verein haben. Drexler erzählt, dass am Beginn des SV viele Angestellte, die in Haspelmoor bei der damaligen Bundesbahn arbeiteten, die Sache anschoben. Auch umliegende Gemeinden wie Mammendorf hatten „ihren“ Verein, das war ebenfalls Motivation. Der SV wurde im September 1949 im Gasthof Krieglmeier gegründet.

Sportheim selbst gebaut

Damit man bei den Meisterschaftsspielen des Bayerischen Fußball-Verbandes mitmachen konnte, brauchte man aber noch ein Spielfeld ohne Holzmast. Seit Anfang 1950 spielt der SV auf dem heutigen Vereinsgelände an den Bahngleisen. In den 1970ern wurde ein Vorläuferbau des heutigen Vereinsheimes errichtet, 1987 kam dann das jetzige Gebäude. „Wir haben kaum eine Firma gehabt, das ist in erster Linie von Vereinsmitgliedern gemacht worden“, zum Beispiel der Rohbau und das Fließenverlegen, sagt Drexler.

Strittige Beitragserhöhung

Eine kleine Sezession erlebte der Verein 1977: Wegen einer strittigen Beitragserhöhung verließen rund 80 Mitglieder den SV und gründeten den Freizeitverein Hattenhofen. Und heute? Da ist der SV Haspelmoor natürlich fest verankert im Leben vieler Hattenhofener und Haspelmoorer. „Ich würde sagen, dass der SV mit der wichtigste, weil einfach mitgliederstärkste Verein in der Gemeinde ist. Wir sind immer so um die 600 Mitglieder, das ist für mich schon ein Zeichen, dass die Leute uns akzeptieren“, sagt Renate Eigner (54), noch ein Vereinsmitglied, das sich lange Jahre engagiert hat. Seit Anfang der 90er war sie Schriftführerin, seit drei Jahren ist sie 2. Vorsitzende und steht mit ihrem Vereins-Lebenslauf ein wenig für die anderen Abteilungen neben dem Fußball.

In jeder Abteilung gesportelt

In fast jeder Abteilung sei sie schon einmal gewesen, sagt Eigner lachend. Als sie 1976 dem SV beitrat, spielte sie in der gerade neu gegründeten Volleyballmannschaft, als um die Jahrtausendwende die Tennisplätze auf dem Sportgelände angelegt wurden, nahm sie den Schläger zur Hand und nebenher war sie auch immer in der Gymnastik-Abteilung aktiv. Außerdem hat der SV Stockschießen und Volkstanzen im Angebot.

Der Sportverein habe natürlich bei vielen immer noch einen hohen Stellenwert, bei Neubürgern sei die Bindung aber nicht mehr so groß, sagt Eigner: Wenn ein Angebot nicht mehr genutzt werde, dann trete man halt aus. „Man merkt, wenn jemand nicht im SV ist, den lernt man schwer kennen“, sagt Eigner.

Das Programm beim Fest

Vielleicht kommen ja einige bisher unbekannte Gesichter zur großen Jubiläumsfeier am Wochenende: Am Freitagabend ab 18 Uhr gibt es ein „Food Fest’l“ mit verschiedenen Spezialitäten, am Samstag ab 13 Uhr einen Vierkampf in verschiedenen Ballsportarten und am Sonntag ab 10.30 Uhr einen Festgottesdienst, anschließend Mittagessen, ein G-Jugend-Turnier und einen Blade-Nachmittag mit einer Strecke durch Haspelmoor. Alle Veranstaltungen finden am Sportgelände statt.

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