Hattenhofen

Veteranenverein feiert 100. Geburtstag

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Der Veteranen- und Soldatenverein Hattenhofen feiert sein 100-jähriges Bestehen. Dabei wäre das Jubiläum beinahe ins Wasser gefallen: Im vergangenen Jahr fand sich zunächst kein neuer Vorsitzender. Die Vereinsauflösung drohte.

HattenhofenEin Jahr vor dem 100. Vereinsgeburtstag kandidierte Walter Sollinger, ab 1993 Vorsitzender der Veteranen und Soldaten, aus Altersgründen nicht mehr für eine weitere Amtszeit. Ein Nachfolger war zunächst nicht in Sicht – bis Hattenhofens Bürgermeister Franz Robeller die Sache selbst in die Hand nahm. Er stellte sich zur Verfügung und rettete dem Verein das 100. Jahr seines Bestehens.

Dabei plagen die Hattenhofener – anders als viele andere Vereine dieser Art – die Nachwuchssorgen gar nicht allzu sehr. Immerhin 114 Mitglieder gibt es aktuell zu verzeichnen – nicht viel weniger als zu den absoluten Hochzeiten in den 80er- und 90er-Jahren, als es gut 125 waren. „Wir haben sogar einige jüngere Mitglieder, die um die 30 Jahre alt sind“, sagt Robeller.

Wenig Aufzeichnungen zur Geschichte

Was die Hattenhofener aber mit dem einen oder anderen Nachbarverein gemeinsam haben: Es gibt nur wenige Aufzeichnungen über die Historie. Bekannt ist, dass der Verein am 23. Februar 1919 beim damaligen Hattenhofener Wirt Leonhard Riedl gegründet wurde. Dessen Gasthof war der Vorgänger des heute noch immer als Vereinslokal dienenden Casella. Auch der Verein hieß damals noch anders: Krieger- und Soldatenverein.

Die Initiative zur Vereinsgründung ging von einem Pfarrer Seilbeck aus. Gründungsmitglieder waren 33 Überlebende des Ersten Weltkriegs, Gründungsvorsitzender wurde der Vereinswirt Leonhard Riedl. „Das Vereinsziel war die Unterstützung von Soldaten und Zeitsoldaten nach Kriegseinsätzen“, sagt Robeller. Eine Aufgabe, für die es in den heutigen Tagen „zum Glück kaum noch eine Erfordernis gibt“, so Schatzmeister Harry Ziegler.

Das höchste Gut

Deutlich wurde dies auch im Namenswechsel, der zum 70. Jubiläum im Jahr 1989 vollzogen wurde. Der „Krieger“ verschwand aus der Bezeichnung, stattdessen heißt der Verein seitdem Veteranen- und Soldatenverein Hattenhofen. „Und vielleicht brauchen wir bald einen erneuten Namenswechsel, denn auch Soldaten haben wir bald keine mehr“, sagt Robeller. Genau genommen steht nur noch ein Teilnehmer des Zweiten Weltkriegs in den Reihen der Mitglieder. Robeller: „Man muss froh sein, dass es so ist, denn es gibt kein höheres Gut als Frieden.“

Das verdeutlichen auch die Zahlen der Verluste des Ersten Weltkriegs: Von 75 Hattenhofenern, die in den Krieg ziehen mussten, kamen 19 nicht wieder. Das am 1. September 1929 enthüllte Kriegerdenkmal, das 1959 für die Gefallenen des Zweiten Weltkriegs erweitert wurde, legt Zeugnis darüber ab. Aufzeichnungen über die Teilnehmer an diesem Krieg sind nicht bekannt.

Die Tradition hoch halten

Bekannt ist aber, dass dem Verein 1945 von der damaligen Militärregierung ein Tätigkeitsverbot auferlegt wurde. Erst sieben Jahre später, im November 1952, wurde das Vereinsleben auf Bestreben des damaligen Bürgermeisters Leonhard Lampl – Vorsitzender von 1954 bis zu seinem Tod im Jahr 1971 – wieder aktiviert. Weitere Vorsitzende waren Mathias Ettenberger, Vater des ehemaligen Bürgermeisters, von 1971 bis zu seinem Tod 1980, Martin Merkl von 1980 bis 1993 sowie Walter Sollinger von 1993 bis 2018 und nun Franz Robeller.

Sie alle hielten und halten mit dem zweitältesten Hattenhofener Verein nach der Feuerwehr die Tradition im Ort hoch, sind vor allem beim Volkstrauertag aktiv und pflegen ansonsten auch das Vereinsleben mit Grillfesten, Ausflügen und anderen geselligen Veranstaltungen. Und nicht zuletzt sammelt der Verein jedes Jahr für die Kriegsgräberfürsorge – und das auch noch sehr erfolgreich. „Im vergangenen Jahr kamen in Hattenhofen fast 1400 Euro zusammen.“ Bei nicht einmal 3000 Einwohnern, wie Robeller nicht ohne Stolz betont.

Ihr Jubiläum

feiern die Veteranen und Soldaten mit einem Fest am Sonntag, 15. September. Um 10 Uhr geht es mit einem Gottesdienst in der Pfarrkirche los. Anschließend zieht der Festzug zum Kriegerdenkmal, wo der Toten gedacht wird. Ab 12 Uhr folgt ein gemeinsames Mittagessen in der Turnhalle der Gemeinde mit Festansprachen sowie Kaffee und Kuchen.

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