Das Schmuckstück aus alten Kriegstagen. Foto: Dilger

Nach Tagblatt-Bericht

Weltkriegs-Andenken wieder aufgetaucht

Das Kriegsgefangenenlager in Haspelmoor hat während des Ersten Weltkriegs Spuren im Leben der Menschen vor Ort hinterlassen. Ein Tagblatt-Artikel hat nun ein Zeugnis der Vergangenheit wieder an die Oberfläche gebracht.

Haspelmoor 99 Jahre hat das kleine Kästchen aus Pfeifengras, das auf dem Tisch von Kreisheimatpfleger Toni Drexler (Hörbach) gelandet ist, auf dem Buckel. Das ist dem Schmuckstück zwar an manchen Stellen anzusehen, insgesamt hat sich das Relikt aber gut gehalten. Besonders sind an dem Stück jedoch nicht Wert oder Aufmachung. Es ist vielmehr die Herkunft, die Drexlers Interesse geweckt hat.

Das Kästchen wurde von einem der vielen russischen Kriegsgefangenen angefertigt, die im Ersten Weltkrieg in Haspelmoor in einem Lager untergebracht waren. Dass es jetzt aufgetaucht ist, hat seine Ursache in einem Tagblatt-Artikel, in dem über das Lager berichtet wurde. Den hat auch Regina Bösl aus Pfaffenhofen gelesen. Die 75-Jährige erinnerte sich daraufhin an den Gegenstand, der zuerst im Haushalt ihrer Eltern, dann schließlich bei ihr selbst im Haus war. Schwiegertochter Renate Bösl brachte das Zeugnis der Vergangenheit bei Drexler zur Begutachtung vorbei. Eigentlich schon immer sei das Kästchen vorhanden gewesen, ihre Schwiegermutter könne sich seit Kindesbeinen daran erinnern, sagt sie.

Interessant ist, dass Familie Bösl nicht aus Hattenhofen, sondern aus dem fünf Kilometer entfernten Pfaffenhofen bei Jesenwang stammt. Wie das Kästchen dorthin gekommen ist, wer es genau fertigte, warum es in den Besitz der Bösls gekommen ist – das alles weiß Regina Bösl nicht. Benutzt hat es ihr Vater, der dort Toilettenartikel lagerte.

Dass Bösl sich im Zusammenhang mit dem Artikel an das Objekt erinnerte, liegt auch an der Inschrift auf der Unterseite: „Dieses Kästchen wurde im Kriegsjahr 1918 von einem gefangenen Russen im Arbeitslager Haspelmoor gemacht.“ Die Herkunftsangabe wollte Drexler näher durchleuchten. Bei der Recherche fand er heraus: Eine solche geflochtene Aufbewahrungstruhe sei speziell in Karelien typische Volkskunst. Anzunehmen ist also, dass der handwerklich geschickte Russe aus der Grenzregion zwischen Finnland und Russland stammte.

Gefertigt wurde das Kästchen aus Pfeifengras, das immer noch zahlreich im Haspelmoor wächst. Es ist zwar nur ein kleines Fundstück, das die Vergangenheit ein Stück anschaulicher macht, doch Drexler weiß es zu schätzen: „Es freut mich ja, dass so ein Artikel eine Resonanz hervorruft.“ (Fabian Dilger)

Auch interessant

Mehr zum Thema

Meistgelesene Artikel

Moorenweiser kritisieren Wachstum
Das Wachstum der Gemeinde und die zunehmende Verkehrsbelastung – diese beiden Themen lagen den Moorenweisern in der Bürgerversammlung am meisten am Herzen. Kritisiert …
Moorenweiser kritisieren Wachstum
Wegen Naturschutz bei Südumfahrung: Maisach muss Maschendrahtzaun für 100.000 Euro kaufen
Der Bau der Südumfahrung hält den Gemeinderat auf Trab. Noch immer stehen Entscheidungen an. Jetzt musste der Gemeinderat einen Maschendrahtzaun bestellen. Einen …
Wegen Naturschutz bei Südumfahrung: Maisach muss Maschendrahtzaun für 100.000 Euro kaufen
Lkw-Fahrer schläft ein und rast in Baustelle - immer noch Stau auf A8 Höhe Dachau
Ein Lkw überholt einen anderen Lkw, dann schläft der Fahrer kurz ein und rast in die A8-Baustelle Höhe Dachau/Fürstenfeldbruck. Er ist schwer verletzt. Während die …
Lkw-Fahrer schläft ein und rast in Baustelle - immer noch Stau auf A8 Höhe Dachau
Kabarett-Stars lassen die Kassen klingeln
Die Stadthalle hat 2017 gut gewirtschaftet. Vor allem die Gastspiele prominenter Kabarettisten wie Monika Gruber spülten mehr Geld als erwartet in die Kassen.
Kabarett-Stars lassen die Kassen klingeln

Kommentare