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Profis am Werk: Faith (rechts) und ihre Freundin Mariam haben bereits in der Schule Ostereier bemalt. Nun wollen sie damit anderen Asylbewerbern in ihrer Unterkunft in Mammendorf eine Freude machen.

Flüchtlinge bemalen Ostereier

Osterzauber für die Seele

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Mammendorf - In Mammendorf hat der Osterhase Unterstützung bekommen. Einige Flüchtlinge haben für alle Bewohner in ihrer Unterkunft Ostereier bemalt. Und Ostern ist hier mehr als ein religiöses Fest – es ist etwas für die Seele.

Shabrian hat viele Bilder gemalt, seit sie aus ihrer Heimat Afghanistan geflüchtet ist. Einen ganzen Block voll. Es sind Bilder von Verwandten und Freunden, die sie zurücklassen musste. Von denen sie nicht einmal mehr Fotos besitzt. Heute steht die 18-Jährige in der Küche in der Flüchtlingsunterkunft in Mammendorf im Landkreis Fürstenfeldbruck und malt nicht auf Papier – sondern auf einem gekochten Ei. Niemals hätte sie gedacht, dass das soviel Spaß machen könnte. Das erste Mal seit vielen Tagen hat Shabrian es geschafft, sich von ihren Sorgen um ihre Familie und um ihre Zukunft für ein paar Augenblicke zu befreien. Als Muslimin hat sie zwar noch nicht so ganz verstanden, welche Bedeutung das Osterfest hier in Deutschland hat – und was hinter diesem Eier-Bemalen steckt. Aber sie hat bereits entschieden, dass sie Ostern mag. „Es ist ein schönes Fest“, findet sie. Es tut der Seele gut.

Echte Künstlerinnen: Shabrian (re.) verziert mit ihrer Mutter die Plätzchen.

Shabrian ist nicht die einzige Asylbewerberin in Mammendorf, die die Einladung des Helferkreises angenommen hat und beim Ostereier-Malen, beim Hefezopf-Backen und beim Plätzchen-Verzieren hilft. Mandala ist mit ihren Kindern hier. Und weil sie Ostern zu Hause in Nigeria immer so geliebt hat. Sie ist Christin und hat an Ostern immer für die ganze Familie gekocht. Nach der Kirche saßen alle um einen großen Tisch. Es gab keine Eier, keine Schokolade, keinen Hefezopf. Aber es gab etwas, das für Mandala untrennbar mit Ostern zusammengehört: Familie. Und die fehlt ihr nun an diesen Tagen – noch viel mehr als sonst.

Ganz allein ist sie nicht. Sie hat noch ihren Mann, ihren kleinen Sohn Prepie, den sie die meiste Zeit auf den Rücken gebunden bei sich trägt. Und ihre siebenjährige Tochter Faith. Die geht in die zweite Klasse, spricht bereits perfekt Deutsch – und bemalt nicht zum ersten Mal Ostereier. „Das haben wir in der Schule auch schon gemacht“, erzählt sie. Sie wusste, wie viel Spaß das macht. Deshalb hat sie ihre Mutter überredet, heute mitzumalen. Aber Mandala hat lieber dabei geholfen, den Hefezopf zu backen. Sie hat zu Hause in Nigeria immer so gern gebacken.

Ein Stück für die Mama... Der zweijährige Prepie füttert seine Mutter Mandala mit Hefezopf.

„Gerade bei den Festen hier in Deutschland fehlen vielen Flüchtlingen ihre Familien sehr“, sagt Roswitha Reiser vom Asylhelferkreis. Deshalb hat sie gemeinsam mit einigen anderen Helfern das Ostereier-Malen organisiert. „Die Religion spielt dabei keine Rolle“, sagt sie. Die Flüchtlinge sollen die bayerischen Bräuche kennenlernen, von ihrer Heimat erzählen, Spaß haben. „Es geht einfach um ein bisschen Freude.“

Das bisschen Freude verpacken Faith und ihre Freundin Mariam (6) in viele kleine Plastikbeutel. In jeden kommen kleine Osterhasen, gefärbte Eier und natürlich Schokoladeneier. Die beiden Mädchen laden einen großen Wäschekorb damit voll, laufen von Tür zu Tür und legen dort für jeden Bewohner der Unterkunft ein Ostergeschenk ab. Ein kleiner Bub hat wohl etwas rascheln gehört, er öffnet die Tür, bevor Faith und Mariam sich verstecken können. Dann entdeckt er die Beutel. „Zu Ostern“, sagt Faith. Der Junge strahlt, er liebt Schokolade. Von Ostern hat er zwar noch nie etwas gehört, aber es könnte sein neues Lieblingsfest werden.

Katrin Woitsch

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