Hier hat das Jesuskind über 900 Freunde

Alling - Schon im Oktober setzen Sofie und Paul Pförtsch das Christkind in die Krippe. Doch die Allinger wollen nicht etwa die Adventszeit nach vorne verlegen, sie haben vielmehr eine Riesenkrippe.

Die Standardkrippe in deutschen Haushalten umfasst wohl ein Christkind mit Maria und Josef, Ochs und Esel in einem Stall. Manchmal sind auch noch die heiligen drei Könige mit dabei. In dem ein oder anderen Wohnzimmer mögen vielleicht auch noch ein paar Hirten mit ein paar Schafen stehen.

Nicht so bei Sofie und Paul Pförtsch. Bei ihnen im Wintergarten findet sich nämlich gleich eine ganze Krippenlandschaft: Hier ist ein Elefant schwer beladen mit Geschenken auf dem Weg zum Krippenpalast. Dort beten Menschen in einer Kapelle auf einer Anhöhe und darüber schwebt ein Engels-Chor. An anderer Stelle pflügt ein Bauer neben Pferdekoppel und Kuhweide sein Feld. Ein Müller lädt gerade Säcke mit frisch gemahlenem Mehl auf einen Wagen, während ein Schmied mit ein paar heißen Eisen hantiert. Im Hühnerstall warten die Hennen nur darauf, dass eines der Jungen der Fuchsfamilie eines der Küken reißen will. Auf der buchstäblich spiegelglatten Teichoberfläche schwimmen Enten und Gänse.

Mit mehr als 900 Einzelteilen füllt die Krippe fast die kompletten 15 Quadratmeter des Wintergartens aus. Wegen der schieren Fülle an Einzelteilen beginnt das Ehepaar schon Anfang Oktober, die Krippe aufzustellen. Es dauert nämlich gute drei Wochen, bis jede Figur ihren Platz gefunden hat.

Die heilige Familie, die Hirten, die Engel und alle anderen Figuren werden das Jahr über in Schachteln im Keller gelagert. Sofie Pförtsch packt sie jedes Jahr aus und entstaubt sie sorgfältig. Direkt an den Wintergarten schließt ein Esszimmer an. Darin ordnet die 76-Jährige die einzelnen Figuren dann zur Probe an, bevor im Wintergarten die Krippenlandschaft mit Moos, Sand und Steinen perfekt arrangiert wird. „Wir essen dann immer in der Küche, weil hier alles mit Schachteln zugestellt ist“, sagt ihr Ehemann Paul und lacht.

Angefangen hat alles mit der heiligen Familie, die in einem kleinen Palast steht, der bei dem Ehepaar den klassischen Stall ersetzt. Diese etwa 20 Zentimeter großen, geschnitzten Figuren haben die beiden vor über 15 Jahren in Südtirol erstanden. „Jedes Jahr ist die Krippe dann ein kleines bisschen größer geworden“, erzählt der 80-Jährige. Neue Figuren haben sie aus den verschiedensten Ecken zusammengesammelt. Einige sind aus Südtirol, aber auch in Schongau und Gröbenzell sind ein paar der Figuren geschnitzt worden. Die ein oder andere Figur und Einzelteile haben sie auch auf Christkindlmärkten erstanden.

„Selber schnitzen kann ich nicht“, sagt Paul Pförtsch. Dafür ist er aber für die Elektrik und andere Handwerkerarbeiten zuständig. Unter dem goldenen Vorhang, der den Krippentisch umspannt, verbirgt sich nämlich ein ganzes Gewirr an Schläuchen und Kabeln. Schließlich müssen über 60 Lämpchen und fünf Umwälzpumpen mit Strom versorgt werden. Sie lassen die Krippe in vollem Glanz erstrahlen und betreiben einen kleinen Wasserfall sowie ein echtes Miniaturmühlrad. Der gelernte Müller und spätere Brauereifahrer hat außerdem einige der Hütten und Ställe für die diversen Tierarten selbst im Keller zusammengezimmert.

Wenn alle Figuren und Häuschen einmal an ihrem rechten Platz sind, kann nichts mehr verändert werden. „Da komme ich dann einfach nicht mehr hinter. Da muss dann alles so stehen bleiben wie es ist“, erzählt die 76-Jährige. Daher liegt auch das kleine Jesuskind schon seit Oktober in seiner Krippe, und auch die heiligen drei Könige besuchen es schon weit vor ihrem eigentlichen Ankunftsdatum.

Mittlerweile ist die Pförtsche Krippe schon in ganz Alling bekannt. Freunde, Bekannte und Verwandte kommen jedes Jahr wieder gerne auf einen Kaffee vorbei, um die Riesenkrippe zu bewundern, erzählt Sofie. Pfarrer Martin Bickl hält sogar das Messnertreffen im Pförtschen Wohnzimmer ab. Die Messner würden sich dann immer selbst so eine Krippe für ihre Kirchen wünschen, sagt die 76-Jährige stolz. Sie hat wegen des vielen Besuchs ein Gästebuch im Hausgang angelegt, in dem sich die vielen Krippenbesucher verewigen können. „Die Leute sind immer ganz begeistert, wenn sie die Krippe sehen“, freut sie sich. Auch Sohn Eduard findet: „Es ist die größte und schönste Krippe in ganz Bayern.“ (rk)

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