Wetter-Warnung für München: Das Schlimmste kommt in der Nacht zu Dienstag - „Schließen sie alle Fenster und Türen“

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Der Turm des Windrades wird aus vorgefertigten Betonteilen zusammen gesetzt. Sie werden an der Baustelle endmontiert und mit dem Kran nach oben gehievt.

Schritt für Schritt in die Höhe

Hier wächst das erste Windrad Fürstenfeldbrucks

Mammendorf - Das erste Windrad im Landkreis wächst unaufhaltsam in die Höhe. Der Bau ist eine technische Herausforderung, der Planung, Spezialisten und Maschinen der neuesten Generation erfordert.

Am Aldi-Kreisel links, vorbei am Jugendzeltplatz, an der Baumreihe hinter, am Maisfeld entlang den Hügel rauf bis zum Waldrand: Zwar weisen Schilder den Weg zur Windrad-Baustelle, doch Bernhard Schulz kennt ihn längst auswendig. Der Technische Leiter von EEBL, eines Tochterunternehmens der Brucker Stadtwerke, stattet der Baustelle jeden Tag einen Besuch ab – jeden Tag, an dem der Wind nicht weht.

Klingt komisch, ist aber so. Denn lange, bevor sich die Rotoren drehen, regiert am Windrad der Wind. Die Montage ist Millimeterarbeit. Wenn Kran, Taue oder Betonteile nur minimal ins Schwanken geraten, muss die Arbeit sofort unterbrochen werden. „An der Spitze des riesigen Krans ist extra eine Wetterstation angebracht“, erklärt Bernhard Schulze. Die Messergebnisse werden ständig nach unten gefunkt. Überschreitet die Windgeschwindigkeit dort oben neun Meter pro Sekunde, ist auch am Boden erstmal Schluss.

Windbedingte Mittagspause

Die Kabine des Kranführers gleicht einem Cockpit. Auf einem der vielen Displays liest er auch die Windstärke ab. Gerade jetzt muss wer die Monteure wieder einmal stoppen. Der Bautrupp erledigt noch einige Restarbeiten am Boden. Technik-Leiter Schulze hat inzwischen seinen weißen Schutzhelm aus dem Kofferraum seines Kombis geholt und mit geübtem Griff aufgesetzt. Die acht Monteure grüßen kurz auf dem Weg zur windbedingten Mittagspause. Betonteile und Rollen mit Drahtseilen liegen verwaist herum – nur scheinbar willkürlich. Die Profis der Firma Enercon stellen hier nicht ihr erstes Windrad auf. Alles ist bis ins Detail durchdacht. Nur das Wetter lässt sich nicht planen. Am Vormittag wehte kein Lüftchen. Zwei Betonringe wurden oben auf den Turm gesetzt. Vier an einem Tag wären super. Doch der Wind frischt weiter auf. Heute wird es wohl bei den jetzt insgesamt aufgetürmten 17 Segmenten bleiben. 17 mal 3,6 Meter macht 61,2 Meter, rechnet Technik-Leiter Schulze aus. Fehlen noch 74 Meter bis zur Turmspitze.

Gegossen wurden die Betonringe in Österreich. Die unteren Segmente kamen in drei Teilen, die mittleren, die jetzt verbaut werden, in Halbschalen. Die oberen wurden im Ganzen geliefert. Denn der Turm wird zur Spitze hin immer dünner. Im derzeitigen Bauabschnitt werden die Betonhalbschalen auf einem Montagekreuz zu einem Segment zusammengeschraubt. Unnötig zu erwähnen, dass auch die Dimension dieser Schrauben gewaltig ist. Wie die Menschen im Lande Lilliput an dem für sie riesenhaften Gulliver klettern die Monteure an Leitern die Ringen hinauf, in sie hinein oder an ihnen entlang.

Montage in schwindelerregender Höhe

Die Besonderheit der Betonringe sieht man erst, wenn man vor ihnen in die Knie geht und den Kopf schief legt: eingegossene Löcher. Durch sie werden, wenn der Turm fertig ist, von oben Stahlseile gefädelt, die bis zur Basis reichen. „Sie verspannen die Betonteile und geben ihnen die endgültige Festigkeit“, erklärt Schulze. Die horizontalen Fugen zwischen den Ringen werden gegen Feuchtigkeit isoliert. Dies muss inzwischen in schwindelerregender Höhe geschehen. Dafür hängt innen im Turm eine mobile Montageplattform.

Insgesamt wird das Windrad 1800 Tonnen schwer. Der Generator, der die Windenergie in Strom umwandelt, wiegt alleine 80 Tonnen. All diese Zahlen und Daten hat Schulze im Kopf. Und die Erklärung, warum die Betonringe ausgerechnet 3,6 Meter hoch sind schiebt er lächelnd hinterher: „So passen sie auf dem Schwertransporter unter Brücken durch und es bleibt noch ein Spielraum.“

Das erste Windrad im Landkreis Fürstenfeldbruck

Bilder: Das erste Windrad im Kreis Fürstenfeldbruck

Die Toleranz beim Windrad selbst ist Minimal. Auf 135 Meter Gesamthöhe darf der Turm höchstens fünf Zentimeter abweichen. Beim unteren Ring wurden 0,1 Millimeter gemessen. Ein Spitzenwert. Wage bleiben müssen dagegen die Angaben zur Bauzeit. Wegen der Windunterbrechungen ist man leicht in Verzug. Ende Oktober sollten sich die Rotoren erstmals drehen. „Von der ersten Drehung und von der ersten Kilowattstunde an wird alles ins Netz eingespeist, schon vor der Endabnahme“, sagt Schulze

Die abisolierten Enden des nötigen Stromkabels liegen im hohen Gras am Rand der Baustelle. Bis dorthin wurden sie verlegt. Die letzten Meter zum Windrad werden erst installiert, wenn der Riesenkran abtransportiert ist. Neben den Kabeln steht ein alter Jägerstand – im krassen Gegensatz zur Hightech der Windradbauer. Er wird wohl stehenbleiben. Enercon und EEBL werden ihn zumindest nicht antasten. „Das Gelände da hinten gehört uns schon nicht mehr“, meint Schulze lapidar. Mehr Kopfzerbrechen bereitet ihm der Bauzaun am Waldrand. Den haben Neugierige schon umgerissen. „Die kommen aus dem Wald vom Schwammerlsuchen und wollen unbedingt aufs Gelände. Am Wochenende hat der Sicherheitsdienst ganz schön zu tun.“ Dabei hat Schulze nichts gegen Schaulustige. „Sie sind interessiert und dem Windrad gegenüber sehr positiv eingestellt.“ Gegner hat er vor Ort noch keinen getroffen.

Antworten auf die am häufigsten gestellten Fragen

Das Turm des Windrades TYP E 101 wird 135 Meter hoch. An der Basis beträgt der Durchmesser 10,7 Meter. In 133,3 Metern Höhe, wo die Gondel mit dem Generator und die Rotoren angebracht werden, ist der Durchmesser 3,2 Meter. Bis 87 Meter Höhe wird der Turm aus 27 Betonsegmenten aufgebaut.

Die Ringe sind 30 bis 48 dich Zentimeter und etwa 50 Tonnen schwer. Die letzten 48 Meter des Turms bestehen aus ebenfalls vorgefertigten drei Stahlteilen. Die Gondel wird oben auf dem Turm angebracht. Sie wiegt 300 bis 400 Tonnen. In ihr befindet sich der Generator. An ihr werden die Rotorblätter montiert. Sie sind jeweils etwa 60 Meter lang.

Der Aufstieg im fertigen Turm erfolgt über eine Steigleiter Anseilen-Einrichtung. Zwischendurch gibt es Podeste mit Klappluken zum Ausruhen. Die Farben: Ein roter Ring und Leuchtpunkte dienen der Sicherheit des Luftverkehrs. Das Grün an der Turm-Basis war Vorgabe des Landratsamtes.

Drei Regeln für Windrad-Touristen

Besucher sind am Windrad willkommen. Er wurde extra eine Informationstafel mit den wichtigsten Daten aufgestellt. Interessierte sollten aber drei Regeln beachten:

  1. Parken: Die Zufahrt bis zum Schotterplatz vor der Bautafel ist erlaubt. Dort ist aber Schluss. Bitte Parken und zu Fuß weiter.
  2. Sicherheitsbereich: Ob gebaut wird oder nicht: Am Zaun beziehungsweise (Wochenende) am Rand der Baustelle (werktags) ist für Besucher Schluss. Man kann von dort aus alles gut sehen.
  3. Wachpersonal: Die Baustelle ist rund um die Uhr bewacht. Anweisungen der Security-Leute bitte unbedingt befolgen. 

Sabine Kuhn

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