Rechnet jedes Gramm einzeln ab: Bäcker Werner Nau aus Grunertshofen hat auf ein neues System umgestellt. Das Vorbild dafür kennt er unter anderem aus Südtirol. Foto: Osman

Einen festen Preis gibt es nicht

Dieser Bäcker wiegt jede Semmel ab

Grunertshofen - Brezen und Semmeln kosten einen festen Preis, das ist man seit jeher so gewohnt. Bäcker Werner Nau aus Grunertshofen macht es anders: Bei ihm wird nach Gewicht pro Stück bezahlt.

„Der Kunde zahlt nur, was er auch wirklich bekommt“, sagt der Bäckermeister. „Ehrlicher geht’s nicht.“ Im Durchschnitt kostet eine Semmel in den Bäckereien der Region 35 Cent. „Aber man weiß nie, was man dafür eigentlich genau bekommt“, erklärt der Innungsmeister.

Der 51-Jährige nimmt eine Semmel aus dem Korb hinter der Ladentheke und legt sie auf die Waage. Die Digitalanzeige vermeldet: 61 Gramm, das macht 37 Cent. Die nächste wiegt nur 57 Gramm und kostet deshalb nur 34 Cent. Genauso bei den Brezen – ein paar Gramm hin oder her bedeuten ein paar Cent hin oder her. Seit drei Jahren praktiziert Nau das so. Damals war ein neues Kassensystem fällig – eine Investition, die er zum Anlass nahm, den Abrechnungsmodus gleich mit umzustellen.

Kennengelernt hatte er das Konzept in Südtirol. „Auch in Skandinavien sei es üblich, alles abzuwiegen.“ Nau hat mittlerweile fünf Filialen, unter anderem in Mammendorf, Türkenfeld und Bruck. Er sieht nicht ein, wieso für die Preise von Kleingebäck andere Regeln gelten sollen als für die Wurst beim Metzger oder das Benzin an der Tankstelle.

Jeder hat eine andere Marketingstrategie

Auch dort schlagen sich schließlich kleine Mengenunterschiede sofort auf dem Kassenzettel nieder. Für die Kunden sei es eine Umstellung gewesen, räumt der Bäcker ein. „Für einige war es sogar sehr schwierig. Aber inzwischen finden es alle gut.“

Immerhin hätte man nun die Garantie, dass es nie versteckte Erhöhungen geben könne, bei denen zwar der Preis gleich bleibt, das Produkt aber schrumpft. Es hat auch niemand mehr Grund, unbedingt „die große Quarktasche“ zu verlangen oder sich zu beschweren, die Semmeln seien heute aber kleiner als sonst. Unterschiede bei den handwerklich hergestellten Backwaren sind ganz normal, betont Nau. „Es sind schließlich keine genormten Industrieprodukte.“

Trotz aller Vorteile, von denen der Grunertshofener überzeugt ist: Dass sein Beispiel Schule macht, ist wohl nicht zu erwarten. „Der Zeitaufwand ist zu groß“, winkt Bäckerin Brigitte Schmitt aus Germering ab. „Wenn ich mir vorstelle, jemand kauft zehn verschiedene Semmeln und die müssen alle einzeln abgewogen werden, das ist ja der Wahnsinn.“ Außerdem verunsichert es ihrer Ansicht nach die Kunden, keine festen Preise für das Kleingebäck zu haben. „Und so groß können die Unterschiede ja nicht sein.“ Auch Ingrid Rackl von der gleichnamigen Olchinger Backstubn ist skeptisch. „Ich weiß nicht ob die Idee so gut ist, man kann des Guten auch zu viel machen. Aber schließlich hat jeder seine eigene Marktstrategie.“

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